weitere Mitglieder

von Broody
 


Zeno COSTA

* 30.5.1907 in Ciacova (Rumänien)
† ?

 
Zeno Costa (eigtl. Coste) wurde am 30. Mai 1907 in Ciacova in Rumänien geboren. Er absolvierte eine Ausbildung als lyrischer Operntenor bei von Plenzdorf in Berlin sowie bei Giuseppe Borgatti in Mailand. Aus den frühern 30er Jahren sind mehrere Schallplattenaufnahmen als Zeno Coste für das Label Columbia bekannt, die er auf Rumänisch einsang. Unter seinem Künstlernamen Zeno Costa war er seit 1932 eines der Gründungsmitglieder der Kardosch-Sänger, die auch Aufnahmen als „Singing Jokers“ oder „Die Idealisten“ herausbrachten. 1932 gab er mit der Gruppe „Die Parkers“ einen Barsänger in dem Film „Melodie der Liebe“, mit den Kardosch-Sängern wirkte er in den Filmen „Roman einer Nacht“ (1932), „Glückliche Reise“, „Keinen Tag ohne Dich!“ und „Tausend für eine Nacht“ (1933) mit. Zeno Costa gehörte unter der Mitglieds-Nummer 8135 zur Fachschaft Film in der Reichskulturkammer. 1935 war er an dem Kurzfilm „Unter vier Augen“ beteiligt. Daneben wirkte er als Bühnenschauspieler, so war er von Dezember 1935 bis Februar 1936 in Berlin am Theater des Volkes engagiert. Zwischen August und Oktober 1936 beschäftigte ihn das Meistersextett mehrfach als Interims-Tenor für Plattenaufnahmen, nachdem Walter Blanke und Richard Sengeleitner aus dem Ensemble ausgeschieden waren. Dadurch war Costa an den Aufnahmen „In Mexiko“, „Ich wollt‘ ich wär ein Huhn“, „Ja der Ozean ist groß“, „Schreit alle Hurra“, „Der Piccolino“ und „Hand in Hand“ beteiligt. Dafür erhielt er inklusive der vorangehenden Proben ein Honorar von jeweils 50 RM für zwei aufgenommene Titel. Außerdem wurde er an zwei Tagen im September 1936 für die Aufnahmen des Meistersextetts engagiert, die in dem Film „Und Du mein Schatz fährst mit“ zu hören sind. Er wohnte in Berlin-Halensee, Westfälische Str. 58. Nach ihm übernahm Alfred Grunert Ende 1936 den Part als zweiter Tenor beim Meistersextett.
Zeno Costa war wohl noch einige Zeit als Chorsänger an der Oper und als Refrainsänger für Tanzorchester tätig. 1937 wirkte er in dem Zarah-Leander-Film „La Habanera“ mit, außerdem gibt es vom März desselben Jahres eine Plattenaufnahme des Titels „Zwischen grünen Bergen steht ein kleines Haus“ mit dem Orchester Erhard Bauschke, die er unter dem Namen Zeno Coste machte. Vermutlich kehrte er 1941 in seine Heimat Rumänien zurück. Über das weiteres Schicksal von Zeno Costa (Coste) ist nichts bekannt.
 


Walter GORGES

* 17.7.1904 in Mannheim
† 7.12.1949 in Berlin

 
Walter Gorges war ab 1935 als Tenor unter den gleichen Bedingungen verpflichtet wie die übrigen Mitglieder des Meistersextetts, wahrscheinlich sollte er die Stelle von Harry Frommermann übernehmen. Er hat an den Proben im Sommer 1935 teilgenommen, wurde aber vorzeitig entlassen und vermutlich von Fred Kassen ersetzt. Der Grund dafür sollen Stimmprobleme gewesen sein, die Gorges nach einer vorangegangenen Nieren-Operation hatte. Seine Klage auf Schadensersatz vor dem Arbeitsgericht Berlin im November 1935 endete mit einem Vergleich.
Gorges war Mitglied der Reichsmusikkammer, Fachschaft Unterhaltungsmusik, und bezeichnete sich selbst als Musiker und Sänger und auch als Schriftsteller. Er war verheiratet und lebte in der Düsseldorfer Straße 7 in Berlin-Wilmersdorf. Vor seiner Zeit beim Meistersextett war er beim Rundfunk beschäftigt und machte Schallplattenaufnahmen. Später betätigte er sich als Textdichter, so für die Titel „Am Kamin“, „Warum denn immer Argentinien?“ und „Heut’ hab’ ich das große Los gewonnen“. Walter Gorges lebte nach Kriegsende in Berlin-Wannsee, Königstraße 38. Mit seiner Ehefrau Brunhilde hatte er zwei Kinder. Walter Gorges starb am 7. Dezember 1949 in Berlin.
 


Willy HERMANN

* 3.7.1901 in Rheinsberg
† 27.8.1980 in Berlin

 
Der am 3. Juli 1901 in Rheinsberg geborene Willy Hermann war von Ende 1940 bis etwa Februar 1941 der Pianist des Meistersextetts in der Besetzung mit Alfred Grunert (Tenor), Willy Vosmendes (Tenor), Erwin Sachse-Steuernagel (Tenor), Bernard Taverne (Bariton) und Robert Biberti (Bass). Mit dieser letzten Besetzung des Ensembles absolvierte er knapp 20 Konzerte. Schallplattenaufnahmen fanden in dieser Besetzung nicht mehr statt. Im Januar bestätigte Biberti ihm ebenso wie Grunert, Vosmendes und Taverne schriftlich, dass sie bis zum 30. Juni 1941 beim Meistersextett engagiert sind. Dennoch führte die Einberufung Hermanns zur Wehrmacht im Februar 1941 zum Abbruch der überwiegend für die Organisation „Kraft durch Freude“ veranstalteten Konzerte. Zwar gelang es Robert Biberti im Frühsommer 1941, Willy Hermann für weitere Wehmachtskonzerte „uk“ stellen zu lassen, doch verhinderten die dauernden Personalprobleme, insbesondere die Einziehung von Erwin Sachse-Steuernagel, später von Günter Schroeder und Anton Krenn, ein weiteres Auftreten. Willy Hermann war danach wie viele andere Künstler in der Truppenbetreuung beschäftigt. Nach dem Krieg lebte er in der Oderberger Straße 6 im Ostteil von Berlin und hatte sporadischen Briefkontakt mit Biberti. Über sein weiteres Leben und sein berufliches Schaffen ist nichts bekannt. Willy Hermann starb am 27. August 1980 in Berlin.
 


János KEREKES

* 18.4.1913 in Budapest
† 16.9.1996 in Budapest

 
Der Komponist und Pianist János Kerekes (auch: Hans Kerekes) hat von 1931 bis 1933 die Hochschule für Musik in Berlin besucht. Er war ab 28. Juni 1935 mit einem Monatsgehalt von 500 Mark fest angestelltes Mitglied des Meistersextetts, wobei die Gruppe im Vertrag noch unter „Comedian Harmonists“ firmierte. Laut einer Zusatzvereinbarung sollte er als Pianist bzw. musikalischer Arrangeur und Korrepetitor tätig werden. Dies wohl vor allem, um Erwin Bootz zu entlasten. Möglicherweise wirkte Kerekes auch als Pianist bei Schallplattenaufnahmen mit. Vermutet wird dies für die Aufnahmen von „Wenn wir beide Hochzeit machen“ und „Jeden Tag, jede Nacht“ am 8. November 1935. János Kerekes war Mitglied der Reichsmusikkammer und lebte bis Ende 1935 in der Sybelstraße 68 in Berlin-Charlottenburg. Aus unbekannten Gründen wurde der Vertrag zwischen ihm und dem Meistersextett zum 30. November 1935 im beiderseitigen Einvernehmen aufgelöst.
Danach kehrte Kerekes in seine ungarische Heimat zurück. Nach dem Krieg war er dort erfolgreicher Komponist, u. a. von Filmmusik (1951: „Frau Dery, Ein Leben für die Kunst“, 1968: „Hoppla, hier bin ich“) sowie auch ein bekannter Dirigent, u. a. des Ungarischen Rundfunk- und Fernseh-Sinfonieorchesters und des Orchesters der Staatsoper Budapest.
 


Anton KRENN

* 27.2.1909 in Wien
† 31.10.1997 in Wels (Österreich)

 
Anton Krenn ersetzte ab Mitte Januar 1941 den kurzfristig zur Wehrmacht einberufenen Erwin Sachse-Steuernagel. Vorsorglich hatte Robert Biberti im Februar 1941 beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda die „uk“-Stellung von Krenn beantragt. Vermutlich hat dieser aber nur zwei Wochen mit dem Meistersextett auf der Bühne gestanden, denn ab Februar 1941 fanden nach der Einberufung von Willy Hermann zur Wehrmacht keine Konzerte mehr statt. Im Februar und März 1941 war Krenn noch an Proben beteiligt. Zu dieser Zeit wohnte er zur Untermiete in Berlin-Charlottenburg, Kaiser-Friedrich-Str. 8a. Ende April 1941 richtete Biberti ein Gesuch an die Organisation „Kraft durch Freude“, man möge sich für die Freistellung von Anton Krenn von der Wehrmacht einsetzen, um die Durchführung von Wehrmachtsveranstaltungen in Norwegen in der Zeit vom 1.5. bis 31.7.1941 zu ermöglichen. Ungeachtet dessen wurde Krenn im Mai 1941 zur Wehrmacht eingezogen, sämtliche weiteren Interventionen Bibertis waren vergeblich. Während eines Fronteinsatzes wurde Anton Krenn verwundet und verbrachte 10 Wochen in einem Lazarett in Norwegen. Als er zur Genesung nach Berlin zurückkehrte, hatte sich das Meistersextett bereits endgültig aufgelöst. Krenn kehrte später in seine Heimatstadt Wien zurück und wohnte dort in der Veithgasse 9. Künstlerisch war er vermutlich nicht mehr tätig, stattdessen betrieb er ein Antiquitätengeschäft am Kohlmarkt. Zeitlebens war er mit dem in Wien lebenden Willy Vosmendes eng verbunden. Nach seinem Tod wurde Krenn in demselben Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt, in dem 40 Jahre zuvor Vosmendes und knapp zwei Jahre zuvor seine jüngere Schwester Katharina („Käthe“) bestattet worden waren.
 


Siegfried MUCHOW

* 25.9.1906 in Berlin
† 28.10.1991 Alfaz del Pi (Spanien)

 
Siegfried Muchow hatte bereits eine Karriere als Solist und Orchesterleiter hinter sich, als er zum Meistersextett stieß. Unter anderem war er Kapellmeister am großen Schauspielhaus in Berlin, ab April 1931 bis 1932 Pianist an der Scala, Kapellmeister bei der UFA und ab Juli 1933 Dirigent des Scala-Orchesters. Etwa ab 1939 begleitete Muchow als Orchesterleiter mindestens 16 Soloaufnahmen von Ari Leschnikoff in Berlin, die dann in Bulgarien auf dem Label „Mikrophon“ veröffentlicht wurden. Außerdem hatte er bereits Anfang 1939 den Titel „Jetzt oder nie“ für das Meistersextett komponiert. Nach dem Ausscheiden von Erwin Bootz übernahm Muchow ab Ende 1939 im Zusammenwirken mit Bruno Seidler-Winkler die Klavierbegleitung bei Proben des Meistersextetts und beim Vorsingen neuer Mitglieder. Er wohnte zu dieser Zeit in Berlin-Schöneberg, Wartburgstraße 38.
Muchow arrangierte bereits ab Mitte 1938 mehrere Titel für das Meistersextett: „Amapola“, „Donkey Serenade“, „O ich glaub ich hab mich verliebt“, „Holla, Lady“ und „Bel Ami“. Er hatte nun auch die Durchführung der Proben sicherzustellen und weiterhin den Großteil der von Biberti festgelegten Arrangements auszuführen. Daneben war auch er ständig auf der Suche nach neuen Titeln für das Repertoire des Meistersextetts. Außerdem kümmerte er sich im Herbst 1940 noch um Konzerttermine für das Folgejahr in Schlesien, im Warthegau und in Ostpreußen, die jedoch nicht mehr zustande kamen. Für den Fall, dass sich kein neuer Pianist findet, hatte Biberti im Sommer 1940 noch Siegfried Muchow als Notlösung vorgesehen, was sich durch die Anstellung von Willy Hermann jedoch erübrigte. Ab November 1940 war Siegfried Muchow dann Kapellmeister am Metropol-Theater Posen.
In den Nachkriegsjahren begleitete er ein „Meisterquintett“ am Klavier, das einige Titel des Meistersextetts im Repertoire hatte. Auf PALLAS erfolgten einige Aufnahmen als „Siegfried Muchow mit seinem Berliner Filmorchester“ und Sängern des Rundfunkchores Hamburg. Er wohnte etwa ab 1949 in Hamburg, wo er als Arrangeur und Kapellmeister für den Nordwestdeutschen Rundfunk tätig war. 1950 trat er in der Stadthalle Hannover in dem Programm „Spätschicht im Varieté“ auf. 1951 bearbeitete er Kálmán- und Léhar-Melodien für eine Schallplattenaufnahme von Erwin Bootz. Muchow war wie Bootz Mitglied der Künstlervereinigung „Schlaraffia“. Mitte der 50er Jahre leitete Siegfried Muchow das Filmorchester des Savoy-Filmtheaters am Steindamm in Hamburg und war dort auch für das Synchronstudio der Filmfirma J. Arthur Rank tätig. 1962 gastierte er mit seinem Tanz- und Unterhaltungsorchester auf Norderney. Mit Robert Biberti stand er bis zu seinem Tod in Kontakt. Die letzte Anschrift von Siegfried Muchow in Hamburg lautete Osterstraße 10, danach wohnte er vermutlich in Bayrischzell und Stuttgart. Seit 1981 lebte er mit Ehefrau Margot in Alfaz del Pi, einer Küstenstadt in Spanien. Aus dem Jahr 1986 stammt seine Komposition „Edda Symphonische Dichtung für Orchester“. Siegfried Muchow verstarb am 28. Oktober 1991 in Alfaz del Pi.
 


Erwin SACHSE-STEUERNAGEL

* 1.8.1905 in Frankfurt a. Main
† 1981?

 
Erwin Sachse-Steuernagel (eigtl. Sachse) besuchte von 1921 bis 1924 das Konservatorium seiner Heimatstadt Frankfurt am Main und debutierte 1925 als Schauspieler und Sänger in Guben. In den folgenden Spielzeiten trat er in Cottbus und schließlich in Frankfurt am Main auf, wo er 1930 Spielleiter und 1933 Oberspielleiter wurde. Sachse-Steuernagel war verheiratet und hatte eine Tochter. Ab 1933 lebte er als Schauspieler in Berlin und wurde Mitglied der Reichstheaterkammer, Fachschaft der Komponisten und Bühnenautoren. 1936 wurde er hier Oberspielleiter. Ab 1937 trat er verstärkt als lyrischer Operntenor in Erscheinung. Nach mehreren Umzügen wohnte er inzwischen in Berlin-Weißensee, Parkstraße 57 b.
Seit August 1940 war Erwin Sachse-Steuernagel dritter Tenor beim Meistersextett, das sich nach seiner vorübergehenden Auflösung im Herbst 1939 mühsam wieder formiert hatte und im Dezember 1940 erstmals auftrat. Jedoch mussten durch die Einberufung von Sachse-Steuernagel zu einer Wehrmachtsdienststelle in Schwerin am 7. Januar 1941 mehrere Auftritte in Bayern ausfallen und die geplanten Konzerte ab der zweiten Monatshälfte, darunter ein zweiwöchiges KdF-Gastspiel in Magdeburg, ohne ihn absolviert werden. Er sollte von Günter Schroeder ersetzt werden. Robert Biberti versuchte vergeblich, eine „uk“-Stellung von Sachse-Steuernagel zu erreichen, unter anderem durch Schreiben an das Wehrbezirkskommando Berlin, das Propagandaministerium, an das Gaupropagandaamt der NSDAP sowie Reichsinnenminister Funk. Am 1. Oktober wirkte Sachse-Steuernagel gemeinsam mit Biberti an der Aufnahme „Sing, Nachtigall, sing“ mit dem Orchester Will Glahe (Electrola E.G.7224) mit. Nach der Auflösung des Meistersextetts bemühte sich Biberti noch im Oktober 1942 um eine vorübergehende Anstellung für seinen letzten 3. Tenor bei der Konzertdirektion Erich Knoblauch in Dresden, um diesen für die noch immer geplante Wiederbelebung des Meistersextetts zu erhalten.
Ab 1943 war Erwin Sachse-Steuernagel regelmäßig auf Wehrmachtstourneen zur Truppenbetreuung unterwegs, bis 1944 als Oberspielleiter an Frontbühnen, unter anderem in Russland. Zu dieser Zeit wohnte er in Berlin-Mitte, Friedrichstraße 14. Nach dem Krieg war Sachse-Steuernagel 1950/51 Intendant der Christlichen Volksspiele Frankfurt am Main, danach bis 1974 Leiter der Westdeutschen Musikbühne Frankfurt am Main und anschließend noch bis 1981 als Intendant in Frankfurt am Main tätig, wo er in der Jaspertstraße 46 lebte. Er stand noch etliche Jahre mit Robert Biberti in losem Briefkontakt. Erwin Sachse-Steuernagel verstarb vermutlich 1981 in Frankfurt am Main.
 


Günter SCHROEDER

* 11.10.1914
† 19.7.1944

 
Günter Schroeder wurde am 1. März 1941 als Ersatz für den zur Wehrmacht eingezogenen 3. Tenor des Meistersextetts, Erwin Sachse-Steuernagel, engagiert. Über seinen musikalischen Werdegang ist nichts bekannt. Er lebte zu dieser Zeit in Berlin-Charlottenburg, Fritschestraße 39. Durch die Einberufung von Anton Krenn konnte Schroeder jedoch nicht mehr bei Konzerten eingesetzt werden. Er erhielt 1942 ein Bühnenengagement in Berlin. Günter Schroeder ist am 19. Juli 1944 bei einem Luftangriff auf Berlin ums Leben gekommen.
 


Karl Ludwig Bruno SEIDLER-WINKLER

* 18.7.1880 in Berlin
† 19.10.1960 in Berlin

 
Der Kapellmeister, Dirigent, Pianist und Arrangeur Bruno Seidler absolvierte zunächst eine Klavierausbildung am Stern’schen Konservatorium in Berlin. Der Name Winkler ist der Name seiner zweiten Frau und Mutter seiner Kinder, den er mit seinem eigenen Namen zu dem Künstlernamen Seidler-Winkler zusammenfügte. Bereits in den 1890er Jahren war er Aufnahmeleiter bei der Edison-Gesellschaft in Berlin, danach bis 1923 künstlerischer Direktor der Deutschen Grammophon und Dirigent von deren Orchester. Er begleitete auch selbst Schallplattenaufnahmen am Klavier. So entstanden zwischen 1911 und 1913 etliche Schallplatten von Otto Reuter mit Klavierbegleitung von Seidler-Winkler. Ab 1923 war er zwei Jahre Orchesterleiter in Amerika und ab 1925 bis 1932 Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Daneben unterrichtete er an der Berliner Hochschule für Musik. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten war er zunächst arbeitslos. Ab 1935 war er dann Arrangeur und Orchesterleiter bei der Electrola und machte zahlreiche Klassik-Aufnahmen mit Mitgliedern des Orchesters der Staatsoper.
Für das Meistersextett war Bruno Seidler-Winkler nach dem Weggang von Erwin Bootz im Jahr 1938 als Probenleiter und Arrangeur tätig, unter anderem stammen von ihm das Arrangement des „Ständchen“ von Johnny Heykens (= „Liebes Gretelein“), der Text zu „Tango Bolero“ sowie Arrangement und Text zur „Träumerei“ von Schumann. Außerdem komponierte er für die Gruppe den Marsch „Auf nach Madrid“. 1939 arrangierte er für Lale Andersen den Titel „Lili Marleen“ und begleitete mit seinem Orchester auch dessen Schallplattenaufnahme. Im Mai 1941 nahm die Electrola mehrere Propaganda-Aufnahmen mit dem Orchester Bruno Seidler-Winkler auf, bei denen Robert Biberti als Refrainsänger mitwirkte („Warte, mein Mädel, dort in der Heimat“ aus dem Film „U-Boote westwärts!“/„Mein Mädel muss treu sein“ aus dem Film „Spähtrupp Hallgarten“). Ebenso war Robert Biberti 1942 Refrainsänger bei Aufnahmen eines Paul-Lincke-Potpourris und eines Querschnitts durch die Operette „Das Ännchen von Tharau“ mit Seidler-Winklers Orchester. 1943 folgte noch eine Aufnahme mit Liedern aus der Operette „Glückliche Reise“ von Eduard Künneke, ebenfalls mit dem Orchester Bruno Seidler-Winkler und Robert Biberti als einem der Refrainsänger.
Nach dem Krieg war Bruno Seidler-Winkler noch weiterhin als Musikdirektor und Gesangspädagoge im Telefonbuch eingetragen, litt aber zunehmend unter einem Hörschaden und war immer seltener musikalisch tätig. Als er am 19. Oktober 1960 in Berlin im Alter von 80 Jahren starb, hinterließ er eine Tochter und einen Sohn.
 


Bernhard TAVERNE

* 11.10.1912 in Rotterdam
† 25.8.1999 in Amsterdam

 
Der Niederländer Bernhard Taverne hieß eigentlich Bernard Diamant. Sein Vater, Bernard Diamant sen., war ein bekannter Rotterdamer Chorleiter und Komponist. Seine Mutter Marie Taverne war Opernsängerin und gab ihm den ersten Gesangsunterricht. Ab 1931 absolvierte Bernard Diamant eine Ausbildung als Bariton am königlichen Konserva¬torium in Den Haag und trat in der Fritz-Hirsch-Operette auf. Er nahm zusätzlich Privatunterricht, unter anderem in Frankreich und in Berlin, später setzte er an der Berliner Hochschule für Musik sein Gesangs- und Klavierstu¬dium fort. Etwa ab 1940 benutzte Bernard Diamant den Mädchen¬namen seiner Mutter als Künstlernamen und änderte den Vornamen in Bernhard. Unter diesem Namen wurde der hochgewachsene Sänger im September 1940 von Robert Biberti als Bariton für die neue Besetzung des Meistersextetts engagiert, die aber erst ab Dezember des Jahres bühnenreif war. Daher existierte zunächst auch nur eine mündliche Vereinbarung über ein Engagement für sechs Monate. Als nicht Wehrpflichtiger hatte Taverne unbeschränkte Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland, dennoch holte Biberti für ihn eine „Unbedenklichkeitserklärung“ und eine entsprechende Auftrittserlaubnis bei der Reichsmusikkammer ein. Zwei Tage vor Beginn der Konzertauftritte im Dezember 1940 erhielt Taverne dann einen schriftlichen Vertrag, und im Januar bestätigte Biberti ihm, Grunert, Vosmendes und Hermann schriftlich, dass sie bis 30. Juni 1941 beim Meistersextett verpflichtet sind. Allerdings erfolgten wegen der Einziehung mehrerer Mitglieder zur Wehrmacht bereits im Februar 1941 die letzten Konzerte. Auch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Oberkommandos der Wehrmacht vom Frühjahr 1941 für den Einsatz von Taverne und Vosmendes im Rahmen der Truppenbetreuung änderte daran nichts mehr.
Ab 1941 wurde Taverne unter seinem Klar- und Künstlernamen als Mitglied der Reichskulturkammer geführt. Er absolvierte weiterhin Konzerte, Tourneen und Radiosendungen und trat auch in Frankreich und in der Schweiz auf. Wehrmachtstourneen führten ihn unter anderem nach Kolberg, Dresden und Braunschweig. Zu dieser Zeit lebte er in Karlsbad.
1945 floh Taverne nach Frankreich und 1951 wanderte er nach Kanada aus, wo er 1955 eingebürgert wurde. Er sang in Konzerten mit Klavierbegleitung von John Newmark und machte Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen. Später gab er Gesangsunterricht an der McGill-Universität in Montreal, wo er ab 1968 sogar die niederländische Prinzessin Christina ausbildete. Von 1972 bis 1991 unterrichtete er an der Musikfakultät der Universität von Toronto und hatte unter anderem hier sowie an der Universität von Princeton (USA) zwischen 1980 und 1990 diverse Meisterklassen. Zu seinen Schülern gehörten viele später bekannte Sänger wie John Boyden, Rosemarie Landry oder Sylvia Saurette. Bernhard Taverne erhielt den „Canadian Centennial Award“ und die Ehrendoktorwürde der Dalhousie-University in Halifax (Kanada). Er gründete in Kanada eine Stiftung, die Nachwuchskünstlern ein Stipendium ermöglichte und die seit 2001 den „Bernard-Diamant-Preis“ verleiht. Erst 1994 kehrte Bernhard Taverne in die Niederlande zurück und lebte in der Leidesgracht in Amsterdam. Er starb am 25. August 1999 in Amsterdam.
 


Willy VOSMENDES

* 23.9.1894 in Den Haag
† Februar 1955

 
Der Niederländer Willy (auch Willi) Vosmendes hieß eigentlich Willem Hendrik Gerard Vos. Sein Künstlername wurde gelegentlich auch in den Varianten Willy Vosmendes, Willy Vos-Mendes oder Willy Vos Mendes angegeben. Über seine musikalische Vorbildung ist nichts bekannt. Bereits Mitte der 20er Jahre trat Vosmendes in Berlin auf, unter anderem im Metropol-Theater an seinem damaligen Standort in der Behrenstraße. Danach war er häufiger im Rundfunk zu hören. Als Robert Biberti im Jahr 1940 auf der Suche nach einem geeigneten Tenor war, der in der Neubesetzung des Meistersextetts Ari Leschnikoff ersetzen sollte, fiel seine Aufmerksamkeit auf Willy Vosmendes. Dieser stand ebenso wie Bernhard Taverne nicht in der Gefahr, dass er zur Wehrmacht eingezogen wird. Dies war einer der Gründe für Robert Biberti, den gutaussehenden Vosmendes ab Juli 1940 zunächst mündlich als ersten Tenor für das Meistersextett mit einem Monatsgehalt von 800 Mark zu engagieren. Dennoch holte Biberti auch für Vosmendes, der zu dieser Zeit in der Kantstraße 18 in Berlin-Charlottenburg wohnte, eine Auftrittserlaubnis samt „Unbedenklichkeitserklärung“ bei der Reichsmusikkammer ein. Vosmendes war Ende 1940 bereits 46 Jahre alt und damit das älteste Mitglied der aktuellen Besetzung des Ensembles. Mit der Wiederaufnahme der Konzerttätigkeit im Dezember 1940 erhielt auch er einen schriftlichen Vertrag. Biberti bestätigte ihm noch im Januar 1941 schriftlich, dass er ebenso wie Alfred Grunert, Bernhard Taverne und Willy Herrmann bis Ende Juni 1941 beim Meistersextett verpflichtet ist, um „zahlreiche Verträge mit der Deutschen Arbeitsfront (K. d. F.), mit der Wehrmacht und mit verschiedenen Varietees zu absolvieren.“ Doch durch die Einziehung von Erwin Sachse-Steuernagel und Willy Hermann zur Wehrmacht brach die Konzerttätigkeit im Februar 1941 ab und wurde nie wieder aufgenommen. Da half auch das Schreiben der Organisation „Kraft durch Freude“ der Deutschen Arbeitsfront vom 1. April 1941 nichts mehr, in dem es hieß: „Betr.: Einsatz der Sänger Willem Vos und Bernard Diamant in Norwegen. Das Oberkommando der Wehrmacht teilt uns mit Schreiben vom 28.3.41 mit, dass gegen den Einsatz für Zwecke der Truppenbetreuung im Rahmen der allgemeinen Richtlinien keine Bedenken bestehen, sofern die noch zu veranlassende Überprüfung seitens der zuständigen Stellen durch die Staatspolizei nichts Nachteiliges ergibt.“
Vosmendes war danach ebenso wie Taverne in der Truppenbetreuung eingesetzt, so unter anderem Ende 1941 im besetzten Norwegen. Von Mitte August bis Mitte Dezember 1943 hatte ihn die Konzertdirektion Erich Knoblauch in Dresden unter Vertrag, die bereits Konzerte der Comedian Harmonists und des Meistersextetts arrangiert hatte. Er trat hier gemeinsam mit der Schauspielerin und Kabarettistin Gisela Schlüter in einer Künstlergruppe auf.
Vosmendes ging nach dem Krieg nach Wien und war dort als Willy Vosmendes am Theater engagiert. Überliefert sind außerdem drei 1947 in Wien entstandene Aufnahmen als Willi Vosmendes mit dem Tanzorchester Josef Leo Gruber für die Firma Standard: der Tango „Stern von Rio“ aus dem gleichnamigen Tonfilm sowie der Foxtrott „Zum Abschied reich’ ich Dir die Hände“ und der Walzer „Unter Tränen lächeln“. 1948 nahm er beim österreichischen Rundfunk den Titel „Lass dir Zeit“ auf. Im November 1952 war er in Wien an einer Gesamtaufnahme der Operette „Blume von Hawaii“ mit dem Chor und Orchester des Wiener Rundfunks beteiligt. Willy Vosmendes starb im Februar 1955 in Wien und wurde dort auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Er hatte nach dem Ende des Meistersextetts noch engen Kontakt zu Anton Krenn, denn dieser und dessen Schwester wurden Jahrzehnte später im selben Grab bestattet.
 


Dr. phil. Hanns-Adolf GRAFE

* 26.5.1909 in Dresden
† vmtl. 1983 in Berlin

 
Hanns Grafe wurde als Sohn des Lehrers Adolf Grafe und seiner Ehefrau Getrud, geb. Otto in Dresden geboren und besuchte von 1919 bis 1928 das König-Georg-Gymnasium in Dresden. Danach studierte er an den Universitäten Dresden, Wien, Berlin, Paris und Leipzig Romanistik (u. a. bei Victor Klemperer in Dresden und Walther von Wartburg in Leipzig) sowie Deutsch, Englisch und Philosophie. Hanns Grafe erwarb im Juni 1934 an der Universität Leipzig einen Doktortitel der Philosophie. Er übersiedelte nach Berlin und übernahm dort gegen Ende des Jahres 1935 das Sekretariat des Meistersextetts, nachdem sich die neue Formation konsolidiert hatte. Er erledigte einen Teil des Schriftverkehrs mit Konzertagenten und der Reichskulturkammer, war aber auch an der Auswahl neuer Sänger beteiligt, vertrat Robert Biberti bei verschiedenen Prozessen vor Gericht und zahlte den angestellten Mitgliedern die Gagen und Spesen aus. Darüber hinaus war er ab Ende 1936 für die UFA tätig. Zu dieser Zeit wohnte er in Berlin-Schöneberg, Nollendorfplatz 3. Hanns Grafe war mindestens bis zum Sommer 1938 beim Meistersextett angestellt. Welchen Tätigkeiten er nach seinem Ausscheiden nachging, ist nicht bekannt. Er lebte seit 1938 und vermutlich bis zu seinem Tod in der Schaperstraße 21 in Berlin-Wilmersdorf.
Ab August 1945 wurde Dr. Grafe von Biberti wieder für Sekretariatsaufgaben und kleinere Besorgungen angestellt und erhielt ein regelmäßiges Gehalt. Während dieser Zeit und auch später gab er mehrfach für Biberti eidesstattliche Erklärungen in Entschädigungsverfahren, im Verfahren gegen Fred Kassen und in Auseinandersetzungen bezüglich der Rechte von Erwin Bootz und Ari Leschnikoff an den Tantiemen ab. Ab Anfang der 50er Jahre war Grafe Kinobesitzer in Berlin und Pressechef der Centfox-Film GmbH. Etwa ab Mitte der 70er Jahre war er Leiter der Presseabteilung der FOX-MGM Filmverleih m. b. H. Berlin. Mit Robert Biberti stand er bis zu seinem Tod persönlich und postalisch in Kontakt. Hanns-Adolf Grafe starb vermutlich 1983 in Berlin.
 


Unter Verwendung von Nachlässen und publizierten Quellen,
mit Dank an Herrn Dr. W. Mayer, Wien.