weitere Mitglieder

von Broody
 


Heinz BARUCH

* 1899
† ?

 
Heinz Baruch (Künstlername: Heinz Barger, später Henry Barger), geboren 1899, war der erste „Manager“ der Comedian Harmonists. Ab Juni 1929 wurde er als Impresario ermächtigt, im Namen der Gruppe vorbehaltlich deren Zustimmung gegen Provision Verträge abzuschließen. Baruch stammte aus der Werbe-Branche und wohnte zu dieser Zeit in der Schillstraße 19 in Berlin-Tiergarten. Die Zusammenarbeit der Comedian Harmonists mit Mischa Spoliansky und ihre Mitwirkung in der Revue „Zwei Krawatten“ am Berliner Theater geht auf die Vermittlung Baruchs zurück. Dieser hatte im Juli 1929 Spoliansky und den Theaterdirektor Klein in eine Vorstellung der Comedian Harmonists im Kabarett „Der blaue Vogel“ mitgenommen, woraufhin Klein die Gruppe umgehend ab August für seine Bühne engagierte. Letztlich war die Gruppe aber offensichtlich mit der Leistung Baruchs unzufrieden und trennte sich von ihm bereits Ende 1929. Neuer Impresario wurde ab Dezember 1929 Hellmut Jaretzki. Dennoch blieb die Gruppe um Harry Frommermann ihrem ehemaligen Manager verbunden, wie Künstlerpostkarten der Comedian Harmonists und der Comedy Harmonists im Nachlass von Heinz Baruch belegen.
Unmittelbar nachdem er die Comedian Harmonists verlassen hatte, wurde Heinz Baruch Manager der Weintraubs Syncopators. Die erste von ihm organisierte Deutschland-Tournee des Orchesters wurde ein Riesenerfolg. Ab 1933 wurde die überwiegend aus jüdischen Musikern bestehende Band mit Auftrittsverboten belegt. Fortan trat die Gruppe nur noch im Ausland auf, so in Dänemark, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Italien. Baruch, der sich jetzt nur noch Barger nannte, reiste der Gruppe voraus, führte vor Ort Verhandlungen mit den Konzertagenturen und lebte von seinem Erfolgshonorar. Ab 1935 absolvierte die Band eine anderthalbjährige Tournee durch Russland. In einem Radio-Interview aus dem Jahr 1962 berichtete Barger, dass er im Jahr 1936 bei der staatlichen russischen Musikagentur „GOMEZ“ die Russland-Tournee der Comedy Harmonists vermittelt habe. Ende 1936 gingen die Weintraubs Syncopators nach Japan, wo sie neben Bühnenauftritten auch Schallplattenaufnahmen machten. Von hier aus reiste Barger im Februar 1938 ins Exil in die USA und lebte in Chicago, später in New York unter dem Namen Henry Barger.
 


Victor Max COLANI

* 30.10.1895 Zittau
† 25.11.1957 Den Haag (NL)

 
Ein Max Colani wirkte in der Gründungsphase der Comedian Harmonists Anfang 1928 für kurze Zeit mit. Die Identität dieses Sängers mit dem Schauspieler Victor Max Colani, der bereits seit 1909 in über 40 Stummfilmen mitwirkte und daneben als Operettenschauspieler tätig war, unter anderem am Großen Schauspielhaus in Berlin, ist nicht restlos geklärt. Dieser lebte bis 1930 in Berlin-Schöneberg, Gustav-Müller-Straße 19, danach bis 1933 in der Pariser Straße 12. Victor Max Colani emigrierte 1933 nach Holland, wo er 1943 mit einem Auftrittsverbot belegt wurde. Nach Kriegsende blieb er in den Niederlanden, wo er wohl weiter als Sänger, Schauspieler und Regisseur tätig war.
 


Rudolf FISCHER-MARETZKY

* 26.12.1898
† 1.1.1966 in Berlin

 
Rudolf Fischer, Sohn des Arztes Dr. Eugen Fischer und seiner Frau Gertrud Anna Fischer, geborene Maretzky, war jüdischer Abstammung und bis 1933 Leiter der Künstler- und Aufnahmeabteilung bei der Electrola. In dieser Eigenschaft bestimmte er maßgeblich die Titelauswahl und die Plattenaufnahmen der Comedian Harmonists. Er wohnte in Berlin-Wilmersdorf, Helmstedter Straße 19. Offenbar wegen seiner Abstammung bei der Electrola entlassen, übernahm Fischer-Maretzky im Juni 1933 als dritter und letzter Manager das Sekretariat der Comedian Harmonists. Zeitgleich war er auch Manager des Baritons Willi Domgraf-Fassbaender, des Tenors Charles Kullmann und des Dirigenten Oreste Picardi. Fischer-Maretzki wohnte inzwischen in der Laubenheimer Str. 3 in Berlin-Wilmersdorf. Im Schriftverkehr nannte er sich Rudolph Fischer-Maretzki. Er übernahm den Großteil der geschäftlichen Korrespondenz der Comedian Harmonists, insbesondere während deren wochenlanger Abwesenheit für Konzerttourneen, ab Frühjahr 1934 ausschließlich im Ausland. Im selben Jahr führte er die Auseinandersetzungen im Berufungsverfahren mit der Reichsmusikkammer um die Aufnahme der Mitglieder der Comedian Harmonists und schrieb an deren Präsidenten Wilhelm Furtwängler und Richard Strauss. Nach dem unausweichlichen Auseinanderbrechen der Gruppe im Frühjahr 1935 ging Rudolph Fischer-Maretzki gemeinsam mit Harry Frommermann, Roman Cycowski, Erich Collin und deren Ehefrauen nach Wien und ließ seine Ehefrau Lilly in Deutschland zurück. Er wohnte in der Julienstraße 35 im 18. Wiener Bezirk, unweit von den Familien Collin und Frommermann. Im Mai 1935 musste er von Wien aus die Registrierung einer Comedian Harmonists GmbH in Paris gegenüber Biberti verteidigen. Vermutlich war Fischer-Maretzki nach der Übersiedelung nach Wien nicht mehr lange für die Comedian Harmonists tätig. Nach der Annexion Österreichs durch Hitler-Deutschland floh er 1938 nach London. Dass die Nationalsozialisten im März 1939 den zusätzlichen Vornamen Israel auf seiner Geburtsurkunde eintragen ließen, blieb wahrscheinlich von ihm unbemerkt.
Im Sommer 1959 schrieb er als Rudolph Fischer einen Brief an Robert Biberti in Berlin. Er benötigte Hilfe bei der Geltendmachung seiner Ansprüche gegenüber den Entschädigungsämtern. Nach weiteren drei gescheiterten Ehen nahm Fischer seit Anfang der 60er Jahre auch wieder Kontakt zu seiner früheren ersten Frau in Berlin auf. Ab Januar 1964 entwickelte sich erneut ein sporadischer Briefwechsel mit Biberti. Fischer bezog inzwischen eine deutsche Entschädigungsrente und trug sich mit Rückkehrgedanken. Auf Bitten Bibertis kümmerte er sich bei der His Master’s Voice in Hayes um die Lizenz-Ansprüche Bibertis seit September 1939. Zuletzt lebte Fischer in London unter der Adresse 84 Gilling Court, Belsize Grove, Hampstead. Im September 1964 übersiedelte er wieder nach Berlin und lebte zunächst zur Untermiete bei Biberti. Nachdem er Anfang 1965 noch ein eigenes möbliertes Zimmer in der Xantener Str. 10 in Berlin-Wilmersdorf bezogen hatte, verstarb Rudolph Fischer nach einer akuten Magen- und Herzerkrankung am 1. Januar 1966 im Krankenhaus Berlin-Spandau. Robert Biberti stand mit Fischers erster Ehefrau Lilly Ruth noch bis zu deren Tod im Jahr 1981 in engem persönlichem und postalischem Kontakt.
 


Hellmut JARETZKI

* ?
† ?

 
Hellmut Jaretzki, auch Hellmut Colman-Jaretzki oder Helmut(h) Jaro Jaretzki, geboren um 1905, war jüdischer Herkunft und stammte aus Berlin. Der studierte Kunstwissenschaftler schrieb ab 1924 Artikel für Kulturzeitschriften wie „Die Schönheit“, „Der Rosenkavalier“, „Porza“ oder „Der Querschnitt“. Von 1927 bis 1933 arbeitete er auch als Radiojournalist beim Berliner Rundfunk. Er moderierte dort bis 1929 in der Funk-Stunde die Sendereihe „In der Werkstatt der Lebenden“ und ab 1931 die Reihe „Von der bildenden Kunst“, in der er zeitgenössische Künstler interviewte und so einem breiten Publikum deren Persönlichkeiten und künstlerisches Schaffen näherbrachte. Dabei entstanden unter anderem Radioporträts der Maler Max Liebermann und Max Pechstein, des Bildhauers Georg Kolbe, der Architekten Hans Poelzig und Bruno Paul, der Grafikerin Renée Sintenis und des Zeichners Heinrich Zille, aber auch Beiträge über das Dessauer Bauhaus und über die Hilfsorganisation für in Not geratene Künstler. Daneben veröffentlichte er Beiträge wie „Der Rundfunk und die bildende Kunst“ in der Rundfunk-Zeitschrift „Rufer und Hörer“. Gemeinsam mit Ernst Engelbrecht schrieb er 1928 „Das Gift als Mordwaffe“, unter seinem Pseudonym Fred A. Colman erschien 1928 das illustrierte Buch „Artisten“ über berühmte Zirkuskünstler, 1930 „Die verliebte Mode“ über Kleidung, Schönheit und Eitelkeit und 1932 unter Mitarbeit von Max Ehrlich und Walter Trier das dreibändige Sammelalbum „Bergmanns bunte Bilderwelt“.
Ab Dezember 1929 war Hellmut Jaretzki nach Heinz Baruch der zweite „Manager“ der Comedian Harmonists. Er stellte sein Büro in der Xantener Straße 14 in Berlin-Wilmersdorf den Comedian Harmonists zur Erledigung der Korrespondenz zur Verfügung und erhielt am 4. Dezember 1929 die schriftliche Vollmacht, im Namen der Gruppe zu verhandeln und nach Rücksprache Verträge abzuschließen. Bis dahin wurden Korrespondenz, Verträge usw. zum Teil auch von Collin, Frommermann, Bootz, Biberti und anderen erledigt. Im Juli 1930 schrieben die Comedian Harmonists an verschiedene Konzertagenturen, man habe sich von Herrn Colman-Jaretzki auf freundschaftlichem Wege getrennt und würde die Geschäfte jetzt allein führen.
1935 erscheint Jaretzki im Berliner Adressbuch als „Verlagsleiter“ unter der Adresse Berlin-Schmargendorf, Hubertusbacher Straße 10, 1936 in der Heilbronner Straße 8. Danach ist er vermutlich emigriert, im Oktober 1939 erfolgte seine Überfahrt von Antwerpen nach New York. Hier findet sich für Hellmut Jaretzki später lediglich ein Einbürgerungsvermerk in den USA. In den 1960er Jahren meldete er sich einmal bei Robert Biberti per Brief aus Chicago, ab 1964 verliert sich dort seine Spur.
 


Walter JOSEPH

* 1890
† 23.7.1954 in Lake Placid (USA)

 
Der Pianist Walter Joseph stammte vermutlich aus Berlin und hatte den Ersten Weltkrieg als Soldat mitgemacht. In Berlin war er Pianist der bekannten Nelson-Revuen und spielte mit Rudolph Nelson an zwei Flügeln im Duett, unter anderem in der Revue „Lichter von Berlin“ (1927). In den Jahren 1928 und 1929 sind mehrere solcher Klavier-Duette der beiden Pianisten mit Kompositionen Nelsons auf Schallplatte erschienen, so die Titel „Parmer Veilchen“, „Vis-a-vis“, „Friederike“, „Josefin“ und „Tombola-Potpourri“. Im Jahr 1929 wirkte er in dem Kurzfilm „Und Nelson spielt“ mit.
Von Januar bis August 1931 war Walter Joseph Pianist der Comedian Harmonists. Er ersetzte Fried Walther, mit dem die Gruppe offenbar nicht zufrieden war. Walter Joseph wohnte zu dieser Zeit in Berlin-Wilmersdorf, Bregenzer Straße 31. Auf einem Gruppenfoto aus dieser Zeit ist der Mann mit der hohen Stirn ganz links im Bild zu sehen. Walter Joseph übernahm auch einen Teil der geschäftlichen Korrespondenz. Es ist allerdings nicht vollends sicher, ob er durchgängig die Klavierbegleitung der Konzerte übernahm. Es gibt zum Beispiel Hinweise darauf, dass die Auftritte im Schauspielhaus Leipzig Anfang März 1931 wieder von Erwin Bootz begleitet wurden, während die Konzertankündigungen für April bis August 1931 ausweisen: „am Flügel: Walter Joseph“. Die Schallplattenaufnahmen jener Monate sind offenbar von Walter Joseph begleitet worden, insbesondere „Baby“ und „Du bist nicht die Erste“, außerdem dürfte er bei den Filmaufnahmen zu „Der falsche Ehemann“, „Der ungetreue Eckehart“ und „Bomben auf Monte Carlo“ die Klavierbegleitung gespielt haben. Aus unbekannten Gründen genügte aber offenbar auch Joseph den Anforderungen nicht, und im Sommer 1931 gab es Erwägungen, den erfahrenen Pianisten Adam Gelbtrunk, tätig unter anderem in der Kapelle von Efim Schachmeister und am Großen Schauspielhaus in Berlin, für Proben einzuladen. Jedenfalls schied Walter Joseph im August 1931 aus dem Ensemble aus. Ab September übernahm Erwin Bootz wieder den Klavierpart.
Walter Joseph war danach Pianist im Tingel-Tangel-Theater von Friedrich Hollaender, den er vermutlich von den Nelson-Revuen kannte. Aus dieser Zeit (etwa März 1932) stammt eine ELECTROLA-Testaufnahme mit Annemarie Haase (Gesang) und Walter Joseph (Klavier) von „An allem sind die Juden schuld“ aus der Hollaender-Revue „Spuk in der Villa Stern“.
Joseph lebte mindestens bis 1933 als Kapellmeister und gefragter Korrepetitor in Berlin und ist dann in die USA emigriert. Am 8. Oktober 1949 gehörte er zu den Mitwirkenden im Programm zum 29. Jubiläum des KadeKo, veranstaltet von dessen Gründer Kurt Robitschek in der New Yorker Carnegie Hall unter dem Titel „25. Nacht der Prominenten. Einmalige Jubiläums-Gala-Vorstellung Kabarett der Komiker“. Im Februar 1952 spielte Walter Joseph bei einem Kurt-Weill-Gedächtniskonzert in der Town Hall von New York gemeinsam mit anderen Künstlern, unter anderem mit dem Pianisten der Comedy Harmonists, Fritz Kramer. Er starb während eines Besuchs bei Freunden an einem Schlaganfall.
 


Louis KALIGER

* 18.11.1885 (?)
† 1944 (?)

 
Der Tenor Louis Kaliger ist ab 1918 im Deutschen Bühnen-Jahrbuch verzeichnet und war in der Gründungsphase der Melody Makers deren erster Tenor. Er wurde aber bereits im März 1928 entlassen und durch Ari Leschnikoff ersetzt. Danach lebte Kaliger weiter in Berlin und wirkte in den 1930er Jahren als Sänger und auch als Schauspieler in zwei Kurzspielfilmen. Er soll 1944 verstorben sein.
 


Walter NUSSBAUM

* ?
† ?

 
Der Tenor Walter Nussbaum wurde im Frühjahr 1928 von Robert Biberti ins Ensemble mitgebracht und war vor Erich Collin zweiter Tenor der Melody Makers bzw. der Comedian Harmonists. Nach dem Ausscheiden von Theodor Steiner gehörte er neben Harry Frommermann, Ari Leschnikoff, Roman Cycowski, Robert Biberti und Erwin Bootz zum ersten auftrittsfähigen Ensemble. Auch an den ersten Plattenaufnahmen im August 1928 unter dem Titel „Gesangsquintett Comedian Harmonists vom Großen Schauspielhaus, Berlin“ war er demnach beteiligt. Offenbar waren ihm zum Teil auch die geschäftlichen Angelegenheiten übertragen, denn er bahnte im April 1928 sowohl den später wieder aufgehobenen Vertrag mit dem Kabarett der Komiker für Oktober als auch im Oktober den Vertrag mit der Barberina-Ambassadeurs Restaurantgemeinschaft für November 1928 an. Im Oktober 1928 gehörte er außerdem zu den Unterzeichnern des Vertrages mit der Schallplattenfirma Odeon und war am ersten großen Engagement der Comedian Harmonists, der Revue „Casanova“ am Großen Schauspielhaus Berlin, beteiligt. Darüber hinaus arrangierte er die Verträge mit dem Hamburger Hansa-Theater für Februar 1929 und den mit der Berliner Scala für Juni 1929. Nussbaum wohnte zu dieser Zeit in der Holsteinischen Straße 20 in Berlin-Steglitz. Aus unbekannten Gründen erfolgte Ende 1928 seine Kündigung zum 1. Februar 1929 mit der Begründung, dass er künstlerisch nicht in das Ensemble passe. Nach späteren Bekundungen von Robert Biberti gab es aber auch zwischenmenschliche Konflikte. Das Engagement im Hansa-Theater Hamburg wurde bereits mit dem neuen Tenor Willi Steiner absolviert. Nach neueren Auswertungen handelt es sich bei der Person im Buch von Czada/Große, S. 33, rechts unten, um Walter Nussbaum, auf Seite 34 links oben ist dagegen Willi Steiner abgebildet. Walter Nussbaum legte gegen seine Kündigung Widerspruch ein, es gelang ihm aber nur, die Kündigung auf Mitte März 1929 hinauszuzögern und so noch das gesamte Engagement am Großen Schauspielhaus zu absolvieren. Schließlich verklagte Walter Nussbaum die Comedian Harmonists im Mai 1929 sogar auf Einhaltung der mit ihm geschlossenen Auftritts- und Aufnahmevereinbarungen bzw. auf Schadenersatz, jedoch erfolglos. Unmittelbar darauf zog Walter Nussbaum nach Berlin-Pankow und betätigte sich vermutlich weiter als Chorsänger und Künstleragent. Über seinen weiteren Lebensweg ist nichts bekannt.
 


Theodor STEINER

* 5.3.1905 in Berlin
† † 3.6.1970 in Wien

 
Theodor Steiner, wahrscheinlich ein Bühnenkollege Frommermanns, war mit diesem gemeinsam der geistige Urheber und Gründer der Melody Makers nach dem Vorbild der amerikanischen Revellers. Frommermann kümmerte sich um das künftige Repertoire, Steiner um die geschäftlichen Dinge. Gemeinsam mit Frommermann suchte er nach ersten Mitstreitern und hörte sich das Vorsingen der Bewerber an, auch das von Robert Biberti. Die ersten Dokumente des Ensembles, unter anderem die schriftliche Einladung vom 29. Dezember 1927 an Biberti zum Vorsingen und der Vertrag der Gruppe „The Melodie Makers“ mit Robert Biberti vom 1. April 1928 tragen Steiners Unterschrift. Zu dieser Zeit wohnte er in Berlin-Mitte, Karlstraße 25 (heute Reinhardtstraße). Von Theodor Steiner existiert in den bislang bekannten Quellen kein Foto. Noch bis Mai 1928 war er als Bariton und vermutlich auch als Klavierbegleiter Mitglied der Gruppe. Dann wurde er von dem Bariton Roman Cycowski ersetzt, den Klavierpart übernahm Erwin Bootz, die geschäftlichen Angelegenheiten erledigte die Gruppe danach zunächst paritätisch.
Im Deutschen Bühnen-Jahrbuch ist Theodor Steiner noch bis 1934 als Chorsänger verzeichnet. Nach dem Krieg betätigte sich vor allem als Hörspielregisseur und war er Oberspielleiter beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main. Später wurde er Leiter des Ausbildungswesens beim Hessischen Rundfunk. Theodor Steiner wohnte mit seiner Ehefrau Marie, geb. Müller, zunächst Auf der Körnerwiese 19 in Frankfurt am Main, später im Wilhelm-Beer-Weg 127. Im Jahr 1965 hatte er einen Kurzauftritt in dem Fernsehfilm „Dr. Murkes gesammelte Nachrufe“ nach Heinrich Böll, mit Dieter Hildebrandt, Dieter Borsche und den Jacob-Sisters. Der Film spielt im Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main. Im gleichen Jahr zog Steiner zu seiner Lebensgefährtin Ria nach Bad Homburg, Dietigheimer Straße 19, und stand noch bis kurz vor seinem Tod in sporadischem Briefkontakt mit Harry Frohman (Frommermann). Theodor Steiner verstarb am 3. Juni 1970 in Wien.
 


Willi STEINER

* ?
† ?

 
Willi Steiner wurde Ende 1928 als zweiter Tenor der Comedian Harmonists eingearbeitet, um Walter Nussbaum abzulösen. Zuvor war er als Darsteller und Sänger an Berliner Bühnen engagiert, unter anderem am Neuen Operettenhaus Berlin (heute Theater am Schiffbauerdamm). Zu dieser Zeit lebte er in Berlin-Charlottenburg, Krumme Straße 56. Nach neueren Erkenntnissen handelt es sich bei der Person im Buch von Czada/Große, Seite 16, unten rechts, wie auch auf Seite 34, oben links, um den Tenor Willi Steiner. Nach der Kündigung Nussbaums absolvierte Willi Steiner mit den Comedian Harmonists im März 1929 das Engagement im Hansa-Theater in Hamburg. Doch sehr schnell merkte die Gruppe, dass sich Willi Steiner entgegen der anfänglichen Auffassung stimmlich nicht bewährt. Gegen Ende des Engagements stand fest, dass er abgelöst werden soll. Ohne sein Wissen fanden ab April 1929 bereits erste Proben mit dem künftigen zweiten Tenor Erich Collin statt.
Nach seinem Ausscheiden bei den Comedian Harmonists war Willi Steiner als Opernsänger in Berlin tätig. Zu dieser Zeit wohnte er in der Hauptstraße 149 in Berlin-Schöneberg. Nach dem Krieg betrieb er in Berlin-Schöneberg eine Gastspieldirektion.
 


Fried WALTER

* 19.12.1907 in Ottendorf-Okrilla (Sachsen)
† 8.4.1996 in Berlin

 
Fried Walter (eigentlich Walter Emil Schmidt) wurde zunächst wie sein Vater Lehrer, absolvierte dann aber bis 1928 ein Studium an der Orchesterschule der Dresdener Staatskapelle. Den Künstlernamen Fried Walter gab er sich bei seinem ersten Engagement als Korrepetitor in Gotha, um sich von den anderen „Schmidts“ zu unterscheiden und behielt ihn dann ein Leben lang bei. Nach einem Engagement als Kapellmeister in Gera studierte Fried Walter am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium Berlin in einem neu eingerichteten Kurs für Film- und Radiomusik und studierte unter anderem bei Kapellmeister Dr. Giuseppe Becceund in der Meisterklasse von Arnold Schoenberg. Daneben besorgte er musikalische Bearbeitungen für verschiedene Künstler und Rundfunksender, komponierte Klaviermusik für Stummfilme sowie für den Trautonium-Solisten Oskar Sala und leitete Kinoorchester. Dann absolvierte Walter die Meisterklasse von Arnold Schönberg an der Preußischen Akademie der Künste.
Vom 1. Dezember 1930 an war er probeweise als Pianist bei den Comedian Harmonists engagiert, als Ersatz für den ausgeschiedenen Erwin Bootz. Das Engagement von Fried Walter dauerte jedoch nur bis zum 31. Januar 1931, dann wurde er durch Walter Joseph ersetzt. In einem mehrseitigen handschriftlichen Beschwerdebrief betonte Fried Walter am Silvestertag 1930, er habe bisher „nicht ein einziges Stück mit der Gruppe probieren können“, unter anderem weil er die Partituren erst spät erhalten habe. Bootz und Frommermann hatten ihn in deren Musikstil unterwiesen, da es so gut wie keine Noten gab und Bootz meist improvisierte. Walters Gage für zwei Monate betrug ganze 250 Mark.
Danach war Fried Walter als freier Pianist und Arrangeur tätig, hatte Auftritte in Holland mit seiner späteren Frau und war ab Anfang 1934 Pianist und Arrangeur der Humoresk Melodios, mit denen er neben Konzert- und Rundfunkauftritten auch Schallplatten- und Filmaufnahmen absolvierte. Im Sommer 1935 verließ er die Gruppe, um sich der Oper zu widmen. Ab November 1938 begleitete Fried Walter wieder die Humoresk Melodios, bis zum Juni 1943. Zwischenzeitlich gehörte er mit seiner Frau Elisabeth etwa ab 1937 zu der Damen-Gesangsgruppe Allotrias und dirigierte in den Folgejahren eigene Opernkomposition, unter anderem „Königin Elisabeth“ 1938 in Stockholm und Hamburg, „Andreas Wolfius“ 1940 an der Berliner Staatsoper und „Dorfmusik“ 1943 in Wiesbaden. 1944 wurde Walters Ballett „Kleopatra“ in Prag aufgeführt, nebenbei komponierte er weiter Filmmusik. Er lebte in Berlin-Wilmersdorf, Wilhelmsaue 136, später am Barbarossaplatz 3 in Berlin-Schöneberg.
Fried Walter erlebte das Kriegsende in Schwerin. Nach 1945 war er zunächst Pianist und Korrepetitor an der Staatsoper Berlin, ab 1947 dann Gründer und Leiter des RIAS-Unterhaltungsorchesters in Berlin. Hier kam es zu einem Wiedersehen mit Harry Frohman (Frommermann), der als amerikanischer Kontrolloffizier beim RIAS beschäftigt war. Fried Walter war auch weiter als Komponist, Arrangeur und Produzent erfolgreich. Er wurde vorübergehend Abteilungsleiter für Tanz- und Unterhaltungsmusik beim RIAS und blieb weiter Dirigent des RIAS-Unterhaltungsorchesters. Fried Walter war in erster Ehe verheiratet mit einer holländischen Sängerin. Aus dieser Ehe stammten ein Sohn und eine Tochter. Mit seiner zweiten Frau, die er 1950 kennenlernte und 1963 heiratete, wohnte Fried Walter in Berlin-Dahlem, Kuckuksweg 6a. In den frühen 70er Jahren sahen sich Harry Frohman und Fried Walter noch einmal in Berlin wieder.
1972 ging Fried Walter in den Ruhestand, komponierte und arrangierte aber weiter, so zum Beispiel in den 80er Jahren den Titel „Veronika, der Lenz ist da“ für das Programm „A Tribute To The Comedian Harmonists“ der King’s Singers. Fried Walter starb am 8. April 1996 in Berlin. In seinem Geburtsort Ottendorf ist eine Straße nach ihm benannt, an seinem Geburtshaus (heute Radeburger Straße 20) ist eine Gedenktafel angebracht.
– s. a. Galle, Petra: RIAS Berlin und Berliner Rundfunk 1945-1949, LIT Verlag Münster, 2003, und Eisold, Wolf-Dieter: Fried Walter ˗ Lebenslauf eines Musikers, Ottendorfer Bote, Heft 30 vom 6. Dezember 2007, S. 5 – 19.

 


Unter Verwendung von Nachlässen und publizierten Quellen, mit Dank an Andreas Zeising.