{"id":774,"date":"2014-04-28T01:07:24","date_gmt":"2014-04-27T23:07:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=774"},"modified":"2021-11-08T17:16:27","modified_gmt":"2021-11-08T15:16:27","slug":"fred-kassen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=774","title":{"rendered":"Fred Kassen"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Broody<\/strong><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<h5>\n<p style=\"text-align: center;\">Friedrich Wilhelm (\u201e<span style=\"text-decoration: underline;\">Fred<\/span>\u201c) KASSEN<\/p>\n<\/h5>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<b>* 7.8.1903 in Langendreer\/Westfalen<br \/>\n\u2020 7.4.1972 in K\u00f6ln<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nFred Kassen wurde am 7. August 1903 in Langendreer geboren. Seine Geburtsstadt geh\u00f6rt heute zu Bochum. Er hatte zwei Br\u00fcder, Alfred und Werner, die Inhaber einer Haushaltswarenhandlung und einer \u201eKonzertagentur Gebr\u00fcder Kassen\u201c in Den Haag, Weteringkade 50, waren. Sie betrieben nach dem Krieg eine Eisenwarenhandlung in Iserlohn.<br \/>\n\u00dcber die musikalische Ausbildung von Fred Kassen ist nichts bekannt. Schon fr\u00fchzeitig bet\u00e4tigte er sich als Pianist, Komponist und S\u00e4nger und absolvierte Ende der 1920er Jahre eine dreij\u00e4hrige Amerika-Tournee. Danach machte er in Berlin Schallplattenaufnahmen, unter anderem gemeinsam mit den Abels sowie mit Begleitung durch Paul Godwin und seine Jazz-Symphoniker oder durch das Orchester Dajos B\u00e9la. Im Jahr 1931 war Fred Kassen f\u00fcr einige Monate Barpianist in der \u201eTexas-Bar\u201c im Femina-Palast an der N\u00fcrnberger Stra\u00dfe in Berlin, wo er gemeinsam mit John (\u201eJonny\u201c) Millow Interpretationen moderner Schlager und T\u00e4nze darbot. Angeblich hat er 1931 in dem Film \u201eDer falsche Ehemann\u201c, in dem die Comedian Harmonists mitwirkten, eine Nebenrolle gespielt und das Lied \u201eEinmal wird dein Herzchen mir geh\u00f6ren\u201c gesungen. 1932 war Fred Kassen kurzzeitig in der Bar \u201eCasanova\u201c engagiert. Zusammen mit seiner ersten Ehefrau Ethel Mary Lamaire, geb. Jackson (* 11.1.1908 in Glace Bay, Kanada), K\u00fcnstlername Nina Navarro oder Nina Sorell, trat er als \u201eNina Navarro and Kassen Bros.\u201c auf. 1933 gastierte Fred Kassen, wiederum mit Jonny Millow, f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in der \u201eGreifi-Bar\u201c in der Joachimsthaler Stra\u00dfe in Berlin sowie im Femina-Palast, wo er gemeinsam mit Adolf Gondrell, Claire Waldoff, dem Orchester Paul Godwin u. a. auftrat. Von September 1934 bis M\u00e4rz 1935 gastierte er mit einer Variet\u00e9-Nummer im Ausland, seit April 1935 war er erwerbslos.<br \/>\nFred Kassen bewarb sich als Antwort auf ein Inserat im \u201eBerliner Lokalanzeiger\u201c vom 28. Juli 1935 schriftlich bei der noch unter dem Namen Comedian Harmonists firmierenden Gruppe von Robert Biberti. Am 30. Juli 1935 sang er vor und wurde als Tenor-Buffo engagiert. Er erhielt anf\u00e4nglich ein monatliches Gehalt von 500,- Reichsmark plus Spesen sowie ein Weihnachtsgeld von 50 RM. Von seinem Festgehalt blieben ihm nach Abzug der Steuern und Pflichtversicherungen knapp 430 RM. Fred Kassen war Mitglied der Reichsmusikkammer unter der Mitglieds-Nr. I\/15257, wurde jedoch zum 1. August 1935 aus der RMK ausgegliedert, da er zeitgleich Mitglied der Reichstheaterkammer, Fachschaft Artistik, war. Zu dieser Zeit lebte er in der Tauentzienstr. 7b, sp\u00e4ter dann in der Martin-Luther-Stra\u00dfe 13 in Berlin. Fred Kassen erlebte den allm\u00e4hlichen Erfolg des Meistersextetts mit und war ma\u00dfgeblich daran beteiligt: Seine stimmliche Flexibilit\u00e4t und langj\u00e4hrige Erfahrung \u2013 nicht nur musikalischer Art, sondern auch mit Blick auf B\u00fchnenwirksamkeit \u2013 lie\u00dfen ihn schnell zu einem wichtigen Teil des Ensembles werden. Er f\u00fcgte sich zur\u00fcckhaltend in die Gesamtgruppe ein, trat aber auch mit solistischer Pr\u00e4gnanz hervor \u2013 etwa in dem Werbefilm f\u00fcr die Firma \u201eCaspar Blume\u201c \u2013 und \u00fcbernahm einen Gro\u00dfteil der auff\u00e4lligen, wenn auch im Vergleich zur Ur-Gruppe deutlich selteneren Instrumentenimitationen. Dabei war er nicht nur \u00f6ffentlich sichtbar eine zentrale Figur der neuen Besetzung, sondern auch im Hintergrund f\u00fcr das Meistersextett wirksam: So schrieb er etwa den Titel \u201eArgentinisches Intermezzo\u201c, den die Gruppe im Oktober 1937 aufnahm, und zeichnete f\u00fcr eine Reihe von Arrangements verantwortlich, darunter das 1936 auf Platte erschienene \u201eIn Mexico\u201c oder die rasante Peter-Igelhoff-Nummer \u201eDas Fr\u00e4ulein Gerda\u201c von 1938.<br \/>\nAnf\u00e4nglich erwarb sich Fred Kassen beim Meistersextett das Vertrauen von Robert Biberti und wurde mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet, so unter anderem bei der Auswahl neuer S\u00e4nger. So vertrat er Biberti bei der Verhandlung gegen Blanke und Sengeleitner und h\u00f6rte sich in Abwesenheit von Biberti das Vorsingen von Rudi Schuricke an. Kassens Br\u00fcder in Den Haag machten ab 1935 die Vertragsabschl\u00fcsse des Meistersextetts f\u00fcr die Niederlande. Ab Juli 1936 erhielt Fred Kassen 600 Reichsmark, 1937 dann 700 Reichsmark Festgehalt. Er wohnte jetzt in der Augsburger Stra\u00dfe 43. In einer Auseinandersetzung mit Biberti erk\u00e4mpfte sich Fred Kassen ab 1938 als einziger ein monatliches Festgehalt von 800 Reichsmark, dar\u00fcber hinaus erhielt er nach dem Ausscheiden von Erwin Bootz Verg\u00fctungen f\u00fcr Arrangements und seine T\u00e4tigkeit als Korrepetitor. Daneben nahm Fred Kassen zwischen 1937 und 1939 eine Reihe von Titel mit den Orchestern Eugen Wolff, Bernhard Ett\u00e9, Adalbert Luther und Arne H\u00fclphers auf Schallplatte auf, teilweise zusammen mit den Metropol-Vokalisten. Dazu z\u00e4hlen auch eigene Kompositionen wie \u201eMeine gute Tante hat mir hundert Mark geschenkt\u201c, \u201eCarola-Carolina\u201c, \u201eAbendglocken\u201c oder \u201eEs ist viel mehr als Sympathie\u201c sowie eine Werbeplatte f\u00fcr \u201eVademecum\u201c-Zahnpasta.<br \/>\nNach dem dritten Vertragsjahr erhoffte sich Fred Kassen die Einl\u00f6sung des Versprechens von Biberti, nunmehr gleichberechtigter Gesellschafter des Meistersextetts zu werden. Doch Biberti lehnte dies \u2013 vermutlich aus finanziellen Gr\u00fcnden \u2013 ab. Es kam zum Krach, wobei sich Ari Leschnikoff, ab 1938 neben Biberti einziger Gesellschafter des Ensembles, auf die Seite von Fred Kassen schlug. Die Zerw\u00fcrfnisse f\u00fchrten schlie\u00dflich im Mai 1939 zu einem Geheimabkommen zwischen Herbert Imlau, Fred Kassen, Ari Leschnikoff und Rudolf Zeller, wonach diese ab dem 1. September 1939 ohne Biberti zusammen weiterarbeiten wollten. Nach dem Fernbleiben von Leschnikoff und dem Ausbruch des Krieges l\u00f6ste Biberti das Meistersextett auf und Fred Kassen erhielt am 9. September 1939 die au\u00dferordentliche K\u00fcndigung. Sein Versuch, bei der Reichsmusikkammer gegen die K\u00fcndigung vorzugehen, blieb erfolglos. Bei den Versuchen Anfang 1940, das Ensemble wieder in Gang zu bringen, bestand Biberti dann darauf, entgegen den Bestrebungen Leschnikoffs nur noch ohne Fred Kassen weitermachen zu wollen.<br \/>\n\u00dcber Kassens Aktivit\u00e4ten w\u00e4hrend des Krieges ist wenig \u00fcberliefert. Seine Ehefrau Nina Navarro war im Sommer 1941 im Rahmen der Aktion \u201eBerliner K\u00fcnstlerfahrt\u201c zur Truppenbetreuung in D\u00e4nemark eingesetzt, zusammen mit der S\u00e4ngerin Edith Schollwer und der Kapelle Otto Stenzel. Kassens Soldatenlied \u201eIch schreibe meiner Mutter einen Brief\u201c aus dem Jahr 1942 wurde mit dem Orchester Helmut Koch aufgenommen, der Text massenhaft auf Feldpostkarten verbreitet. Unbest\u00e4tigt ist die Aussage, Fred Kassen sei w\u00e4hrend des Krieges in Frankreich stationiert gewesen.<br \/>\nAb November 1945 war Fred Kassen bei der amerikanischen Milit\u00e4rregierung im bayrischen Marktheidenfeld t\u00e4tig und f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung sowie die Zulassung von Versammlungen und Gruppierungen zust\u00e4ndig. Er bet\u00e4tigte sich als Ankl\u00e4ger in Entnazifizierungsverfahren und bek\u00e4mpfte den Schwarzhandel, wobei es zu unrechtm\u00e4\u00dfigen \u00dcbergriffen und Enteignungen gekommen sein soll. Seine Frau sa\u00df im Vorzimmer des \u00f6rtlichen Milit\u00e4rkommandanten und begann mit diesem ein Verh\u00e4ltnis. Sp\u00e4ter heiratete sie ihn und lebte mit ihm in Seattle.<br \/>\nNach dem Krieg lie\u00df Robert Biberti keine Gelegenheit aus, Kassen f\u00fcr den Zerfall des Meistersextetts mitverantwortlich zu machen und ihn nationalsozialistischer Einstellungen und der Denunziation bei der Reichskulturkammer zu bezichtigen. Am 14. November 1946 wandte er sich per Einschreiben an die Kammer der Kunstschaffenden im Berliner Entnazifizierungsausschuss und teilte u. a. mit, dass er im Entnazifizierungsverfahren von Fred Kassen \u201eschwerwiegende Gegenargumente vorzubringen habe\u201c. Kassen, der niemals Mitglied der NSDAP war, reagierte mit Gegendarstellungen, unter anderem sei er selbst von Biberti bei der Gestapo denunziert worden, wof\u00fcr er Ende 1939 drei Tage lang in einem Berliner Gestapo-Gef\u00e4ngnis inhaftiert worden sei. In einem Prozess gegen Kassen wegen angeblicher Unterschlagungen kam es 1947 zu Vorladungen an Biberti, Imlau und Grunert beim Kammergericht W\u00fcrzburg. Fred Kassen war ab Mai 1948 kurze Zeit inhaftiert und wurde von Robert Biberti im Gef\u00e4ngnis besucht. Biberti erschien jedoch nicht vor Gericht, der Prozess endete folgenlos.<br \/>\nFred Kassen, der sich inzwischen von seiner Frau getrennt hatte, zog nach Bad Wiessee. Dort lernte er seine zweite Frau Alexandra Theresia Geller (* 30.1.1923 in Nittendorf, Lkr. Regensburg) kennen. Anfang der 1950er Jahre gr\u00fcndete er in Rottach-Egern am Tegernsee in der Seestra\u00dfe die Bar \u201eBei Fred\u201c, die nur in den Sommermonaten ge\u00f6ffnet war. Daneben betrieb er die \u201eBarock-Bar\u201c in M\u00fcnchen, Theatinerstr. 30, in der u. a. Kurt Rothenburg am Fl\u00fcgel sa\u00df. Etwa 1955 erwarb Fred Kassen den \u201ePf\u00e4lzer Hof\u201c in M\u00fcnchen-Schwabing, Ursulastra\u00dfe\/Ecke Haimhauserstra\u00dfe, und gestaltete ihn zum K\u00fcnstlerlokal \u201eDas Stachelschwein\u201c um. Am 2. Mai 1956 wirkte er im Bayrischen Rundfunk bei einer Sendung \u00fcber die Comedian Harmonists mit. In seinem Lokal gr\u00fcndete sich Ende 1956 aus dem Kabarett \u201eDie Namenlosen\u201c die \u201eM\u00fcnchner Lach- und Schie\u00dfgesellschaft\u201c, ein politisches Kabarett unter der Regie von Sammy Drechsel, mit Dieter Hildebrandt, Ursula Herking, Klaus Havenstein und Hans J\u00fcrgen Dietrich. Fred Kassen wurde deren Komponist und Pianist und schrieb die Musik zu den Programmen \u201eDenn sie m\u00fcssen nicht, was sie tun\u201c (1956), \u201eIm gleichen Schrott und Trott\u201c sowie \u201eBette sich wer kann\u201c (1957) und \u201eEine kleine Machtmusik\u201c (1958). Auch hier musste er sich in eidesstattlichen Erkl\u00e4rungen gegen die Verleumdungen Bibertis zur Wehr setzen, die dieser inzwischen auf Behauptungen \u00fcber Straftaten Kassens w\u00e4hrend seiner Zeit bei der US-Milit\u00e4rregierung erweiterte. Zu dieser Zeit wohnte Familie Kassen in der Bauerstra\u00dfe 10 in M\u00fcnchen. W\u00e4hrend einer Tournee der \u201eM\u00fcnchener Lach- und Schie\u00dfgesellschaft\u201c im Sommer 1958 gestaltete Fred Kassen mit einem eigenen Ensemble im Schwabinger \u201eStachelschwein\u201c das Programm \u201eScherz lass nach\u201c. Nach internen Auseinandersetzungen verkaufte Fred Kassen das Lokal an Sammy Drechsel und zog 1959 mit seiner Frau nach K\u00f6ln. Hier gr\u00fcndete er im M\u00e4rz 1959 in der Pipinstra\u00dfe das Kabarett \u201eSenft\u00f6pfchen\u201c und wurde dessen Direktor, Regisseur, Pianist und Komponist. Von ihm stammt u. a. das \u201eSenft\u00f6pfchen-Lied\u201c, das zum Markenzeichen der heute noch existierenden B\u00fchne wurde. In den Programmen der 1960er Jahre traten namhafte Solisten wie Gert Fr\u00f6be, Brigitte Mira, Werner Schneyder und Hans Dieter H\u00fcsch auf.<br \/>\nFred Kassen starb am 7. April 1972 in K\u00f6ln und hinterlie\u00df neben seiner Frau Alexandra seine 1956 geborene Tochter Alexandra Franziska sowie Stiefsohn Klaus und Enkelkinder. Ehefrau und Tochter f\u00fchrten das \u201eSenft\u00f6pfchen\u201c nach Fred Kassens Tod weiter. Alexandra Kassen starb am 25.6.2017 in K\u00f6ln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr width=\"100%\" size=\"2\" align=\"center\">\n<p style=\"text-align: center;\">Unter Verwendung von Nachl\u00e4ssen und <a href=\"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=30\" title=\"Literatur\"><strong>publizierten Quellen<\/strong><\/a><br \/>\nsowie eines Artikels von Martin Harth in der \u201eMain Post\u201c vom 7. Januar 2009.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Broody &nbsp; Friedrich Wilhelm (\u201eFred\u201c) KASSEN &nbsp; * 7.8.1903 in Langendreer\/Westfalen \u2020 7.4.1972 in K\u00f6ln &nbsp; Fred Kassen wurde am 7. August 1903 in Langendreer geboren. 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