{"id":292,"date":"2014-01-14T23:59:04","date_gmt":"2014-01-14T21:59:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=292"},"modified":"2019-02-21T21:43:40","modified_gmt":"2019-02-21T19:43:40","slug":"erwin-bootz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=292","title":{"rendered":"Erwin Bootz"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Broody<\/strong><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<h5>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Erwin<\/span> Werner Wilhelm BOOTZ<\/p>\n<\/h5>\n<p><b>* 30.6.1907 in Stettin<br \/>\n\u2020 27.12.1982 in Hamburg<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nErwin Bootz wurde am 30. Juni 1907 in Stettin geboren. Die Familie Bootz wohnte damals in der Stettiner Ritterstra\u00dfe. Sein Vater, August Wilhelm Friedrich Bootz, geboren in Rothem\u00fchl\/Uckermark, betrieb in der Splittstra\u00dfe 3 in Stettin ab 1920 die Musikalienhandlung \u201eOdeon-Musik-Haus\u201c. Gegr\u00fcndet worden war sie von seiner zweiten Ehefrau Anna Martha, geb. Brandst\u00e4tter, die er 1906 nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete. Im zweiten Stock des Hauses lag die Wohnung der Familie. Erwin Bootz hatte zwei Schwestern, Gerda und Karla, sowie eine Stiefschwester und drei Stiefbr\u00fcder aus der ersten Ehe seines Vaters.<br \/>\nErwin Bootz begann im Alter von 4 Jahren, autodidaktisch Klavier zu spielen. Inspiriert wurde er unter anderem von den Schallplatten, die er im elterlichen Gesch\u00e4ft anh\u00f6ren konnte. Seit dem 10. Lebensjahr erhielt er Klavierunterricht, zwei Jahre sp\u00e4ter begann Erwin Bootz eine klassische Klavierausbildung am Loewe-Konservatorium in Stettin. Nach dem Abitur studierte er von 1924 bis 1928 an der Hochschule f\u00fcr Musik in Berlin Klavier, Gesang und Kompositionslehre. Neben dem Studium verdiente er sich Geld durch Klavierspiel, u. a. im Restaurant \u201eMajowski\u201c in der Meinekestra\u00dfe.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1928 brachte Ari Leschnikoff, der Erwin Bootz von der Hochschule kannte, diesen mit zu den Melodiemakers, die zu dieser Zeit einen Pianisten suchten. Sowohl Harry Frommermann als auch Theodor Steiner waren mit dieser Aufgabe wohl \u00fcberfordert. Obwohl Erwin Bootz und Theodor Steiner am 24. April 1928 noch gemeinsam zu den Mitunterzeichnern eines Vertrages zwischen den Melodiemakers und dem Kabarett der Komiker f\u00fcr den Monat September 1928 geh\u00f6rten, wurde schlie\u00dflich Erwin Bootz Pianist der Gruppe, die sich ab September 1928 Comedian Harmonists nannte.<br \/>\nErwin Bootz wurde eine unglaubliche Musikalit\u00e4t nachgesagt. Er beherrschte das Klavier perfekt bis in die kompliziertesten Tonlagen, spielte meist auswendig, konnte musikalisch phantasieren und improvisieren und moderne Schlager nach klassischen Vorlagen adaptieren. Er arrangierte einen Teil der von Harry Frommermann erarbeiteten Titel neu, insbesondere, um sie f\u00fcr die begrenzte Kapazit\u00e4t der damaligen Schallplattenaufnahmen zu k\u00fcrzen. Er begleitete die monatelangen, m\u00fchsamen Proben der jungen Gruppe und war ma\u00dfgeblich daran beteiligt, den Ensembleklang zu formen. Au\u00dferdem begann er zu komponieren. Aus seiner Feder stammen die Comedian-Harmonists-Titel \u201eDu hast mich betrogen\u201c, \u201eGuten Tag, gn\u00e4dige Frau\u201c, \u201eIch hab\u2019 f\u00fcr Dich \u2018nen Blumentopf bestellt\u201c und \u201eSch\u00f6ne Isabella von Kastilien\u201c. Erwin Bootz wohnte zu dieser Zeit zu Untermiete bei dem Pension\u00e4r Friedrich Nordhausen in der Schillerstra\u00dfe 68 b in Berlin-Charlottenburg.<\/p>\n<p>Zum Jahresende 1930 verlie\u00df Erwin Bootz das Ensemble. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind nicht eindeutig feststellbar. Er widmete sich unter anderem dem noch sehr jungen Tonfilm, arrangierte die Musik f\u00fcr den Film \u201eHans in allen Gassen\u201c mit Hans Albers und wirkt selbst als Klavier spielender Pensionsgast in dem UFA-Film \u201eAbschied\u201c mit. Von ihm stammen die Lieder \u201eReg Dich nicht auf, wenn mal was schief geht\u201c und \u201eWie schnell vergisst man, was einmal war\u201c aus diesem Film. Die Texte dazu schrieb Gerd Karlick, der hier wie auch bei \u201eIch hab\u2019 f\u00fcr Dich \u2018nen Blumentopf bestellt\u201c und bei weiteren gemeinsamen Liedern wie z. B. \u201eIch bin so scharf auf Erika\u201c oder \u201eWarum l\u00e4sst Du nichts mehr von Dir h\u00f6ren?\u201c ein kongenialer Partner f\u00fcr Bootz war. Beide hatten sich durch Zufall kennengelernt \u2013 Karlick war der Sohn der Zimmerwirtin Else Karlick in der Passauer Stra\u00dfe 27, wo Bootz seit 1930 lebte.<br \/>\nDie Comedian Harmonists nahmen im Dezember 1930 den studierten Pianisten Fried Walter (eigtl. Walter Schmidt) probeweise unter Vertrag, der aber schon nach sechs Wochen durch Walter Joseph von der Nelson-B\u00fchne ersetzt wurde. Im Sommer 1931 erwogen die Comedian Harmonists kurzzeitig, Walter Joseph durch den Pianisten Adam Gelbtrunk vom Gro\u00dfen Schauspielhaus Berlin zu ersetzen. Doch zum August 1931 kehrte Erwin Bootz wieder zu den Comedian Harmonists zur\u00fcck, wohl weil deren wachsender k\u00fcnstlerischer Erfolg eine sichere Einnahmequelle war. Unklar bleibt, ob und an welchen Schallplattenaufnahmen im ersten Halbjahr 1931 Erwin Bootz als Pianist beteiligt war.<br \/>\nAb 1932 wohnte er im Barnayweg 1 in Berlin-Friedenau. Am 2. Mai 1932 heirate Erwin Bootz Ursula Sibylla Mirjam Elkan aus Frankfurt am Main (* 6.9.1910 in Karlsruhe &#8211; \u2020 1.3.2004 in Beverly Hills, USA), die Tochter des j\u00fcdischen Bildhauers Benno Elkan. Gemeinsam mit den anderen Ensemblemitgliedern erlebte er die zunehmenden Restriktionen der Nationalsozialisten im Kulturbereich und die Ausgrenzung j\u00fcdischer K\u00fcnstler. 1935 wurde Erwin Bootz wie auch Robert Biberti und Ari Leschnikoff in die Reichskulturkammer aufgenommen und erhielt die Mitgliedsnummer I\/12824, w\u00e4hrend die j\u00fcdischen Mitglieder Harry Frommermann, Roman Cycowski und Erich Collin nicht aufgenommen wurden, was zur Trennung der Gruppe f\u00fchrte.<br \/>\nBootz, der offenbar immer sehr unter dem Einfluss von Robert Biberti stand, war nach der Gr\u00fcndung der deutschen Nachfolgegruppe Meistersextett einer ihrer Inhaber und blieb Pianist der Gruppe. Allm\u00e4hlich gelang es der neuen Gruppe, wieder abendf\u00fcllende Konzerte zu veranstalten und neue Schallplatten aufzunehmen, auch wenn das Repertoire wegen des Verbots j\u00fcdischer Autoren zun\u00e4chst stark eingeschr\u00e4nkt war. Bootz arrangierte Volkslieder und bekannte Schlager f\u00fcr das Meistersextett und komponierte die Titel \u201eSolimah\u201c, \u201eJede Stunde ohne Dich ist eine Ewigkeit f\u00fcr mich\u201c und \u201eOh, ich glaub ich hab mich verliebt\u201c. Bruno Seidler-Winkler beschwerte sich einmal, das seien <em>\u201ealles musikalische Notenr\u00e4tsel, grauenhaft, alles Ces-, Ges- und Des-Dur, so schwer, dass mans kaum vom Blatt spielen kann!\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Robert und Hilde Biberti unternahm Erwin Bootz im Juni 1936 eine Schiffsreise mit der S.S. Europa in die USA. Familie Bootz war inzwischen in eine neue Wohnung am Kurf\u00fcrstendamm 24 gezogen. Die Beziehung zu seiner Ehefrau war aber bereits gest\u00f6rt, im Sommer 1937 erfolgte die Scheidung. Dies hat ihm sp\u00e4ter den Vorwurf eingebracht, dass er sich von ihr scheiden lie\u00df, weil sie J\u00fcdin war, was Erwin Bootz stets bestritten hat. Er zog in eine neue Wohnung in der Z\u00e4hringer Stra\u00dfe 14. <\/p>\n<p>In die Auseinandersetzung mit der Reichskulturkammer um die F\u00fchrung des Namens Meistersextett mit dem Zusatz <em>\u201efr\u00fcher Comedian Harmonists\u201c<\/em> schaltete sich Erwin Bootz noch pers\u00f6nlich ein und hatte hier\u00fcber im September 1937 eine Unterredung mit dem Pr\u00e4sidenten der Reichsmusikkammer, Dr. Peter Raabe. Doch im Fr\u00fchjahr 1938 verlie\u00df er endg\u00fcltig das Meistersextett und \u00fcbernahm im Juni die k\u00fcnstlerische Leitung des Kabaretts der Komiker (KadeKo) am Lehniner Platz unter dessen neuem Direktor Willi Schaeffers. Mit dem von Bootz zusammengestellten zehnk\u00f6pfigen Orchester des KadeKo bestritt er die neue Spielsaison ab September 1938, das Er\u00f6ffnungsprogramm hie\u00df \u201eDas f\u00e4ngt ja gut an!\u201c. Es gab monatlich neue bunte Programme mit Musik, Tanz, Artistik und Clownerie, Matineen und Tanztees. Zu den Mitwirkenden z\u00e4hlten Teddy Stauffer, Olga Rinnebach, Heinz Ehrhardt, Peter Igelhoff und Lale Andersen. Erwin Bootz komponierte und arrangierte, sang und spielte teilweise selbst mit, u. a. parodierte er Igor Schaljapin und Paul Robeson. <\/p>\n<p>Daneben gestaltete das Kabarett auch Kleinkunst-Revuen wie \u201eDer Apfel ist ab\u201c von Helmut K\u00e4utner. F\u00fcr den Einakter in vier Bildern schrieb Erwin Bootz die Musik. Darsteller waren unter anderem Robert Dorsay, Lizzy Waldm\u00fcller, Willi Schaeffers, Hubert von Meyerinck und Eric Ode (eigtl. Erich Odemar). Auch f\u00fcr die Revuen \u201eEs geht nicht ohne Liebe\u201c im Januar 1939, u. a. mit Claire Waldoff und Werner Finck, sowie f\u00fcr \u201eM\u00e4rchen aus 1001 Nacht\u201c im Februar 1939 und \u201eF\u00fcr viele vieles\u201c im M\u00e4rz 1939 komponierte Erwin Bootz die Musik. Ab Mai 1939 begab sich das Ensemble mit dem Programm \u201eFanfaren: Der Mai ist gekommen\u201c auf Deutschland-Tournee und gastierte u. a. in Hamburg, Hannover, Frankfurt, Chemnitz, Dresden und Mannheim.<br \/>\nMit dem Orchester des KadeKo machte Erwin Bootz 1938 auch einige Schallplattenaufnahmen, so auf EG 6527 als \u201eErwin Bootz und sein Orchester\u201c mit \u201eGuten Abend, liebes Publikum\u201c und auf EG 6528 mit \u201eEin kleiner Accord\u201c (Igelhoff\/Schwenn) und \u201eEin kleiner Roman\u201c (Volkner\/Brink). Daneben komponierte Bootz weiter Schlager, z. B. \u201eDie bezauberndste Nacht der Saison\u201c und \u201eIch hab zwei s\u00fc\u00dfe Schwestern\u201c.<br \/>\nAuch nach Kriegsausbruch blieb Erwin Bootz musikalischer Leiter des Kabaretts der Komiker und schrieb die Musik und teilweise auch die Texte f\u00fcr die Revuen \u201eDas spricht B\u00e4nde\u201c   (Herbst 1939) und \u201eSolange es noch Liebe gibt\u201c (1940), in der er einen Troubadour mimte. Ferner wirkte er ab Januar 1940 im Wunschkonzert der Wehrmacht mit, wo er beliebte Tanzschlager aneinander reihte und daraus aktuelle politische Glossen machte. Anfang 1941 f\u00fchrte ihn ein Gastspiel nach Posen. Er wurde in der Fachschaft Artistik der Reichsmusikkammer gef\u00fchrt (Mitglieds-Nr. 10697), zudem war er Mitglied im Verband deutscher B\u00fchnenschriftsteller und -komponisten. <\/p>\n<p>Im August 1940 heiratete Erwin Bootz seine zweite Ehefrau Ruth Helene Marie Sametzki, geschiedene Polensky (* 9.8.1910 in Berlin &#8211; \u2020 1996), die eine Tochter mit in die Ehe brachte. Sie soll seine Jugendliebe gewesen sein. Im  gleichen Jahr l\u00f6ste er seinen Vertrag mit dem KadeKo, um mehr solistisch auftreten zu k\u00f6nnen. In der Folge war er als Pianist mit Instrumental-Titeln auch an Schallplattenproduktionen beteiligt, u. a. \u201eK\u00e1lm\u00e1n-Melodien\/L\u00e9har-Melodien\u201c mit einem Tanz-Streichorchester (PHILIPS PH4102H) und \u201eSchattenspiele\/Was eine Frau im Fr\u00fchling tr\u00e4umt\u201c mit dem Orchester Frank Fux (Telefunken A 10339).<br \/>\nEr unternahm Tourneen mit dem Ensemble des Kabarett der Komiker f\u00fcr die Organisation \u201eKraft durch Freude\u201c unter dem Titel \u201eFr\u00fchling und Liebe\u201c mit Musik von Peter Kreuder und eigenen Kompositionen, musikalischen Bearbeitungen und Texten. Sie f\u00fchrten ihn im April und Mai 1941 nach Danzig, Dresden, Chemnitz und Halle. Er sang auch weiter selbst Lieder wie \u201eIch bin ja so sch\u00fcchtern\u201c und \u201eIch bin ja so bescheiden\u201c sowie tagesaktuelle Parodien zur Musik aktueller Schlager. 1941 komponierte er das Walzerlied \u201eMit Dir im Paradiese\u201c mit einem Text von Helmut K\u00e4utner und den Tango \u201eDer erste Schritt ist ein Tangoschritt\u201c. Im Sommer dirigierte er das Gastspiel des KadeKo mit \u201eDer Apfel ist ab\u201c in M\u00fcnchen. Ende August 1941 hatte im KadeKo in Berlin die Revue \u201eTr\u00e4um von mir\u201c Premiere, f\u00fcr die Erwin Bootz Text und Musik schrieb.<br \/>\nDaneben arbeitete er als Filmmusiker f\u00fcr die Bavaria M\u00fcnchen in \u201eWarum nur tr\u00e4umen?\u201c (1941), \u201eAlles f\u00fcr die G\u00e4ste\u201c (1942) und \u201eDer Alpinist\u201c (1942, abgebrochen). Er war auch Mitglied des Regiestabes der Deutschen Zeichenfilm GmbH und verantwortlich f\u00fcr die Ger\u00e4uschuntermalung des Zeichentrickfilms \u201eUm einen Knochen\u201c.<\/p>\n<p>Im Februar 1942 wurde Erwin Bootz Gefreiter in einem Luftnachrichtenregiment an der Nordsee. Doch schon bald wurde er aufgrund seiner k\u00fcnstlerischen F\u00e4higkeiten uk-gestellt und erhielt ein Engagement f\u00fcr das Amt Truppenbetreuung des Reichsministeriums f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda. Im Rahmen der \u201eBerliner K\u00fcnstlerfahrt\u201c wirkte er in Veranstaltungen vor verschiedenen Truppenverb\u00e4nden in Deutschland, in den Niederlanden, Frankreich und in der Tschechei mit. Ab August 1943 wurde Erwin Bootz durch die Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Reichskulturkammer kriegsdienstverpflichtet und bestritt gemeinsam mit anderen K\u00fcnstlern Truppenkonzerte in und um Berlin sowie im Juni 1944 am Soldatensender Belgrad. Zu dieser Zeit wurde sein Sohn Michael geboren.<br \/>\nZum Ende des Krieges wurde Erwin Bootz in Berlin noch zum Volkssturm eingezogen, Hitlers letztem Aufgebot zur Verteidigung der Reichshauptstadt.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg wurde Erwin Bootz als Unbelasteter \u201eentnazifiziert\u201c. Er blieb in Berlin und nahm sofort seine k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit wieder auf, u. a. in einem Kabarett der Kleinkunst in Berlin-Zehlendorf. 1945 wurde die Ehe mit seiner zweiten Frau geschieden. Seine Wohnung, die er noch bis 1950 bewohnte, war im Krieg unversehrt geblieben.<br \/>\nIm Februar 1946 spielte Erwin Bootz mit dem wiedererstandenen KadeKo in dessen provisorischer Spielst\u00e4tte im Kronen-Filmtheater in Berlin-Friedenau Variationen \u00fcber Paganini.  Ab Juli 1946 trat er mit musikalischen Phantasien und Parodien in der Neuen Scala am Nollendorfplatz in Berlin auf. Im Dezember gr\u00fcndete er dort die Gesangsgruppe Singing Stars mit 8 S\u00e4ngerinnen. Er nahm auch den Kontakt mit Biberti wieder auf und tauschte mit diesem Schallplatten der Comedian Harmonists und des Meistersextetts. 1947 gab er gemeinsam mit Henry Lorenzen ein Gastspiel in Leipzig. 1949 gestaltete der eine Radiosendung beim S\u00fcddeutschen Rundfunk, der zahlreiche weitere folgen sollten.<\/p>\n<p>In den 1950er Jahren war Erwin Bootz in verschiedenen Bereichen k\u00fcnstlerisch aktiv, vor allem bei der Synchronisation von Spielfilmen. In der ersten deutschen Synchronfassung des amerikanischen Zeichentrickfilms \u201eGullivers Reisen\u201c von 1939 sprach Erwin Bootz 1949 die Stimme des Pepi. 1952 sprach er in \u201eDie W\u00fcstens\u00f6hne\u201c (Sons Of The Desert) die Rolle von Stan Laurel. Neben weiteren Sprechrollen schrieb er bis 1959 f\u00fcr zahlreiche ausl\u00e4ndische Filme die Dialogb\u00fccher und f\u00fchrte teilweise auch die Synchronregie, \u00fcberwiegend bei der Rank-Film Synchronproduktion in Hamburg. Daneben entstanden weitere Schallplattenaufnahmen, u. a. 1954: \u201eWie das so \u00fcblich ist\/Kuckuck &#8211; rate mal wer ich bin?\u201c (Polydor 49156), gesungen von Evelyn K\u00fcnneke, begleitet von Werner M\u00fcller mit dem RIAS-Tanzorchester Berlin. Im Dezember 1955 moderierte Erwin Bootz gemeinsam mit Hubert von Meyerinck die Rundfunksendung \u201eErinnerungen an das Jahr 1924\u201c, in der er selbst Klavier spielte und sang. Au\u00dferdem spielte er an zwei Klavieren gleichzeitig. 1956 wirkte Erwin Bootz als Sprecher bei einigen M\u00e4rchen-Schallplatten mit, so in \u201eDes Kaisers neue Kleider\u201c (POLYDOR 55008 KN), \u201eDas tapfere Schneiderlein\u201c (POLYDOR 55009) und \u201eM\u00e4rchen aus 1001 Nacht\u201c (Sternchen 009 513), sowie in einer Auskopplung \u201eSindbad der Seefahrer\u201c (Polydor 55013). Im selben Jahr war er nach Hamburg in die Sierichstra\u00dfe 48 verzogen. Dort lernte er seine sp\u00e4tere dritte Frau Helga (Helli) Margarethe Gade, geboren am 28.4.1933, kennen, eine gelernte Modezeichnerin, die in Hamburg Musik studierte.<\/p>\n<p>Im Juni 1956 gestaltete Erwin Bootz eine Radiosendung \u00fcber die Comedian Harmonists unter dem Titel \u201eMeistersinger der Kleinkunst &#8211; die Comedian Harmonists und ihre Zeit\u201c, die in regionalen Programmen ausgestrahlt und mehrfach wiederholt wurde. Im November entstand die Radiosendung \u201eDer klingende Zauberladen\u201c bei Radio Bremen, in der Bootz die Ansagen zu historischen Aufnahmen machte. Im gleichen Jahr moderierte er eine Sendung mit dem Titel \u201eSechs Herren im Frack\u201c im S\u00fcdwestfunk Baden-Baden. Im Januar 1957 sang er in der Sendung \u201eDas Magazin\u201c des Norddeutschen Rundfunks mehrere Titel, unter anderem \u201eIn der Bar zum Krokodil\u201c. 1958 schrieb Erwin Bootz das Dialogbuch f\u00fcr die deutsche Synchronfassung des amerikanischen Films \u201eDie Letzte Nacht der Titanic\u201c. Eine weitere Serie von Radiosendungen aus dem Jahr 1959 hie\u00df \u201eNoch leuchten ihre Sterne \u2013 Musikalischer Monatskalender von Erwin Bootz\u201c. <\/p>\n<p>Im Oktober 1959 \u00fcbersiedelte Erwin Bootz nach Toronto\/Kanada zu seiner Schwester Gerda und deren Ehemann Fritz. Da er erst ein Jahr lang Mitglied der Musikergewerkschaft sein musste, um offiziell auftreten zu k\u00f6nnen, scheiterten seine Versuche zur Gr\u00fcndung eines Musik-Kabaretts. Er arbeitete zun\u00e4chst als Versicherungsvertreter bei der Holland Insurance Company, danach als Vertreter f\u00fcr die Fa. Dr. Oetker. 1961 erhielt er sein erstes Engagement als Pianist, im Juli des gleichen Jahres heiratete er in Toronto seine dritte Frau Helli, die zu ihm nach Toronto gezogen war. Ab November 1962 spielte Erwin Bootz in verschiedenen Hotelrestaurants. Schnell macht er sich musikalisch einen Namen, und im Dezember 1964 trat er im kanadischen Fernsehen in der Sendung \u201eNightcap\u201c mit klassischen Variationen der Filmmusik aus \u201eNever on Sunday\u201c (dt.: \u201eEin Schiff wird kommen\u201c) auf. Au\u00dferdem gestaltete er von Kanada aus Sendungen f\u00fcr deutsche Rundfunkh\u00f6rer, indem er die Musik ausw\u00e4hlte und die Kommentare auf Band sprach. So entstanden 1965 die Sendung \u201eErinnerungen an die Comedian Harmonists\u201c und 1966\/67 die Sendereihe \u201eAus der Mottenkiste\u201c des S\u00fcddeutschen Rundfunks. Helli Bootz arbeitete w\u00e4hrenddessen als Schaufensterdekorateurin einer gro\u00dfen Modehaus-Kette.<br \/>\n1971 kehrte Erwin Bootz mit seiner Frau nach Deutschland zur\u00fcck. Sie lebten zun\u00e4chst im Hamburger Stadtteil Rissen, Erwin Bootz war aber \u00fcberwiegend am Schauspielhaus Bochum bei Peter Zadek t\u00e4tig. Dort schrieb er unter anderem die Musik zu der vierst\u00fcndigen Revue \u201eKleiner Mann was nun?\u201c (1972) nach der Erz\u00e4hlung von Hans Fallada, zu \u201eProfessor Unrat\u201c nach Heinrich Mann (1973) sowie f\u00fcr \u201eDas K\u00e4thchen von Heilbronn\u201c. Er nahm 1973 mit dem Ensemble des Bochumer Schauspielhauses mit dem St\u00fcck \u201eKleiner Mann, was nun?\u201c auch an einem Theaterfestival in London teil. Im gleichen Jahr schrieb Erwin Bootz die Musik zu der Revue \u201eDas kunstseidene M\u00e4dchen\u201c nach dem Roman von Irmgard Keun f\u00fcr das Bremer Schauspielhaus. Daneben produzierte er weitere Folgen der Radiosendung \u201eAus der Mottenkiste\u201c. Au\u00dferdem spielte Erwin Bootz 1973 in dem Spielfilm \u201eDie Z\u00e4rtlichkeit der W\u00f6lfe\u201c (mit Rainer Werner Fassbinder) einen Pianisten und gab dort das Lied \u201eIn der Bar zum Krokodil\u201c zum Besten. Der Film stellt die Geschichte des Serienm\u00f6rders Fritz Haarmann dar. Im Dezember desselben Jahres war er als Pianist an der WDR-Fernsehproduktion von \u201eKleiner Mann, was nun?\u201c beteiligt. Gemeinsam mit Wilhelm Borgers besorgte er die \u00dcbersetzung des Romans \u201eThe Vivisector\u201c des australischen Literatur-Nobelpreistr\u00e4gers Patrick White, die deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel \u201eDer Maler\u201c.<\/p>\n<p>1974  begleitete Erwin Bootz Gesangsaufnahmen von Blandine Ebinger, mit der die Comedian Harmonists bereits 1930 auf Tournee waren und den Spielfilm \u201eKleiner Mann, was nun?\u201c drehten. In der Berliner Akademie der K\u00fcnste wurden die Titel \u201eCurrende\u201c und \u201eDie Trommlerin\u201c eingespielt. Am Ende desselben Jahres lief im deutschen Fernsehen eine gek\u00fcrzte Fassung der Bochumer Auff\u00fchrung von \u201eKleiner Mann, was nun?\u201c. Durch die Wiederver\u00f6ffentlichung der Comedian-Harmonists-Aufnahmen auf Langspielplatten erhielt Erwin Bootz nun auch wieder Tantiemen. Robert Biberti hatte g\u00f6nnerhaften auf ein Drittel der neuen Einnahmen verzichtet, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Erwin Bootz an einigen der wiederver\u00f6ffentlichten Aufnahmen nicht beteiligt war und auch keine weiteren Anspr\u00fcche habe.<br \/>\nIm Dezember 1975 wurde Erwin Bootz in Hamburg und im Januar 1976 in Bochum von Eberhard Fechner f\u00fcr dessen Fernsehdokumentation \u201eComedian Harmonists \u2013 Sechs Lebensl\u00e4ufe\u201c interviewt. 1976 f\u00fchrte er einen Rechtsstreit mit Robert Biberti wegen der Tantiemen seit seinem Ausscheiden aus dem Meistersextett im Jahre 1938. Ende Juni 1976 feierte Erwin Bootz seinen 69. Geburtstag bei einem Gastspiel im Dresdener Kabarett Herkuleskeule, wo ihm die \u201eDresdner Vokalisten\u201c ein St\u00e4ndchen im Stil der Comedian Harmonists brachten. Im September 1976 moderierte er eine Sendung im (Ost-)Berliner Rundfunk sowie die Radiosendung \u201eAltmeister der Unterhaltung\u201c beim Bayrischen Rundfunk.<br \/>\n1977 entstand eine weitere Aufnahme von Blandine Ebinger mit Klavierbegleitung durch Erwin Bootz: \u201eAuf Wiederseh\u2019n\u201c, das ber\u00fchmte Abschiedslied von Mischa Spoliansky, das die Comedian Harmonists meist am Ende ihrer Konzerte sangen, aber nie auf Schallplatte aufnahmen: <em>\u201eAuf Wiederseh\u2019n, auf Wiederseh\u2019n, auf Wiederseh\u2019n \u2013 irgendwo in der Welt! Es kommt der Tag, da werden wir uns wiederseh\u2019n \u2013 irgendwo in der Welt! Vergeht auch noch so manches Jahr \u2013 niemals vergess\u2019 ich, wie sch\u00f6n es war. Auf Wiederseh\u2019n, auf Wiederseh\u2019n, auf Wiederseh\u2019n \u2013 irgendwo in der Welt!\u201c<\/em>. Mit weiteren Spoliansky-Liedern traten Erwin Bootz und Blandine Ebinger im September 1977 auch im Berliner Renaissance-Theater auf.<\/p>\n<p>Erwin Bootz moderierte Ende der 1970er Jahre die Radiosendung \u201eDer klingende Zauberladen\u201c mit historischen Schallplattenaufnahmen. Haupts\u00e4chlich arbeitete er aber weiter am Schauspielhaus Bochum. So schrieb er Anfang 1980 die Musik und Klavierbegleitung zu \u201eLieber Georg\u201c von Thomas Brasch, die Geschichte des expressionistischen Dichters Georg Heym, der 1912 im Alter von 24 Jahren beim Eislaufen auf der Havel ertrank. Im selben Jahr schrieb er die Musik zu \u201eJeder stirbt f\u00fcr sich allein\u201c nach dem Roman von Hans Fallada, einer Inszenierung von Peter Zadek und Gottfried Greiffenhagen am Schillertheater Berlin. Daneben komponierte Erwin Bootz auch Filmmusik, so f\u00fcr den Animationsfilm \u201eDie vier Jahreszeiten\u201c von Lotte Reiniger.<br \/>\nIm Mai 1977 gab es ein Wiedersehen zwischen Erwin Bootz und Roman Cycowski in einem Hotel in Hamburg. 1978 besorgte Bootz die musikalische Begleitung zu \u201eIn 80 Tagen um die Welt\u201c nach Jules Verne am Staatlichen Schauspielhaus Hamburg, die Urauff\u00fchrung war am 26.11.1978. Im gleichen Monat hatte er den einzigen bekannten gemeinsamen Fernsehauftritt mit Robert Biberti in der Sendereihe \u201eBerliner Fenster\u201c.<br \/>\nIm Juli 1980 trat Erwin Bootz im damaligen Tempodrom am Potsdamer Platz in Berlin eine Woche lang in dem Programm \u201eVon Balkonien bis Feuerland \u2013 Eine Urlaubsrevue f\u00fcr Daheimgebliebene\u201c auf. Er erz\u00e4hlte aus der Zeit der Comedian Harmonists und spielte auf einem mitten in der Manege stehenden Fl\u00fcgel Lieder wie \u201eMein kleiner gr\u00fcner Kaktus\u201c und \u201eHeut fahr\u2019 ich mit Dir in die Natur\u201c sowie seine Variationen zu \u201eNever on Sunday\u201c.<br \/>\n1979 erhielt Erwin Bootz \u2013 ebenso wie Robert Biberti \u2013 die Urkunde und die Troph\u00e4e zum Deutschen Schallplattenpreis in der Kategorie \u201eHistorische Aufnahmen-Unterhaltung\u201c f\u00fcr die LP \u201eDie Comedian Harmonists Story\u201c. 1981 gab er in K\u00f6ln beim Festival \u201eTheater der Welt\u201c ein anderthalbst\u00fcndiges Soloprogramm. Ein Engagement f\u00fcr \u201eIn 80 Tagen um die Welt\u201c am Bremer Theater musste er aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden absagen.<\/p>\n<p>Erwin Bootz spielte leidenschaftlich Schach, liebte Katzen und war Mitglied des Freundschaftsbundes \u201eSchlaraffia\u201c zur Pflege von Kunst und Humor. Die Comedian Harmonists waren nur eine Episode in seinem Leben, denn er strebte urspr\u00fcnglich schon immer eine Solokarriere an.<br \/>\nErwin Bootz starb am 27. Dezember 1982 in Hamburg an den Folgen eines Herzinfarktes. Sein Grab befindet sich dank der Unterst\u00fctzung durch Freunde der Comedian Harmonists noch immer auf dem Friedhof in Blankenese. <\/p>\n<p>Sein Sohn Michael, geb. am 15.6.1944, ist studierter Musiker, lebt in Berlin, arbeitete als Drehbuchautor, Filmkomponist und Ger\u00e4uschsynchronisator und ist als Autor und Kabarettist t\u00e4tig. Die Stieftochter von Erwin Bootz heiratete nach Amerika.<br \/>\nUrsula Elkan lebte nach der Scheidung zun\u00e4chst in Paris und emigrierte im Oktober 1939 per Schiff von Le Havre nach New York. Dort arbeitete sie f\u00fcr einen Innenarchitekten, sp\u00e4ter f\u00fcr einen Kunsth\u00e4ndler, nach Kriegseintritt auch f\u00fcr die amerikanische Regierung und stellte im Dezember 1944 einen Einb\u00fcrgerungsantrag in die USA. Nach dem Krieg heiratete sie den amerikanischen Fernsehautor Joel Hammil, bekam 1946 eine Tochter und 1948 ein zweites Kind. Sie war danach als Modedesignerin f\u00fcr Damenh\u00fcte t\u00e4tig und starb im M\u00e4rz 2004 in Beverly Hills. Ihre Eltern hatten den Krieg in England \u00fcberstanden, ihr Vater schuf die steinerne Menorah vor dem israelischen Parlament. Ihr Bruder Wolf war Chirurg mit eigener Praxis in New York und arbeitete mit dem Sauerbruch-Nachfolger Prof. Nissen zusammen.<br \/>\nHelli Bootz lebte bis zu ihrem Tod am 21.11.2015 in Hamburg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"center\" size=\"2\" width=\"100%\">\n<p style=\"text-align: center;\">Unter Verwendung von Nachl\u00e4ssen und <a href=\"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=30\" title=\"Literatur\"><strong>publizierten Quellen<\/strong><\/a> sowie<br \/>\nV\u00f6lker, Klaus: Kabarett der Komiker Berlin 1924 bis 1950, edition text+kritik, M\u00fcnchen 2010.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Broody &nbsp; Erwin Werner Wilhelm BOOTZ * 30.6.1907 in Stettin \u2020 27.12.1982 in Hamburg &nbsp; Erwin Bootz wurde am 30. Juni 1907 in Stettin geboren. 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