Rudolf Mayreder

von Broody
 

Rudolf („Rudi“) MAYREDER

 
* 25.10.1902 in Mariazell (Österreich)
† 7.3.1978 in St. Pölten (Österreich)

 
Rudolf Mayreder war ein Gastwirtssohn aus Mariazell in der Obersteiermark. Sein Vater, Rudolf Mayreder sen., besaß dort das Gasthaus „Zur Goldenen Kanone“. Einer der Schulkameraden Rudolf Mayreders, Leopold Figl, war nach dem Krieg der erste österreichische Bundeskanzler.
Rudolf Mayreder absolvierte 1934/35 eine Gesangsausbildung in Wien in der Opernklasse der Musikakademie bei Hans Duhan und Kammersänger Josef Manowarda.
Ab 1935 war er der Bassist der in Wien gegründeten Comedy Harmonists. Als letztes der neuen Mitglieder unterschrieb er seinen Vertrag Ende Mai 1935. Er wohnte in dem Eckhaus Margarethenstraße 44 im 4. Wiener Bezirk.
Rudolf Mayreder war leidenschaftlicher Fotograf und Hobbyfilmer und machte zahlreiche Filmaufnahmen in Farbe von den Freizeitaktivitäten der Gruppe in Südafrika, Griechenland und Australien wie auch von der Überfahrt von Sydney über die Fiji-Inseln und Samoa nach Honolulu. Außerdem war er ein Naturfreund und liebte vor allem Blumen und Vögel. Während der Konzerttourneen führte Rudolf Mayreder Tagebuch. In Sao Paolo wurde er einmal verhaftet, weil er ein markantes grünes Hemd anhatte, wie es auch die Revolutionäre trugen.
Zum 1. April 1940 schied Rudolf Mayreder nach einem Disput mit Erich Collin aus der Gruppe aus, die im Anschluss mit einem neuen, unbekannten Bassisten probte. Danach sang er im Chor der Radio City Music Hall in New York und wurde dort Leiter der Bass-Sektion. Er wohnte in der West 83. Street Nr. 233 in New York City. Wahrscheinlich gründete er während dieser Zeit ein eigenes Quartett namens The Master Singers, mit dem er auch Probeaufnahmen auf Schallplatte machte. Ab 1947 sang er im Chor der Metropolitain Opera in New York. Während der Zeit in New York hatte er persönlichen Kontakt zu Harry Frohman und Fritz Kramer. Am 27. Dezember 1951 wurde seinem Antrag auf Einbürgerung in die USA stattgegeben.
Ab 1952 erhielt Rudolf Mayreder eine Festanstellung als Solist an der Metropolitain Opera mit einem monatlichen Gehalt von 600 Dollar. Sein Debut hatte er am 22. Januar 1953 als Leopold im „Rosenkavalier“ von Richard Strauss. In den folgenden Jahren sang er verschiedene Bass-Partien, wurde aber auf einigen Programmzetteln der Met und in Zeitungsberichten auch als Tenor angekündigt. Daneben wirkte Rudolf Mayreder in Galavorstellungen der Metropolitain Opera mit. 1954 übernahm er eine Doppelrolle als Notar und als Ambrogio in Rossinis „Barbier von Sevilla“. Mit dem Stück, das im Radio gesendet und für das Fernsehen aufgezeichnet wurde, ging die Met auch mehrfach auf Tournee durch die USA sowie nach Toronto in Kanada. Auch bei diesen Gelegenheiten filmte Rudolf Mayreder mit seiner Kamera.
Eine Beteiligung an Collins amerikanischer Gruppe lehnte Rudolf Mayreder 1954 ab. Stattdessen übernahm er die Rolle als Kellner in der Komödie „Arabella“ von Richard Strauss und Hugo von Hoffmannsthal, die am 10. Februar 1955 in New York US-Premiere hatte. In dieser Rolle erlebte er im November 1960 das Debut von Anneliese Rothenberger an der Metropolitain Opera. Außerdem sang er weiter im „Rosenkavalier“. Während seiner Zeit in New York unternahm Rudolf Mayreder in den Sommerpausen regelmäßig Urlaubsreisen in seine frühere Heimat. Dort traf er seine Jugendliebe Marianne A. Cermak, geborene Kuss (7.7.1910 – 28.2.2003) wieder und verlobte sich mit ihr. Auch mit Fritz Kramer traf er sich bei seinem Urlaubsreisen in die alte Heimat. Zwar hegte Rudolf Mayreder schon seit längerem den Wunsch, nach Österreich zurückzukehren, doch ließ er sich immer wieder von neuen Rollen an der Met verlocken. Neben den genannten Partien übernahm er ab 1957 die Rolle des Marquis de Tarapote in Jaques Offenbachs Operette „La Périchole“, die im Januar 1958 auch von der NBC aufgenommen wurde.
Rudolf Mayreder heiratete am 26. August 1959 in Mariazell seine Verlobte Marianne. Mit Beginn der neuen Spielzeit übernahm er an der Met die Rolle des Chamberlain im „Zigeunerbaron“. Auch mit diesem Stück ging das Ensemble auf Tournee, unter anderem nach Dallas. Schließlich sang Rudolf Mayreder ab der Spielzeit 1961 die Rolle des Gefängniswärters in „La Périchole“. Seinen Abschied von der Bühne und vom Ensemble der Metropolitain Opera nahm Rudolf Mayreder am 21. Mai 1963 wiederum als Ambrogio im „Barbier von Sevilla“ bei einem Gastspiel der Met in Detroit. Danach kehrte er für immer nach Österreich zurück und setzte sich zur Ruhe. Dass er Angestellter im Fotogeschäft seines Stiefsohnes war, gehört zu den vielen unwahren Legenden, die im Umlauf sind.
Rudolf Mayreder starb am 7. März 1978 im Krankenhaus der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten.

Michael Hortig, österreichischer Schallplattensammler und Biograf von Rudolf Mayreder und Hans Rexeis, gestaltete im März 2003 bei Radio Steiermark eine Sendung über Rudolf Mayreder und die Comedy Harmonists.

 


Unter Verwendung von Nachlässen und publizierten Quellen.