{"id":362,"date":"2014-01-28T02:57:32","date_gmt":"2014-01-28T00:57:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=362"},"modified":"2021-11-08T17:34:07","modified_gmt":"2021-11-08T15:34:07","slug":"ari-leschnikoff","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=362","title":{"rendered":"Ari Leschnikoff"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Broody<\/strong><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<h5>\n<p style=\"text-align: center;\">Asparuch (\u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Ari<\/span>\u201c) Dimitroff LESCHNIKOFF<\/p>\n<\/h5>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<b>* 16.6.1896 in Haskovo (BG)<br \/>\n\u2020 31.7.1978 in Sofia (BG)<\/b><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"text-decoration: underline;\">Anm.<\/span>: Im Geburtsregister von Haskovo wurde angeblich das Geburtsdatum 17.6.1896 festgestellt. Auf dem Taufschein Leschnikoffs steht \u201e16. Juni\u201c, das Geburtsjahr wurde offensichtlich sp\u00e4ter handschriftlich in \u201e1897\u201c ver\u00e4ndert. \u00dcber die Gr\u00fcnde daf\u00fcr kann nur spekuliert werden.<br \/>\nAus einem selbst verfassten Lebenslauf: <em>\u201eIch, Assparouch Leschnikoff, wurde am 16. VI. 1897 in Sofia geboren. \u2026\u201c<\/em>. Das Geburtsdatum wird in den verschiedenen Quellen auch abweichend mit 16.7. oder auch mit dem Geburtsjahr 1897 bzw. 1898 angegeben. Die Schreibweise des Namens entspricht der von Ari Leschnikoff in Deutschland selbst verwendeten Form. Sp\u00e4tere Transkriptionen weichen davon ab, wie z. B. \u201eAsparouch Leschnikoff\u201c oder auch \u201eAsparouh Leshnikov\u201c. Bei der Angabe \u201eAsparuch D. Leschnikoff\u201c handelt es sich um die in slawischen Sprachen \u00fcbliche (verk\u00fcrzte) Angabe des Vatersnamens (Dimitroff, von Dimiter).<\/p><\/blockquote>\n<p>Ari Leschnikoff wurde am 16. Juni 1896 in der Kreisstadt Haskovo in der N\u00e4he von Plovdiv geboren. Bulgarien war seinerzeit noch t\u00fcrkische Provinz. Sein Vater Dimiter war der Vorsteher des Postamtes von Haskovo und starb bereits 1906. Seine Mutter Anna, Lehrerin, beeinflusste ihn musikalisch, vor allem durch Romanzen, die sie ihm vorsang. Mit sieben Jahren sang Ari Leschnikoff schon im Kirchenchor.<br \/>\nSein Bruder Alexander studierte in \u00d6sterreich und starb bereits 1927, seine Schwester Zvetana studierte in der Schweiz Philologie und war Gymnasiallehrerin in Sofia.<\/p>\n<p>Ari Leschnikoff besuchte ab 1903 die Grundschule und von 1908 bis 1916 das Gymnasium in Haskovo. Von 1916 bis 1918 absolvierte er eine Kadettenanstalt in Sofia und wurde mit 22 Jahren Leutnant. W\u00e4hrend seiner Milit\u00e4rzeit spielte er Gitarre und sang. Dadurch lernte er den Kadetten Christo Smirnenski kennen, sp\u00e4ter ein bekannter bulgarischer Dichter, der spontan den Text zu \u201eDer wei\u00dfe Brunnen\u201c f\u00fcr Leschnikoff schrieb und mit dem er sp\u00e4ter gemeinsam das Lied \u201eBitterer Kaffee\u201c schuf (Musik Leschnikoff, Text Smirnenski). Leschnikoffs Begabung begeisterte auch den Kapellmeister Alois Mazak und den Komponisten Georgi Atanasov, die ihn f\u00f6rderten. Am Ende des Ersten Weltkrieges musste Ari Leschnikoff noch f\u00fcr einige Monate an die Front und diente in der Heeresgruppe Mackensen. Bis 1920 war er Angeh\u00f6riger der bulgarischen Armee. Nach deren Aufl\u00f6sung vermittelte ihn Atanasov an den Operns\u00e4nger Professor Ivan Vulpe in Sofia, bei dem Leschnikoff ab 1920 Musik und Gesang studierte. In dieser Zeit freundete er sich mit dem bulgarischen Operntenor Peter Raichev an, der sein Studium unterst\u00fctzte.<\/p>\n<p>Ari Leschnikoff ging im September 1922 nach Berlin, um sein Gesangsstudium zu erweitern. In den ersten Monaten lebte er von seinen Ersparnissen, danach finanzierte er sein Studium als Kellner in einem K\u00fcnstlerlokal in der Weimarer Str. 15\/Ecke Goethestra\u00dfe, das zu einem bulgarischen Studentenwohnheim geh\u00f6rte. Ein Kommilitone machte Ari Leschnikoff 1923 auf einen Wettbewerb um ein Stipendium des Stern&#8217;schen Konservatoriums der Musik aufmerksam. Er sang dort vor und belegte unter zahlreichen Bewerbern den 3. Platz. Er erhielt Gesangsunterricht bei Fr\u00e4ulein Gotz und Fr\u00e4ulein Recke. Ari Leschnikoff erz\u00e4hlte sp\u00e4ter, dass Olga Knipper-Tschechova (die Frau von Anton Tschechov), Professor Jaques Stuckgold und der Tenor Richard Tauber von ihm begeistert waren. Sie ermunterten ihn, seine Ausbildung fortzusetzen. Nebenbei arbeitete Leschnikoff inzwischen als singender Kellner im Restaurant \u201eKirov\u201c. Dort machte er die Bekanntschaft von Erwin Bootz, der h\u00e4ufig als Gast in das Lokal kam.<\/p>\n<p>Sein erstes Engagement als Chors\u00e4nger erhielt Ari Leschnikoff im August 1926 am Gro\u00dfen Schauspielhaus in Berlin f\u00fcr das Singspiel \u201eMikado\u201c. Er wurde auch als Solist f\u00fcr kleine Partien eingesetzt. Dort lernte er Robert Biberti und Roman Cycowski kennen. Durch Robert Biberti kam Leschnikoff im M\u00e4rz 1928 zu den Melodiemakers, wo er den ersten Tenor Louis Kaliger ersetzte, der nur kurzzeitig im Ensemble mitwirkte. Wenige Tage sp\u00e4ter brachte er seinen Bekannten, den Pianisten Erwin Bootz, mit ins Ensemble. Ari Leschnikoff war laut Vertrag wie alle anderen Mitglieder ein gleichberechtigter Gesellschafter. Bereits am 24. April 1928 geh\u00f6rte er neben Harry Frommermann, Walter Nussbaum, Theodor Steiner, Robert Biberti und Erwin Bootz zu den Unterzeichnern eines Tarif-Einheits-Vertrages zwischen der Gruppe, die sich hier \u201eThe Melodie Makers\u201c nannte, und dem Kabarett der Komiker f\u00fcr die Zeit vom 1. bis 30. September 1928. Zu dieser Zeit lebte Ari Leschnikoff noch zur Untermiete in der General-Pape-Stra\u00dfe 50 c in Berlin-Sch\u00f6neberg.<\/p>\n<p>Ari Leschnikoff wurde mit seiner extrem hohen Tenorstimme eine der tragenden S\u00e4ulen der Comedian Harmonists. Er arbeitete hart an seiner deutschen Aussprache, da er teilweise mit f\u00fchrender Stimme oder in solistischen Passagen sang. Wie die anderen profitierte er, der aus \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen stammte, von den immensen Einnahmen der Gruppe. Da er selbst an den Kompositionen und Arrangements und an den organisatorischen Angelegenheiten der Gruppe nicht beteiligt war, dachte man ihm eine andere Aufgabe zu: Er hatte vor den Auftritten den ordnungsgem\u00e4\u00dfen Zustand der B\u00fchnenkleidung aller Mitglieder zu kontrollieren. W\u00e4hrend eines Engagements der Comedian Harmonists f\u00fcr die Revue \u201eZwei Krawatten\u201c im November 1929 am Berliner Theater lernte Leschnikoff seine erste Frau Delphine Ad\u00e9le Germaine David (* 20.2.1906 in London) kennen, die dort als T\u00e4nzerin auftrat. Sie stammte aus England und hatte zum Teil irische Vorfahren. Am 6. Mai 1930 wurde ihr gemeinsamer Sohn Ari geboren, der aber bereits einen Tag sp\u00e4ter verstarb.<br \/>\nAus seiner n\u00e4chsten Wohnung in der Leibnitzstra\u00dfe 78, wo er noch zur Untermiete wohnte, zog Ari Leschnikoff Anfang 1932 in eine eigene Wohnung in der Kantstra\u00dfe 142. Diese und alle seine sp\u00e4teren Berliner Wohnungen lagen im Stadtbezirk Charlottenburg. Im selben Jahr heiratete er Delphine David. Im August 1932 erwarb er den F\u00fchrerschein und kaufte sich einen eigenen Wagen. Die k\u00fcnstlerischen Sommerpausen verbrachte Ari Leschnikoff meist in seiner Heimat Bulgarien. Ab 1933 wohnte Familie Leschnikoff in der Niebuhrstra\u00dfe 5. Wahrscheinlich sind bis 1933 bereits Solo-Aufnahmen Leschnikoffs f\u00fcr die \u00f6sterreichische Columbia-Filiale entstanden, weitere geplante Produktionen mussten aber wegen einer Einfuhrsperre in Bulgarien aufgegeben werden.<\/p>\n<p>1935 wurde Ari Leschnikoff \u2013 ebenso wie Erwin Bootz und Robert Biberti \u2013 Mitglied der Reichsmusikkammer und wurde unter der Mitgliedsnummer I 3883 gef\u00fchrt. Durch ein entsprechendes Schreiben vom 22. Februar 1935 wurde ihm die Erlaubnis erteilt, weiter in Deutschland aufzutreten. Er wohnte inzwischen mit seiner Frau in der Fredericiastra\u00dfe 3. Kurz darauf l\u00f6sten sich die Comedian Harmonists auf, und Ari Leschnikoff wurde zu einem der Mitinhaber des Meistersextetts. Quasi als Arbeitgeber unterschrieb er die Arbeitsvertr\u00e4ge der angestellten Mitglieder. Das Meistersextett konnte seine Konzertt\u00e4tigkeit und auch Plattenaufnahmen sehr schnell aufnehmen, erreichte aber nicht mehr das k\u00fcnstlerische Niveau der Comedian Harmonists.<\/p>\n<p>Am 22. Mai 1938 wurde in London Leschnikoffs Sohn Simeon Michael geboren. Zwischen 1934 und 1939 machte Ari Leschnikoff neben seiner Mitwirkung bei den Comedian Harmonists bzw. beim Meistersextett zahlreiche Soloaufnahmen in Berlin. Bekannt sind bislang ca. 40 Aufnahmen folkloristischer Lieder mit dem Orchester Karl Rockstroh bei der Firma Pallas f\u00fcr das bulgarische Label Orfej, in denen Leschnikoff \u00fcber sein Volk und seine Heimat singt. Auch traditionelle Volksweisen sind darunter. Die Aufnahmen waren f\u00fcr den bulgarischen Markt bestimmt. Die Lieder der Comedian Harmonists und des Meistersextetts waren dort nicht verbreitet und nur selten im Rundfunk zu h\u00f6ren, gastiert haben beide Ensembles dort nie.<\/p>\n<p>Nachdem Erwin Bootz im Fr\u00fchjahr 1938 das Meistersextett verlassen hatte, waren Robert Biberti und Ari Leschnikoff dessen alleinige Gesellschafter. Unmittelbar danach kam es zwischen beiden zu schweren Auseinandersetzungen \u00fcber k\u00fcnstlerische und finanzielle Fragen. Ari Leschnikoff ergriff f\u00fcr Fred Kassen, Herbert Imlau und Alfred Grunert Partei, denen versprochen worden war, dass sie nach drei Jahren T\u00e4tigkeit als Angestellte mit einem Fixum nunmehr vollwertige Gesellschafter des Meistersextetts werden sollten, was Biberti ihnen jedoch verwehrte. Biberti versuchte immer, diese Auseinandersetzungen ins Pers\u00f6nliche zu ziehen und als \u201eDisziplinlosigkeiten\u201c auszulegen.<br \/>\nSchlie\u00dflich zeigte Biberti nach verbalen Auseinandersetzungen mit Leschnikoff auf Proben diesen Ende April 1939 wegen Bedrohung und N\u00f6tigung bei der Polizei an, wurde jedoch auf den Privatklageweg verwiesen. Au\u00dferdem wandte er sich in einer Selbstanzeige an die Devisenstelle beim Regierungspr\u00e4sidenten von Berlin und behauptete, Leschnikoff w\u00fcrde ihn wegen einbehaltener Devisen erpressen. Ferner ersuchte Biberti auch die Reichsmusikkammer um Vermittlung. Daraufhin wurden die Mitglieder des Meistersextetts Anfang Mai 1939 einzeln zur Reichsmusikkammer einbestellt und befragt, jedoch ohne Ergebnis. Diese Querelen f\u00fchrten schlie\u00dflich zu einem Geheimabkommen zwischen Imlau, Kassen, Leschnikoff und Rudolf Zeller vom 23. Mai 1939, wonach sie ab dem 1. September 1939 gemeinsam und zu gleichen Teilen und Rechten zusammen weiterarbeiten wollten, jedoch <em>\u201e\u2026 ab 1. September 1939 nicht mehr in irgendwelche Gesch\u00e4ftsverbindung mit Herrn Robert  B i b e r t i \u2026\u201c<\/em> treten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ari Leschnikoff reiste Anfang August 1939 zu seiner Frau Delphine und seinem Sohn nach Sofia. Sie wohnten dort in der Bratia Meladinowi Nr. 37 bei Naumoff (m\u00f6glicherweise handelte es sich um den unten genannten Komponisten). Vermutlich hatte Leschnikoff die Absicht, unmittelbar nach der Sommerpause wieder nach Berlin zur\u00fcckzukehren, um mit den anderen Kollegen absprachegem\u00e4\u00df eine neue Gruppe zu bilden. Im August 1939 erreichte ihn jedoch in seiner Heimat im Zuge einer allgemeinen Mobilmachung eine Einberufung zu einem dreimonatigen Reserveman\u00f6ver in Sliven im S\u00fcdosten Bulgariens, an dem er ab dem 26. August beim 11. Infanterieregiment als Oberleutnant der Reserve teilnahm. Delphine Leschnikoff schrieb an Robert Biberti und teilte ihm mit, dass ihr Mann zum Milit\u00e4r eingezogen worden ist und nicht zur ersten geplanten Probe am 5. September in Berlin zur\u00fcck sein kann, sondern fr\u00fchestens am 15. September vom Milit\u00e4r frei kommt. Dennoch l\u00f6ste Biberti bereits am 9. September 1939, eine Woche nach Kriegsbeginn, das ohnehin hoffnungslos zerstrittene Meistersextett wegen \u201eh\u00f6herer Gewalt\u201c auf, das hei\u00dft er entlie\u00df die Angestellten Alfred Grunert, Herbert Imlau und Fred Kassen fristlos und sagte die bis zum Jahresende geplanten Konzerte in Bayern, Schlesien und Ostpreu\u00dfen ab. Von Leschnikoffs Ehefrau erhielt er in der Folge weitere Briefe aus Sofia, worin sie ihm mitteilte, dass ihr Mann in Bulgarien an einem Man\u00f6ver teilnimmt, dass sie ihn bald zur\u00fcck erwarte und beide bereits Fahrkarten f\u00fcr die R\u00fcckreise nach Deutschland gekauft h\u00e4tten. Doch Biberti unterstellte Leschnikoff offenbar, dass dieser absichtlich nicht zur\u00fcckkommt. Am 14. November 1939 k\u00fcndigte er schlie\u00dflich seinem Mitgesellschafter Leschnikoff und teilte dies dessen Ehefrau Delphine schriftlich mit.<\/p>\n<p>Nach dem Ende der Reserve\u00fcbung am 16. Oktober 1939 sprach Ari Leschnikoff mehrfach in der Passabteilung der deutschen Gesandtschaft in Sofia vor und wies auf seine Engagements in Deutschland und eine gegen ihn laufende R\u00e4umungsklage hin. Schlie\u00dflich konnte er am 18. Dezember 1939 wieder ausreisen und traf am 21. Dezember in Berlin ein. Robert Biberti war bereits wieder auf der Suche nach neuen Mitgliedern f\u00fcr das Meistersextett. Zeitgleich versuchten die ehemaligen Mitglieder eine neue Gruppe ohne Biberti auf die Beine zu stellen. Schlie\u00dflich rief Leschnikoffs Anwalt Dr. Jeremias bei Biberti an und teilte ihm lapidar mit, dass die \u00fcbrigen Mitglieder der Gruppe am kommenden Tag einen Vertrag schlie\u00dfen werden, und dass er, wenn er Interesse h\u00e4tte, in der neu gebildeten Truppe mitzuwirken, auch hinkommen k\u00f6nne. Biberti, der sich als Gr\u00fcnder und neben Leschnikoff als alleiniger Inhaber des Meistersextetts betrachtete, war tief beleidigt. Bereits einen Tag sp\u00e4ter drohte sein Anwalt dem Anwalt Leschnikoffs rechtliche Schritte an. Schlie\u00dflich lenkten beide Seiten ein und vereinbarten weitere Verhandlungen f\u00fcr Anfang Januar 1940, die nach l\u00e4ngerem Briefwechsel und einigen Gespr\u00e4chen schlie\u00dflich daran scheiterten, dass Leschnikoff auf einer weiteren Mitwirkung von Fred Kassen bestand, was Biberti kategorisch ablehnte.<\/p>\n<p>Inzwischen verlegte sich Asparuch Leschnikoff darauf, wieder solistische Pl\u00e4ne zu verwirklichen. Am 17. Februar 1940 reiste er nach vollst\u00e4ndiger Aufl\u00f6sung seiner Wohnung in der Sybelstra\u00dfe 8 nach Sofia. Zuvor hatte er sich von der Reichsmusikkammer eine Bescheinigung \u00fcber Art und Dauer seiner k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit in Deutschland ausstellen lassen und \u00fcber seinen Anwalt die durch Biberti erfolgte K\u00fcndigung als Gesellschafter best\u00e4tigt. Daraufhin ersuchte Biberti im M\u00e4rz 1940 die Reichsmusikkammer um Unterst\u00fctzung bei der Durchsetzung von Schadenersatzforderungen gegen\u00fcber Leschnikoff. Doch trotz der Zerw\u00fcrfnisse setzte Biberti im Fr\u00fchjahr 1940 alles daran, die Gruppe unter den Kriegsverh\u00e4ltnissen doch wieder in Gang zu bringen und auch Leschnikoff wieder f\u00fcr eine Mitarbeit im Meistersextett zu gewinnen. So schrieb er mit Datum vom 11. April 1940 per Einschreiben nach Sofia: <em>\u201eLieber Ari!  Was ist blos los mit Dir! Wo bleibst Du! Ich mu\u00df Dich unbedingt sprechen! Mir geht es nicht gut. Hoffentlich erreicht Dich dieser Brief. Schreibe mir, bitte, sofort!\u201c<\/em>. Doch Leschnikoff hatte offenbar andere Pl\u00e4ne. Inzwischen war unerwartet der Pianist Rudolf Zeller verstorben, und Biberti, der einigen Konzertagenten bereits Hoffnung auf ein baldiges Auftreten des Meistersextetts gemacht hatte, konnte erst im Dezember 1940 wieder mit einer neuen Besetzung der Gruppe aufwarten. Aus diesen Umst\u00e4nden n\u00e4hrte sich der lebenslange Hass Bibertis auf Ari Leschnikoff und Fred Kassen.<\/p>\n<p>Um diese Zeit ranken sich zahlreiche Legenden. Dass Ari Leschnikoff \u201enazistisch eingestellt\u201c gewesen sei, wie Robert Biberti nach dem Krieg immer wieder behauptete, ist nicht nachvollziehbar. Leschnikoff war kein Mitglied der NSDAP oder anderer NS-Organisationen. Zur Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer war er \u2013 wie alle anderen K\u00fcnstler auch \u2013 per Gesetz gezwungen. Professor Czada schrieb anl\u00e4sslich einer Gesamtausgabe der Meistersextett-Aufnahmen im Jahr 2003: <em>\u201eDa\u00df Leschnikoff in diesem Zusammenhang Biberti bei der Gestapo denunzierte, so da\u00df er dort verh\u00f6rt und bedroht worden sei, entspricht mit ziemlicher Sicherheit nicht den Tatsachen.\u201c<\/em> Auch dass Leschnikoff angeblich keine Noten lesen konnte und als geizig galt, z\u00e4hlt wohl zu den zahlreichen Legenden, die sp\u00e4ter \u00fcber ihn verbreitet wurden. Bekannt ist, dass er in seiner Berliner Zeit leidenschaftlicher Sportler und Reiter gewesen ist. Trotz oder gerade wegen seiner Herkunft aus einfachen Verh\u00e4ltnissen war er herzlich und humorvoll.<\/p>\n<p>1940 entstanden in Bulgarien Soloaufnahmen von Asparuch Leschnikoff mit einem unbekannten Orchester auf dem Label Mikrophon, darunter Tangos, Foxtrotts, Paso Dobles und Rumbas. M\u00f6glicherweise war er sogar gesch\u00e4ftlich an der gleichnamigen Firma mit Sitz am Boulevard K. Stoiloff Nr. 16a in Sofia beteiligt. Auf einem Werbezettel der Firma f\u00fcr den Zeitraum 1940\/1941 wird er mit einem Foto als <em>\u201ek\u00fcnstlerischer Leiter der MIKROPHON-Verbundgesellschaft f\u00fcr Industrie und Handel Sofia\u201c<\/em> genannt. Aufgenommen wurden Titel von Miljo Bassan, Josif Zankov, Ivan Naumoff, Otto Liebich, Peter Radoev, Ljudmil Babev und anderen. Bei einigen Aufnahmen ist Ari Leschnikoff im Duett mit anderen bekannten K\u00fcnstlern wie Michail Michailow und Nadja Nozharova zu h\u00f6ren. Insgesamt wird die Zahl seiner Aufnahmen in bulgarischer Sprache auf \u00fcber 100 gesch\u00e4tzt. Dazu kamen mindestens 16 weitere Solo-Aufnahmen mit dem Orchester Siegfried Muchow f\u00fcr das Label Mikrophon, die wahrscheinlich bereits in Deutschland entstanden waren.<\/p>\n<p>Im Herbst 1941 kehrte Ari Leschnikoff erneut nach Berlin zur\u00fcck und nahm sich eine Wohnung in Charlottenburg in der Hohenstaufenstra\u00dfe 66. Grund f\u00fcr seinen Aufenthalt in Berlin waren vermutlich Plattenaufnahmen f\u00fcr das Label Patria, bei denen ein \u201eAri-Terzett\u201c die Titel \u201eLili Marleen\u201c und \u201eTapfere kleine Soldatenfrau\u201c singt und vom Orchester Meg Tevelian begleitet wird. Daneben versuchte Ari Leschnikoff, in Deutschland als Tenor Solokonzerte zu geben. Mit der Bitte um Vermittlung solcher Auftritte wandte er sich auch in mehreren Briefen an den Konzertagenten Erich Knoblauch in Dresden, der bereits Konzerte f\u00fcr die Comedian Harmonists und das Meistersextett organisiert hatte. Doch dieser lehnte das Ansinnen ab, weil solche Auftritte angeblich nicht der Gesch\u00e4ftskonzession seiner Agentur entsprachen, wohl aber auch aus Solidarit\u00e4t mit Biberti. Inzwischen hatte Ari Leschnikoff seinen Wohnsitz in der Barbarossastra\u00dfe 40 in Berlin.<\/p>\n<p>Ende Februar 1942 kam es in Berlin zu einer zuf\u00e4lligen, aber folgenlosen Begegnung zwischen Ari Leschnikoff und Robert Biberti in einem Restaurant. Das Meistersextett existierte zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr. Biberti, dem die Absichten Leschnikoffs durch Knoblauch bekannt waren, versuchte bei den ihm bekannten Konzertagenten, die Bewerbungen Leschnikoffs zu hintertreiben.<\/p>\n<p>Offenbar kehrte Ari Leschnikoff bald darauf nach Bulgarien zur\u00fcck, da in Berlin im dritten Kriegsjahr kaum noch Auftrittsm\u00f6glichkeiten bestanden. Seine Ersparnisse investierte er in ein vierst\u00f6ckiges Mietshaus in der Venelin-Stra\u00dfe in Sofia, in dem er auch selbst mit Frau und Sohn lebte. Wahrscheinlich nahm er in Sofia bis zum August 1942 bei der Firma Mikrophon noch zahlreiche weitere Lieder in seiner Muttersprache auf. Aufnahmen dieser Art sind im Katalog der Firma Orfej noch bis Ende der Vierziger Jahre zu finden. Sicherlich wurde Ari Leschnikoff dadurch auch in seiner Heimat allm\u00e4hlich popul\u00e4r.<br \/>\nBulgarien war am 1. M\u00e4rz 1941 an der Seite der Achsenm\u00e4chte in den Krieg gegen Jugoslawien und Griechenland eingetreten und hatte den USA und Gro\u00dfbritannien den Krieg erkl\u00e4rt. Im August 1942 wurde Ari Leschnikoff als Hauptmann der Reserve wieder zur bulgarischen Armee eingezogen und zum Stellvertreter des Bahnhofskommandanten von Sofia gemacht, ab 1943 war er Bahnhofskommandant. Am 10. Januar 1944 wurde sein Haus in Sofia durch Fliegerbomben zerst\u00f6rt. Familie Leschnikoff hatte alles verloren und hauste in einer Notunterkunft bei Bekannten. Im M\u00e4rz 1944 wurde Ari Leschnikoff demobilisiert. Nach dem Sturz des Zaren Simeon II. und der Errichtung einer Volksregierung unter Georgi Dimitroff im September 1944 wechselte Bulgarien die Seiten und k\u00e4mpfte von da an gegen Deutschland. Seit dieser Zeit organisierte Leschnikoff K\u00fcnstlergruppen, die vor Studentenbrigaden auf Baustellen auftraten, aber auch in Kinos und bei Kulturveranstaltungen. Nach dem Einmarsch der Sowjetarmee und dem Ende des Krieges in Bulgarien \u00e4nderte sich Leschnikoffs Situation kaum. Zwar trat er gelegentlich noch als Folklores\u00e4nger auf B\u00fchnen und im Radio auf und seine Frau gab privaten Sprachunterricht, aber beide lebten in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen.<\/p>\n<p>Robert Biberti versuchte nach 1945 vehement, Ari Leschnikoff und Fred Kassen f\u00fcr den Zusammenbruch des Meistersextetts verantwortlich zu machen. Er zeigte beide bei der Entnazifizierungskommission in Berlin an, unter anderem mit der Behauptung, Leschnikoff h\u00e4tte ein gro\u00dfes Hitlerbild in seiner Wohnung zu h\u00e4ngen gehabt, das mit zahlreichen Hakenkreuzf\u00e4hnchen geschm\u00fcckt gewesen sei. Biberti beschimpfte auch Kassen, dieser h\u00e4tte Leschnikoff gegen ihn aufgehetzt und beide h\u00e4tten ihn bei der Reichskulturkammer angezeigt, unter anderem wegen angeblicher Verweigerung des Hitlergru\u00dfes, woraufhin tagelange Verh\u00f6re bei der Gestapo erfolgten, bei denen Biberti auch geschlagen worden sei. All diese Behauptungen sind durch nichts bewiesen.<\/p>\n<p>1946, als Bulgarien unter russischer Besatzung stand, reiste Leschnikoffs Ehefrau Delphine mit dem gemeinsamen Sohn Simeon nach England aus. Sie wollte dem neuen politischen System in Bulgarien entfliehen und hoffte, in England auch materiell bessergestellt zu sein. Urspr\u00fcnglich wollte die gesamte Familie Bulgarien wegen der wirtschaftlichen Not verlassen, Ari Leschnikoff wurde aber an der Ausreise gehindert, da er nicht wie seine Frau und sein Sohn die britische Staatsb\u00fcrgerschaft besa\u00df. Obwohl anfangs die Absicht bestand, Ari Leschnikoff auf irgendeine Weise nach England nachkommen zu lassen, haben sie sich nie wiedergesehen. Anfangs bestand noch einige Zeit brieflicher Kontakt und Delphine unterst\u00fctzte Ari auch finanziell. In einem Brief an Herbert Imlau schrieb Leschnikoff im Januar 1957: <em>\u201eLange Zeit habe ich auch von meinem Sohn aus London nichts mehr geh\u00f6rt. Ich bin geschieden, und meine Frau ist auch dort.\u201c<\/em> Wenig sp\u00e4ter schrieb er, dass sein Sohn Maschinenbauingenieur ist und seine Frau 1958 in London gestorben sei. In der Fernsehdokumentation von Eberhard Fechner von 1976 sagte Ari Leschnikoff ebenfalls \u00fcber seine erste Frau, diese sei verstorben. Tats\u00e4chlich lebte Delphine Leschnikoff aber bis zu ihrem Tod 1999 in London. Diese und andere falsche Behauptungen m\u00f6gen mit den damaligen politischen Verh\u00e4ltnissen in Bulgarien zusammenh\u00e4ngen. Eine Ausreise war f\u00fcr Leschnikoff unm\u00f6glich geworden, und private Kontakte jenseits des Eisernen Vorhangs k\u00f6nnten f\u00fcr ihn kompromittierend gewesen sein.<\/p>\n<p>Im Januar 1947 erschien in Bulgarien der Spielfilm \u201eZur\u00fcck im Leben\u201c (Otnovo v zhivota), in dem Ari Leschnikoff als Solist mit einem Tango zu h\u00f6ren ist. Ab 1951 bet\u00e4tigte er sich noch einmal in einem Gesangs-Ensemble: Der Operns\u00e4nger Georgi Beltschev stellte eine A-Capella-Gruppe zusammen, in der Ari Leschnikoff als erster Tenor sang und die 1954 mit der bereits von den Comedian Harmonists und dem Meistersextett bekannten Ouvert\u00fcre zum \u201eBarbier von Sevilla\u201c an einem Wettbewerb der Unterhaltungskunst teilnahm. Offenbar war aber dieser Gruppe, auch angesichts des sich inzwischen wandelnden Musikgeschmacks, kein Erfolg beschieden.<\/p>\n<p>1952 heiratete Ari Leschnikoff in Sofia die wesentlich j\u00fcngere Kinderg\u00e4rtnerin Saschka Andrejeva Siderova (1928\u20132003). Zuvor hatte er von seiner ersten Frau schriftlich die Scheidung verlangt, was diese aber ablehnte. Daraufhin wurde seine erste Ehe in Bulgarien annulliert. Da mit dem Singen kein Geld mehr zu verdienen war, arbeitete er jetzt als Hilfsarbeiter, sp\u00e4ter Lagerarbeiter in einer Fabrik. 1955 wurde sein Sohn Anri geboren. Ari Leschnikoff fand kaum noch Gelegenheit f\u00fcr k\u00fcnstlerische Bet\u00e4tigungen, stattdessen musste er sich mit Gelegenheitsarbeiten zufrieden geben, unter anderem als Parkaufseher und Nachtw\u00e4chter. Die Familie lebte lange Zeit behelfsweise in einem Laden in Sofia, vom Verkaufsraum nur durch einen Vorhang getrennt. Sie lebten von den k\u00e4rglichen Einkommen, ab 1957 war Ari Leschnikoff einige Zeit arbeitslos.<\/p>\n<p>1957 erschien in der westdeutschen Illustrierten \u201eConstanze\u201c eine Artikelserie \u00fcber die Comedian Harmonists, auch mit Bildern Ari Leschnikoffs. Ein bulgarischer Arzt und Bekannter Leschnikoffs aus dessen fr\u00fchen Berliner Jahren las zuf\u00e4llig einen der Artikel und informierte Leschnikoff \u00fcber die Ver\u00f6ffentlichung. Allerdings stand dort: <em>\u201eLeschnikoff, der bulgarische Tenor, ist verschollen.\u201c<\/em> Sofort schrieb Ari Leschnikoff an die Redaktion der \u201eConstanze\u201c einen Brief, der in einer der folgenden Ausgaben ver\u00f6ffentlicht wurde: <em>\u201e\u2026 Mit Tr\u00e4nen vor R\u00fchrung las ich den Artikel und beschaute mir die Bilder. \u2026 Von A bis Z habe ich alles aufmerksam gelesen, und im Schlu\u00df erfuhr ich, dass \u00fcber Ari Leschnikoff keine Angaben vorliegen, da er verschollen sei. Und wie Sie nun sehen, ist Ari Leschnikoff wieder da! Das hohe C ist nach wie vor da, ja sogar forte, obgleich ich das Rauchen immer noch nicht aufgegeben habe\u2026.\u201c<\/em><br \/>\nNach diesem Lebenszeichen schrieb zuerst Herbert Imlau an Ari Leschnikoff. Ermuntert durch den wiedergewonnenen Kontakt nach Deutschland schrieb Ari Leschnikoff im August 1957 einen handschriftlichen Brief auf Deutsch an Robert Biberti. Er erkundigte sich nach dem Verbleib der anderen Mitglieder der Comedian Harmonists und des Meistersextetts sowie nach Bibertis Bruder Leopold. Er fragte an, ob Biberti ihm die \u00fcbrigen Teile des \u201eConstanze\u201c-Artikels besorgen k\u00f6nne, ob er zu fr\u00fcheren Kontoguthaben Leschnikoffs recherchieren k\u00f6nne, und bat au\u00dferdem in seiner Not um Brillengl\u00e4ser. Sein Brief blieb ohne Resonanz. Fast zwei Jahre sp\u00e4ter schrieb Ari Leschnikoff erneut an Biberti und teilt ihm mit, dass sich nach dem \u201eConstanze\u201c-Artikel auch die Electrola auf Betreiben Herbert Imlaus bei ihm gemeldet h\u00e4tte und ihm einige Comedian-Harmonists-Platten geschickt habe, da er nach dem Verlust seines Hauses nicht eine einzige Platte der Gruppe mehr besa\u00df. Au\u00dferdem bat er Biberti, die von ihm treuh\u00e4nderisch verwalteten Tantiemen zu \u00fcberweisen und Kopien der Electrola-Abrechnungen zu \u00fcbersenden. Auch auf diesen Brief erhielt Ari Leschnikoff nie eine Antwort.<br \/>\nIm Jahr 1960 versuchte Herbert Imlau auch, Robert Biberti f\u00fcr eine Renaissance des Meistersextetts zu begeistern: <em>\u201e\u2026 Demnach lebt Ari noch und es ist an sich ein Trauerspiel, da\u00df wir nicht zusammen irgendwie und irgendwo uns nochmals zeigen. Das Triumvirat Biberti, Bootz und Leschnikoff lebt und die \u00fcbrigen Mitglieder des M.-S. sind auch da, Kassen, Grunert und Imlau. Sollte man das so einfach \u00fcbergehen und nicht versuchen, daraus Schaum zu schlagen? Und wenn es nur am Fernsehen ist oder w\u00e4re? Bitte \u00fcberlege Dir das doch einmal?\u201c<\/em> Aber Biberti blieb unerbittlich. Vorausgegangen war ein ausf\u00fchrlicher Brief Leschnikoffs an Herbert Imlau, in dem er seinen ehemaligen Kollegen auch um Unterst\u00fctzung bei der Beschaffung von Zahnersatz bat.<\/p>\n<p>Ein Teil von Leschnikoffs Soloaufnahmen wurde nach dem Krieg in Bulgarien wiederver\u00f6ffentlicht. Eine der ersten Pressungen der staatlichen bulgarischen Schallplatten-Firma Balkanton war eine Single mit zwei Titeln von Milo Bassan und Texten von Assen Raszvetnikov. Anfang der 1960er Jahre ver\u00f6ffentlichte die Firma acht der fr\u00fcheren Aufnahmen von Ari Leschnikoff auf der EP Balkanton 446 sowie eine Auskopplung von sechs seiner Aufnahmen zusammen mit Liedern der S\u00e4ngerin Nadja Sotirova auf der LP BTA 446.<br \/>\nOffenbar arbeitete Ari Leschnikoff auch nach seiner offiziellen Berentung im Jahr 1962 aus finanziellen Gr\u00fcnden weiter als Hilfsarbeiter in den Stadtparks von Sofia. Er wohnte dort unter der Adresse Boulevard Totleben Nr. 75. Anfang 1965 wurde er von einem Liebhaber der Musik der Comedian Harmonists aus Dresden in die ehemalige DDR eingeladen. Durch Zufall hatte dieser zwei Jahre zuvor Ari Leschnikoff in Bulgarien ausfindig gemacht. W\u00e4hrend seines fast zweimonatigen Aufenthalts in Ostdeutschland wurde Ari Leschnikoff als ehemaliges Mitglied der weltbekannten Gruppe in Dresden, Leipzig, Magdeburg, Schwerin und Berlin gefeiert, wo er auch zu einem Empfang im Friedrichstadtpalast, vor dem Krieg als Gro\u00dfes Schauspielhaus der Ort erster triumphaler Erfolge der Comedian Harmonists, eingeladen wurde. \u00dcber die Veranstaltungen erschienen im Februar 1965 zahlreiche Presseartikel in ostdeutschen Zeitungen, so in der Kulturzeitschrift \u201eDas Magazin\u201c, in der Illustrierten \u201eZeit im Bild\u201c und in der Fernsehzeitschrift \u201eFF dabei\u201c. Im gleichen Monat entstand bei Radio DDR im Studio Dresden die Sendung \u201eIrgendwo auf der Welt\u201c mit Ari Leschnikoff, moderiert von Hans-Joachim Wolfram. Auch Robert Biberti erhielt von dem Erscheinen Leschnikoffs im Ostteil Berlins Kenntnis, reagierte aber nicht darauf. Im gleichen Jahr wandte sich Ari Leschnikoff schriftlich an die Electrola wegen der Tantiemen fr\u00fcherer Aufnahmen. Da aber das Electrola-Archiv in der Schlesischen Stra\u00dfe 26 im Krieg durch Bombensch\u00e4den weitgehend zerst\u00f6rt worden war, verwies man ihn an Robert Biberti. Dieser behauptete, Ari Leschnikoff h\u00e4tte mit dem Ausscheiden aus dem Meistersextett im Jahr 1939 auf s\u00e4mtliche Anspr\u00fcche verzichtet. Sp\u00e4tere Lizenzeinnahmen h\u00e4tten sogar zur Tilgung der an Leschnikoff ausgezahlten Vorsch\u00fcsse verwendet werden m\u00fcssen.<br \/>\nVermutlich zur gleichen Zeit entstand in Bulgarien eine Fernsehaufnahme mit Ari Leschnikoff. Er singt dort, begleitet von einem Orchester und untermalt mit ein paar T\u00e4nzerinnen, den Titel \u201eLeidenschaftlich liebe ich die Frauen\u201c von Josif Zankov.<\/p>\n<p>Bei einem erneuten Aufenthalt Leschnikoffs in der DDR im Jahr 1968 empfing der Berliner Friedrichstadtpalast den einstmals ber\u00fchmten Tenor feierlich, machte ihn zum Ehrenmitglied und verlieh ihm die goldene Ehrennadel des Hauses. M\u00f6glicherweise f\u00fchrten diese Ehrungen dazu, dass Ari Leschnikoff auch in seinem Heimatland \u201ewiederentdeckt\u201c wurde. Im September 1968 erschien in der bulgarischen Zeitung \u201ePogled\u201c ein Artikel mit dem Titel: <em>\u201eAsparuch Leschnikoff \u2013 Star der 30er Jahre\u201c<\/em> von Alexander Abadijev. Nach seinen Aufenthalten in Ost-Berlin soll Ari Leschnikoff eine neue Wohnung und eine h\u00f6here Rente erhalten haben. Au\u00dferdem nahm er zu dem bekannten Rechtsanwalt Professor Friedrich Karl Kaul in Ost-Berlin Kontakt auf, um seine Tantiemen-Anspr\u00fcche durchzusetzen.<br \/>\nAuch andere Kontakte Leschnikoffs in die ehemalige DDR sind bekannt. Sie f\u00fchrten 1971 zur Ver\u00f6ffentlichung einer LP des staatlichen Schallplatten-Labels Amiga mit 12 Comedian-Harmonists-Titeln, f\u00fcr deren Cover Ari Leschnikoff ein Gruppenfoto beisteuerte (AMIGA 8 45 089). Zu dieser Zeit war er noch immer als G\u00e4rtner beim st\u00e4dtischen Gartenamt von Sofia angestellt und im Zentralpark besch\u00e4ftigt. In seiner Wohnung in der Suhodolska-Stra\u00dfe 2 bewahrte er unter dem Bett einen Koffer voller Erinnerungen an seine Zeit in Deutschland auf: Fotos, Partituren, Vertr\u00e4ge, pers\u00f6nliche Dokumente und Schallplatten.<\/p>\n<p>Im Juli 1973 r\u00fcckte trotz aller Ressentiments ein Wiedersehen Leschnikoffs mit seinen fr\u00fcheren Mitstreitern in greifbare N\u00e4he. Durch den Senat von Berlin wurde die Idee verfolgt, die Comedian Harmonists anl\u00e4sslich des 45. Jahrestages ihrer Gr\u00fcndung noch einmal zusammen auftreten zu lassen. Robert Biberti schrieb diesbez\u00fcglich an Roman Cycowski: <em>\u201eMit Erwin habe ich mich bereits abgesprochen. Im Falle Leschnikoff bin ich bereit, alle pers\u00f6nlichen Gef\u00fchle zur\u00fcckzustellen, dsgl. auch Harry betreffend.\u201c<\/em> Leider wurde dieses Vorhaben aber nicht verwirklicht.<\/p>\n<p>1974 erschien eine weitere bulgarische LP (Balkanton BTA 1645) mit sieben der fr\u00fchen Soloaufnahmen von Ari Leschnikoff mit den Orchestern Karl Rockstroh oder Mikrophon, dazu sechs Aufnahmen der Comedian Harmonists und des Meistersextetts. Auf dem Plattencover wird die Lebensgeschichte von Ari Leschnikoff auf Bulgarisch und auf Deutsch erz\u00e4hlt. Vermutlich zur gleichen Zeit entstand in Bulgarien eine Fernsehaufnahme mit Ari Leschnikoff. Er singt dort, begleitet von einem Orchester und untermalt mit ein paar T\u00e4nzerinnen, den Titel \u201eLeidenschaftlich liebe ich die Frauen\u201c von Josif Zankov.<br \/>\nIn Deutschland erschien etwa um die gleiche Zeit die Doppel-LP Electrola 134-1563251 mit Titeln der Comedian Harmonists, des Meistersextetts sowie mit Soloaufnahmen der ehemaligen Mitglieder Biberti, Bootz, Cycowski, Frohman, Leschnikoff und Zeller. Ari Leschnikoff ist hier mit dem Titel \u201eZwei Tr\u00e4nen\u201c vertreten, einer Aufnahme mit dem Orchester Karl Rockstroh, komponiert von Ivan Velev.<\/p>\n<p>Anfang Dezember 1975 interviewte Eberhard Fechner den inzwischen 79-j\u00e4hrigen Ari Leschnikoff in Sofia f\u00fcr seine Fernsehdokumentation \u201eDie Comedian Harmonists \u2013 Sechs Lebensl\u00e4ufe\u201c. Noch immer lebte Leschnikoff in bitterer Armut. Zur bundesweiten Erstausstrahlung im Fr\u00fchjahr 1976 war Leschnikoff urspr\u00fcnglich nach Deutschland eingeladen, musste aber aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden absagen. Danach erhielt er zahlreiche Briefe und P\u00e4ckchen von Verehrern der Comedian Harmonists aus Deutschland. Einige Zeitschriften berichteten ausf\u00fchrlich \u00fcber die Gruppe, darunter die Illustrierten \u201eGong\u201c und \u201eH\u00f6rzu\u201c. Erwin Bootz, der langj\u00e4hrige Pianist der Comedian Harmonists und des Meistersextetts, wird im \u201eHamburger Abendblatt\u201c zitiert: <em>\u201eWenn ich Aufnahmen der \u201aComedian Harmonists\u2018 h\u00f6re, so sehe ich meine damaligen Kollegen so, wie sie zu der Zeit aussahen. Und dann erscheinen sie nach Jahrzehnten pl\u00f6tzlich zum erstenmal in ihrer Altersgestalt. Da sitzt ein kleines, hutzeliges M\u00e4nnlein, das einst der umschw\u00e4rmte erste Tenor des Ensembles war &#8211; Ari Leschnikoff &#8211; und erz\u00e4hlt leise und zart seine Geschichte. Ich mu\u00df gestehen, ich habe geweint.\u201c<\/em><br \/>\nErmuntert durch die wiedergewonnene Popularit\u00e4t der Gruppe wandte sich Ari Leschnikoff nach Briefwechsel mit Erwin Bootz und Herbert Imlau im Jahr 1975 erneut an die Electrola wegen der Tantiemen der Comedian Harmonists und des Meistersextetts. Immerhin hatte man dort inzwischen vier neue Doppelalben mit Aufnahmen beider Gruppen herausgebracht. Wiederum machte Robert Biberti ihm seine Anspr\u00fcche streitig. Ari Leschnikoff hat nach seinem Ausscheiden aus dem Meistersextett wahrscheinlich nie einen Anteil aus den teilweise \u00fcppigen Tantiemen- oder Lizenzzahlungen aus Deutschland erhalten. Sein Anspruch darauf konnte nie gekl\u00e4rt werden, ein diesbez\u00fcglicher Rechtsstreit vor einem Berliner Amtsgericht, bei dem es auch um die Anspr\u00fcche von Erwin Bootz ging, zog sich jahrelang ergebnislos hin. F\u00fcr seine bulgarischen Platten erhielt Leschnikoff nur sehr sp\u00e4rliche Tantiemen.<\/p>\n<p>Am 27. Juni 1977 fand in Leschnikoffs Heimatort Haskovo ein Festakt anl\u00e4sslich seines 80. [sic!] Geburtstages statt. Dort wurde ein Erlass des bulgarischen Staatsrates verlesen, wonach ihm der St.-Kiril-und-Methodius-Orden Erster Klasse verliehen wurde. Den Orden erhielt er aus den H\u00e4nden der Direktorin von Radio Sofia, Jonka Kotseva. Au\u00dferdem erhielt er die Original-Matrix der bulgarischen LP von 1974 geschenkt. Musik hatte ihn sein ganzes Leben lang begleitet, auch in schwierigen Zeiten.<\/p>\n<p>Am 31. Juli 1978, kurz nach seinem 82. Geburtstag, starb Asparuch Leschnikoff, der in seiner Heimat auch \u201eRitter des hohen f\u201c genannt wurde, in Sofia. Sein Grab befindet sich dort auf dem Malashevtzi-Friedhof. Die \u201eBerliner Zeitung\u201c ver\u00f6ffentlichte am 23. August 1978 einen Nachruf, den Robert Biberti in seinem Archiv verwahrte.<br \/>\nNach dem Tod von Ari Leschnikoff schenkte seine Ehefrau seinen musikalischen Nachlass dem bulgarischen Staatsarchiv. Dokumente daraus wurden 1999 in der Zeitschrift \u201eArchiven Pregled\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>In den 1980er Jahren wurden einige Titel Leschnikoffs wieder ver\u00f6ffentlicht, so zum Beispiel die Serenade \u201eDer wei\u00dfe Brunnen\u201c, eine Komposition von Ivan Poptoschev, auf der Doppel-LP \u201eLieder f\u00fcr die Seele \u2013 Bulgarische Volkslieder der 1930er bis 1960er Jahre\u201c (Balkanton BHA 12301\/302). Nach dem Erfolg des Kinofilms \u201eComedian Harmonists\u201c von Joseph Vilsmaier aus dem Jahr 1997 besann man sich auch in Bulgarien erneut des ber\u00fchmten kleinen Tenors, der einst in ganz Europa bekannt war. Die inzwischen privatisierte Firma Balkanton brachte 1998 eine CD mit 11 fr\u00fcheren Soloaufnahmen Leschnikoffs sowie 13 Comedian-Harmonists-Titeln heraus (CD Nr. M.K. 3385\/15.12.1998\u0433). Auf dem Cover sind jedoch nicht die Comedian Harmonists, sondern die Hauptdarsteller des Films abgebildet.<br \/>\nDie Illustrierte STERN ver\u00f6ffentlichte in ihrer Ausgabe 26\/2003 einen Artikel \u00fcber das Reiseland Bulgarien. Darin hei\u00dft es: <em>\u201e\u2026Die ber\u00fchmtesten Landsleute sind, au\u00dfer dem Verpackungsk\u00fcnstler Christo, tot. Spartakus, Dimitroff, Elias Canetti. Der letzte bulgarische Weltstar, Ari Leschnikow von den Comedian Harmonists, endete als Parkw\u00e4chter.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Saschka Leschnikova starb 2003 in Sofia. Ari Leschnikoffs Sohn Anri ist studierter Techniker und lebt mit seiner Ehefrau in Sofia.<br \/>\nDelphine Leschnikova \u2013 unter diesem Namen ist sie im Londoner Telefonbuch zwischen 1978 und 1982 sowie im britischen Sterbeindex verzeichnet \u2013 hat nicht wieder geheiratet. Sie arbeitete als Buchhalterin in London und starb dort im April 1999.<br \/>\nAri Leschnikoffs Sohn aus erster Ehe, Simeon Michael Leschnikoff war Werbezeichner und heiratete im November 1968 seine Ehefrau Ann, die aus England stammte. Er starb am 4. Dezember 1994. Aus dieser Ehe stammen zwei Enkelinnen Ari Leschnikoffs, die in London leben: Jessica, studierte S\u00e4ngerin und Pianistin, die als erfolgreiche mehrsprachige Sopranistin eigene Soloaufnahmen mit Liedern von Robert Schumann, Richard Wagner und Clara Wieck mit Klavierbegleitung ver\u00f6ffentlicht hat (CD SFZ Music 0211); www.supersoprano.com. Ihr j\u00fcngere Schwester Nancy ist \u00fcber Gro\u00dfbritannien hinaus als Gestalterin und Illustratorin zahlreicher Kinderb\u00fccher bekannt (u. a. \u201eIllustrated Fairytales\u201c, Usborn 2007).<\/p>\n<p>Leschnikoffs Geburtsstadt Haskovo w\u00fcrdigt ihn seit Juni 2015 mit einem Denkmal sowie mit einem j\u00e4hrlichen Festival, bei dem seine und andere Volkslieder von Solisten und Gruppen aufgef\u00fchrt werden. Im Jahr 2020 erhielten Ari Leschnikoff und seine Frau aus Mitteln einer Kulturstiftung ein Ehrengrab auf dem Sofioter Malashevtzi-Friedhof.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr width=\"100%\" size=\"2\" align=\"center\">\n<p style=\"text-align: center;\">Unter Verwendung von Nachl\u00e4ssen und <a href=\"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=30\" title=\"Literatur\"><strong>publizierten Quellen<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Broody &nbsp; Asparuch (\u201eAri\u201c) Dimitroff LESCHNIKOFF &nbsp; * 16.6.1896 in Haskovo (BG) \u2020 31.7.1978 in Sofia (BG) &nbsp; Anm.: Im Geburtsregister von Haskovo wurde angeblich das Geburtsdatum 17.6.1896 festgestellt.&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":20,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-362","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/362","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=362"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/362\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1862,"href":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/362\/revisions\/1862"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/20"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}