{"id":676,"date":"2014-03-10T01:35:53","date_gmt":"2014-03-09T23:35:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=676"},"modified":"2019-02-22T14:18:45","modified_gmt":"2019-02-22T12:18:45","slug":"ernst-engel","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=676","title":{"rendered":"Ernst Engel"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Broody<\/strong><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<h5>\n<p style=\"text-align: center;\">Ernst Georg Wilhelm ENGEL<\/h5>\n<\/p>\n<p><b>* 20.2.1901 in Berlin<br \/>\n\u2020 6.6.1958 in Paris<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nErnst Engel wurde am 20. Februar 1901 in Berlin als Sohn des j\u00fcdischen Kaufhausbesitzers Salo Engel und seiner Ehefrau Theophila, geb. Heimann, geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums \u201eZum grauen Kloster\u201c in Berlin studierte er Musikwissenschaft und Philosophie in M\u00fcnchen, nach anderen Quellen auch Klavier und Komposition an der Hochschule f\u00fcr Musik in Berlin. Ab 1926 war er Barpianist, spielte im Rundfunk, bei Schallplattenaufnahmen und sp\u00e4ter auch bei der UFA. Er soll einige weitere Instrumente sowie mehrere Fremdsprachen beherrscht haben.<br \/>\nAb 1929 war Ernst Engel Pianist der neu er\u00f6ffneten \u201eJockey-Bar\u201c in der Lutherstra\u00dfe 2 in Berlin, wo er f\u00fcr 15 Reichsmark pro Abend das vornehme Publikum mit seiner exzellenten Spielweise begeisterte und das Repertoire von Klassik bis Jazz beherrschte, wobei er verschiedene Stilrichtungen meisterhaft miteinander verkn\u00fcpfte. Am 22.10.1930 heiratete er in Berlin seine erste Frau Ilse, geborene W\u00fcrzler (* 27.05.1909 in Leipzig). 1931 wohnte Familie Engel in Berlin-Charlottenburg, Lietzenseeufer 9b, ab 1933 in Berlin-Zehlendorf in der Spandauer Str. 121, die kurz darauf in Onkel-Tom-Stra\u00dfe umbenannt wurde.<br \/>\nNach der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten wurde auch Ernst Engel von den Restriktionen gegen j\u00fcdische K\u00fcnstler betroffen. Bei einer Kontrolle durch die Reichsmusikkammer in der \u201eJockey-Bar\u201c wurde im November 1934 festgestellt, dass Ernst Engel noch ohne Mitgliedsausweis der Reichsmusikkammer war. Er hatte keinen Fragebogen zu seinen pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnissen und Engagements abgegeben. Daraufhin wurde er von der Kontrollabteilung der Reichsmusikkammer zu einer Aussprache vorgeladen. Danach f\u00fchrte ihn die Reichsmusikkammer ab November 1934 als \u201eVolljude, Pianist\u201c und verzeichnete ihn in der \u201eListe \u00fcber Nichtarier\u201c unter der Mitgliedsnummer 13672. Die endg\u00fcltige Ablehnung des Aufnahmeantrages zur Reichsmusikkammer erfolgte mit Schreiben vom 22. August 1935. Der Brief tr\u00e4gt den Vermerk \u201eunbekannt verzogen\u201c. Zu dieser Zeit lebte Ernst Engel bereits in Wien, wohin er mit seiner ersten Frau Ilse \u00fcbergesiedelt war und wo er am 15. April 1935 als Pianist der Comedy Harmonists engagiert wurde. Mit der Gruppe absolvierte er zahlreiche Konzerttourneen in \u00d6sterreich, der Schweiz, Frankreich, Skandinavien, Italien, den Niederlanden, Russland, Tschechien, Belgien und Luxemburg. Er wirkte an mehreren Plattenaufnahmen in Paris, Kopenhagen, Wien und Stockholm sowie gemeinsam mit der Gruppe an zwei Spielfilmen mit.<br \/>\nOffenbar gab es mit Ernst Engel Disziplinschwierigkeiten, weil er nicht zu Proben erschien, zunehmend unzuverl\u00e4ssig war und gelegentlich auch zu viel trank. Die Comedy Harmonists machten ab Anfang April 1936 in Paris und Wien und sp\u00e4ter auch in Leningrad Proben und Testaufnahmen mit zwei unbekannten Pianisten. W\u00e4hrend der Russland-Tournee f\u00fchrten Harry Frommermann, Erich Collin und Roman Cycowski mehrmals Aussprachen mit Ernst Engel und Ende M\u00e4rz 1937 trennte sich die Gruppe bei einem Gastspiel in Paris endg\u00fcltig von ihm. Nach anderen Quellen wollte Engel mit seiner schwangeren Frau nicht mehr durch die Welt reisen und zog es vor, in Paris zu bleiben. Die Comedy Harmonists engagierten schlie\u00dflich im Sommer 1937 in Paris Fritz Kramer als neuen Pianisten.<br \/>\nErnst Engel trat in Paris wieder als Barpianist auf und lebte zun\u00e4chst im \u201eHotel Moderne\u201c, sp\u00e4ter in Le Raincy 48, All\u00e9e du Cotau. Im September 1937 wurde sein Sohn Michael geboren, im Oktober 1938 seine Tochter Babette. Kurz darauf trennte sich Engel von seiner ersten Frau. Mit seiner neuen Lebensgef\u00e4hrtin Nina Weichberger (* 05.08.1914, \u2020 1999) verkehrte er in Pariser K\u00fcnstlerkreisen.<br \/>\nNach der Kriegserkl\u00e4rung Frankreichs an Deutschland wurde Ernst Engel 1939 im Pariser Gef\u00e4ngnis Sant\u00e9 interniert. Danach verbrachte er einige Zeit in verschiedenen Internierungslagern, unter anderem in Fresnes, Marseille, Gurs, Les Milles und Septfonds, wo er in Lagerkapellen musizierte. Zwischenzeitlich \u00fcberlebte er eine schwere Tuberkulose. Gegen Ende der Besatzungszeit wurde er sogar freigestellt, um Musikstunden und Hauskonzerte zu geben. Seine erste Ehe wurde 1941 geschieden. 1942 gelang ihm die Flucht aus dem Arbeitslager Septfonds, und er konnte sich auf dem Land verstecken. Er verdiente ab 1945 seinen Lebensunterhalt wieder als Barpianist in Paris, unter anderem in der \u201eBar de Schubert\u201c und im \u201eLe Chaplin\u201c. Im selben Jahr wurde sein Sohn Tobias geboren, 1947 sein Sohn Nikolas und 1948 sein Sohn David. Inzwischen spielte Ernst Engel im \u201eCaf\u00e9 Central\u201c in Paris, Boulevard Poissiniere.<br \/>\nErnst Engel litt an der Parkinson-Krankheit, was ihn ab Mitte der 1950er Jahre zunehmend in seiner k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit einschr\u00e4nkte. Ende 1957 kehrte er nach Deutschland zur\u00fcck und stellte einen Wiedergutmachungsantrag bei den deutschen Beh\u00f6rden. Er wollte sich mit seiner zweiten Frau Nina, die aus Bremen stammte und die er am 31.12.1957 in Bremen heiratete, und den gemeinsamen drei Kindern in Bremen niederlassen. Aufgrund von Streitigkeiten innerhalb der Familie kehrte er aber Anfang 1958 nach Paris zur\u00fcck, wo er am 6. Juni 1958 verstarb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"center\" size=\"2\" width=\"100%\">\n<p style=\"text-align: center;\">Unter Verwendung von Nachl\u00e4ssen und <a href=\"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=30\" title=\"Literatur\"><strong>publizierten Quellen<\/strong><\/a> sowie nach <a href=\"http:\/\/www.lexm.uni-hamburg.de\/object\/lexm_lexmperson_00001808\" target=\"_blank\"><strong>Pasdzierny (2013)<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Broody &nbsp; Ernst Georg Wilhelm ENGEL * 20.2.1901 in Berlin \u2020 6.6.1958 in Paris &nbsp; Ernst Engel wurde am 20. 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