{"id":783,"date":"2014-04-28T01:16:29","date_gmt":"2014-04-27T23:16:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=783"},"modified":"2021-11-08T17:18:59","modified_gmt":"2021-11-08T15:18:59","slug":"783-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=783","title":{"rendered":"Alfred Grunert"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Broody<\/strong><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<h5>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Alfred<\/span> Fritz GRUNERT<\/p>\n<\/h5>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<b>* 21.10.1900 in G\u00fcldenhof<br \/>\n\u2020 21.1.1982 in Hamburg<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nAlfred Grunert wurde am 21. Oktober 1900 in G\u00fcldenhof (heute Z\u0142otniki Kujawskie, Polen) geboren, einem Dorf im damaligen Landkreis Inowraz\u0142aw, Provinz Posen (ab 1904 bis 1918 sowie 1939 bis 1945 Landkreis Hohensalza). Er absolvierte eine Ausbildung als S\u00e4nger und Schauspieler an der Reicher\u2019schen Hochschule f\u00fcr dramatische Kunst in Berlin-Charlottenburg und bei Professor Hummerl, Berlin. Danach trat er an der Berliner Volksb\u00fchne, im Theater am Nollendorfplatz und an der Gro\u00dfen Volksoper Berlin auf. Aus den Jahren 1929 bis 1931 ist eine Reihe von Schallplattenaufnahmen Grunerts bekannt. So nahm er 1929 mehrere Lieder von Hermann Hesse auf, zu denen er sich selbst am Klavier begleitete. Ferner machte er Aufnahmen als Refrains\u00e4nger f\u00fcr die Firma Columbia mit deren Tanzorchester unter Leitung von Eddie Saxon (= Otto Dobrindt), unter anderem \u201eIch hab dich einmal gek\u00fcsst\u201c, \u201eDas Blumenm\u00e4dchen von Neapel\u201c, \u201eGeh\u2019 nicht an mir vorbei, Liebling\u201c, \u201eLeopold, tu\u2019 doch nicht so\u201c und andere. Von 1930 bis 1932 sang Alfred Grunert in der Bar \u201eKakadu\u201c in der Joachimsthaler Stra\u00dfe 10, begleitet von der Kapelle Max Herrnsdorf. Daneben trat er in Variet\u00e9s auf, so 1930 und 1934 im \u201eWintergarten\u201c in N\u00fcrnberg, und sang in franz\u00f6sischen Versionen deutscher Kinofilme. 1935 folgten weitere Aufnahmen mit dem Tanzorchester Gerhard Hoffmann vom Berliner Hotel Excelsior, unter anderem \u201eGute Nacht\u201c (Blue Moon), \u201eDie ganze Welt macht Tanzmusik\u201c oder \u201eMit Dir in einer Fr\u00fchlingsnacht\u201c. Im Fr\u00fchjahr 1936 erfolgten Aufnahmen f\u00fcr die Marke Brillant Special mit der Kapelle Eugen Jahn: \u201eMein Schatz ist bei der Infanterie\u201c und \u201eDie sch\u00f6ne Nachbarin\u201c.<br \/>\nAls er Ende 1935 durch Kontrolleure der Reichsmusikkammer im Hotel Excelsior als Refrains\u00e4nger der Kapelle Gerhard Hoffmann angetroffen wurde, musste sich Alfred Grunert einer Pr\u00fcfung als S\u00e4nger unterziehen, da er bis dahin nur Mitglied der Reichstheaterkammer war. Nachdem seine stimmlichen Qualit\u00e4ten f\u00fcr gut befunden wurden, erfolgte seine Aufnahme in die Reichsmusikkammer.<br \/>\n1936 wohnte Alfred Grunert in der W\u00fcrzburger Stra\u00dfe 17 in Berlin. Im Juni 1936 wurde er als zweiter Tenor beim Meistersextett angestellt und l\u00f6ste Zeno Costa ab, der im Sommer 1936 vor\u00fcbergehend in der Gruppe mitgewirkt hatte. Neben noch bestehenden Engagements probte er zun\u00e4chst individuell mit Fred Kassen. Allerdings stand dem Beginn der Gruppenproben am 3. August 1936 sowie gemeinsamen \u00f6ffentlichen Auftritten zun\u00e4chst im Wege, dass er am 18. Juli 1936 aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen worden war. Durch eine gezielte Denunziation wurde ihm eine intime Beziehung zu einer \u201enichtarischen\u201c Gesangslehrerin vorgeworfen, die ihm eine Anzeige wegen \u201eRassenschande\u201c einbrachte. Zwar f\u00fchrte Alfred Grunert an, dass dieses Verh\u00e4ltnis bereits 1932, also lange vor dem Inkrafttreten der sogenannten N\u00fcrnberger Rassengesetze beendet war, und legte gegen seinen Ausschluss Widerspruch ein. Doch weder dieser noch die pers\u00f6nliche Intervention von Robert Biberti bei der Reichsmusikkammer f\u00fchrten zun\u00e4chst zu einem positiven Ergebnis, so dass das Meistersextett vorerst nur Film- und Schallplattenaufnahmen unter Beteiligung von Zeno Costa absolvieren konnte. Erst im November f\u00fchrten die Absprachen mit der Reichsmusikkammer zu einem ersten Auftritt in der neuen Besetzung, zu der auch Herbert Imlau geh\u00f6rte. Alfred Grunert erhielt zun\u00e4chst ein vertraglich festgeschriebenes Monatsgehalt von 500 Reichsmark plus Spesen. Jedoch holte ihn der lange Arm des Gesetzes noch einmal ein: Da er noch immer nicht Mitglied der Reichsmusikkammer war und auch keine sonstige f\u00f6rmliche Auftrittsgenehmigung besa\u00df, wurde er nach einem Konzert des Meistersextetts am 27. Januar 1937 in der Berliner Philharmonie zu einer polizeilichen Beschuldigtenvernehmung vorgeladen. Grunert hatte darauf vertraut, dass sich mit der Einstellung des Strafverfahrens wegen \u201eRassenschande\u201c gegen ihn die Sache erledigt habe. Au\u00dferdem war er noch immer Mitglied der Fachschaft Artistik der Reichstheaterkammer. Nach weiteren Verhandlungen, bei denen Robert Biberti als F\u00fcrsprecher Grunerts auftrat, wurde der Ausschluss aus der Reichsmusikkammer schlie\u00dflich im Mai 1937 offiziell aufgehoben. Ab 1937 wohnte Alfred Grunert in Berlin-Steglitz, Schildhornstra\u00dfe 47. Bereits ab Dezember 1936 erhielt er 610 Reichsmark monatliches Gehalt. In den Gesamtklang der Gruppe passte er sich mit seiner flach timbrierten Stimme unauff\u00e4llig und harmonisch ein. Zwar beteiligte sich Alfred Grunert 1938 an den Forderungen von Fred Kassen und Herbert Imlau nach h\u00f6heren Gagen und Ganzjahresvertr\u00e4gen, woraufhin er ab Herbst 1938 dann 700 Reichsmark Monatsgehalt erhielt, ansonsten verhielt er sich aber sehr loyal gegen\u00fcber Biberti. Das brachte ihm den Argwohn der \u00fcbrigen Mitglieder, insbesondere von Kassen, Imlau und Leschnikoff ein, so dass er auch nicht in das Geheimabkommen vom Mai 1939 eingeweiht wurde, mit dem die Genannten und Rudolf Zeller vereinbarten, das Meistersextett ab September 1939 nur noch ohne Robert Biberti weiter betreiben zu wollen. Schlie\u00dflich kam es aber anders: Am 9. September 1939 erhielt Alfred Grunert nach dem Ausbleiben von Leschnikoff und dem Ausbruch des Krieges die au\u00dferordentliche K\u00fcndigung von Biberti wegen \u201eh\u00f6herer Gewalt\u201c.<br \/>\nIm Jahr 1940 wurde Alfred Grunert zur Wehrmacht einberufen und war in der kulturellen Truppenbetreuung besch\u00e4ftigt, wo er von dem Zusatz \u201evom Meistersextett\u201c profitierte. Ein Zur\u00fcckstellungsantrag Bibertis, der Grunert f\u00fcr seine Neubesetzung des Meistersextetts einsetzen wollte, wurde vom Milit\u00e4r im November 1940 abgelehnt. Alfred Grunert war inzwischen zusammen mit dem Pianisten Herbert J\u00e4ger mit einer eigenen Tournee f\u00fcr die Organisation \u201eKraft durch Freude\u201c unterwegs. Erst ab Mitte Dezember 1940, nach Freistellung durch die Wehrmacht, wurde Alfred Grunert bis Juni 1941 f\u00fcr die letzte Besetzung des Meistersextetts engagiert, die allerdings nur noch bis zum Abbruch der \u00fcberwiegend f\u00fcr die Organisation \u201eKraft durch Freude\u201c abgehaltenen Konzerte Anfang Februar 1941 existierte. Unmittelbar danach nahm er wieder ein Engagement bei der Truppenbetreuung an, was Biberti ihm sehr ver\u00fcbelte, da er den Plan eines Meistersextetts noch immer nicht aufgeben wollte.<br \/>\nNach dem Krieg war Alfred Grunert zun\u00e4chst in L\u00fcbeck und im Hamburger Ballhaus \u201eAlkazar\u201c engagiert. Zwar bescheinigte ihm Robert Biberti bereits im Juli 1946, dass er \u201ean den im Rahmen des Wiederaufbaus unseres Ensembles stattfindenden Proben teilnimmt\u201c, jedoch hat dieses Vorhaben nur auf dem Papier existiert. Grunert wohnte zu dieser Zeit in Berlin-Wilmersdorf, Bayrische Stra\u00dfe 16. Auch ihn versuchte Robert Biberti f\u00fcr das Gerichtsverfahren gegen Fred Kassen zu instrumentalisieren. Ende der 1940er Jahre gastierte Alfred Grunert vor\u00fcbergehend in L\u00fcneburg, Bad Pyrmont und Hannover und trat etwa ab 1950 in Hamburg auf, unter anderem im Ballhaus-Variet\u00e9 \u201eAllotria\u201c und auch im Rundfunk. In den folgenden Jahren f\u00fchrte Grunert, der 1965 seine langj\u00e4hrige Lebensgef\u00e4hrtin Edith heiratete und mit ihr in der Osdorfer Landstra\u00dfe 144 lebte, noch einen sporadischen Briefwechsel mit Robert Biberti. Alfred Grunert starb am 21. Januar 1982 in Hamburg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr width=\"100%\" size=\"2\" align=\"center\">\n<p style=\"text-align: center;\">Unter Verwendung von Nachl\u00e4ssen und <a href=\"http:\/\/www.comedian-harmonists.net\/?page_id=30\" title=\"Literatur\"><strong>publizierten Quellen<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Broody &nbsp; Alfred Fritz GRUNERT &nbsp; * 21.10.1900 in G\u00fcldenhof \u2020 21.1.1982 in Hamburg &nbsp; Alfred Grunert wurde am 21. 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