Comedian Harmonists

Chronologie

von Broody
 

192719281929193019311932193319341935

 


1927

  • Harry Frommermann, 21-jährig und Schauspiel-Eleve, seit Jahresbeginn Vollwaise und seit Oktober volljährig, kommt gemeinsam mit seinem Jugendfreund Theodor Steiner auf die Idee, ein deutsches Gesangsensemble im Stil der amerikanischen Gruppe „The Revelers“ zu gründen und nennt sie „Melodiemakers“; Frommermann schreibt Partituren für ein noch nicht existierendes Ensemble.

Dezember

  • Frommermann schaltet im „Berliner Lokalanzeiger“, Ausgabe vom 18. Dezember, eine Annonce mit Chiffre. Den Einsendern gehen am 29.12.1927 schriftliche Einladungen zum Vorsingen am 3. Januar 1928 zu, u. a. auch Robert Biberti. Biberti 1980: „Von dieser Annonce hielt ich nicht sehr viel. Ich erinnere mich aber, dass meine Mutter sagte: Ach Gott, ich schreib da einfach ruhig einmal hin, vielleicht ist das was für dich.“
  • (Nach späteren Darstellungen Frommermanns gab es zuvor bereits eine Annonce, die zum Vorsingen am 24. November um 10 Uhr in seine Mansardenwohnung einlud.)

 

1928

Januar

  • Nach dem Vorsingen diverser Interessenten findet am Montag, dem 16. Januar 1928, um 15:00 Uhr die erste Probe in Frommermanns winziger Atelier-Wohnung in der Stubenrauchstraße 47 in Berlin-Friedenau statt. Frommermann, der ursprünglich nicht mitsingen wollte, verfasst dann aber in seinen Partituren eine zusätzliche Stimme für sich als Tenor-Buffo und Instrumentenimitator.
  • Zur ersten Besetzung der Melodiemakers gehören Harry Frommermann (Tenor-Buffo), Theodor Steiner (Bariton, Klavier), Louis Kaliger (erster Tenor), Victor Colani (wahrsch. zweiter Tenor) und Robert Biberti (Bass).

März

  • Der erste Tenor Ari Leschnikoff und der zweite Tenor Walter Nussbaum (für Kaliger und Colani) sowie der Bariton Roman Cycowski werden engagiert. Sie sind Chorsänger im Großen Schauspielhaus in Berlin, wie auch Robert Biberti, der sie zu den Melodiemakers bringt. Leschnikoff bringt seinen Bekannten Erwin Bootz mit, der anstelle von Steiner die Klavierbegleitung übernimmt.
  • Danach folgen monatelange Proben ohne Entgelt, während die Mitglieder der Melodiemakers ihr Brot als Sänger oder Schauspieler verdienen. Zunächst werden ausschließlich englische Titel gesungen, inspiriert durch die Schallplatten der Revelers. Allmählich bildet sich ein eigener Gesangsstil heraus.

April

  • Vertrag mit den einzelnen Mitgliedern vom 1. April mit Unterschriften der Gesellschafter Frommermann und Steiner für „The Melodie Makers“.

Mai

  • Erste Auftritte in Caféhäusern.
  • Erste Testaufnahmen bei der Firma „Grammophon“, die jedoch nicht veröffentlicht werden.
  • Theodor Steiner scheidet aus dem Ensemble aus.
  • Das Vorsingen beim Direktor des Revue-Theaters „Scala“ endet mit dem vernichtenden Urteil, er betreibe „einen Vergnügungspalast und kein Beerdigungsinstitut.“

August

  • Ein Vorsingen beim Impresario Bruno Levy, einem weitläufigen Verwandten Frommermanns, führt zum ersten Bühnen-Engagement für die Revue „Casanova“ im Großen Schauspielhaus in Berlin unter der künstlerischen Leitung von Eric Charell. Durch Charell und die Librettisten Rudolph Schanzer und Ernst Welisch wird der Gruppenname Comedian Harmonists kreiert.
  • Erste veröffentlichte Plattenaufnahmen für den Lindström-Konzern (ODEON) als „Gesangsquintett COMEDIAN HARMONISTS vom großen Schauspielhaus“.

September

  • Premiere der Revue „Casanova“ am 28. September. Das Engagement dauert zunächst bis zum 31. Dezember.
  • Nebenbei Auftritte in Nachtlokalen und im Kabarett der Komiker (KadeKo) in Berlin.
  • Weitere Plattenaufnahmen für ODEON.

Oktober

  • Revue „Casanova“ im Großen Schauspielhaus.
  • Unterzeichnung eines Schallplattenvertrages mit der Lindström-Gesellschaft (ODEON) und weitere Plattenaufnahmen.

November

  • Revue „Casanova“ im Großen Schauspielhaus, daneben Auftritte in Berliner Vergnügungslokalen wie der Barberina-Bar und im Valencia.
  • Plattenaufnahmen für ODEON, zum Teil mit dem Zusatz „Die deutschen Revellers“.

Dezember

  • Revue „Casanova“ im Großen Schauspielhaus.
  • Erste Mitwirkung an einem Tonfilm: „Spanisches Intermezzo“ (TOBIS Film), einer Adaption von Titeln aus der Revue „Casanova“, mit La Jana und Karl Hammes.
  • Weitere Plattenaufnahmen für ODEON.

 

1929

Januar

  • Verlängerung des Engagements für die Revue „Casanova“ im Großen Schauspielhaus bis Ende Februar. Nebenbei Auftritte in Nachtclubs und bei Festveranstaltungen.
  • Plattenaufnahmen für ODEON.

Februar

  • Revue „Casanova“ im Großen Schauspielhaus, nebenbei Auftritte bei Festveranstaltungen.
  • Weitere Plattenaufnahmen für ODEON.
  • Walter Nussbaum wird aus dem Ensemble ausgeschlossen, die Stelle des zweiten Tenors wird zunächst mit Willi Steiner besetzt. Nussbaum klagt in der Folge wegen Verdienstausfalls und auf Entschädigung.

März

  • Vierwöchiges Engagement im Hansa-Theater Hamburg, erster Auftritt außerhalb von Berlin.
  • Nach Auseinandersetzungen mit Willi Steiner wird der durch Bootz gewonnene Erich Collin als 2. Tenor eingearbeitet.

Mai

  • Plattenaufnahmen für ODEON, erstmals mit Erich Collin.
  • Zweiwöchiges Engagement im Varieté „Groß-Cöln“ in Köln mit einem 25-Minuten-Programm. Hier entstehen durch Bibertis Bruder Leopold die bekannten Gruppenaufnahmen der Comedian Harmonists im Frack.

Juni

  • Vierwöchiges Engagement am Berliner Varieté „Scala“ in einem Nummernprogramm. Hier kommt es am ersten Auftrittstag zum Diebstahl von vier Fräcken.

Juli

  • Auftritte im Kabarett „Blauer Vogel“ und anderen Vergnügungslokalen sowie in Kinos in Berlin.
  • Heinz Barger (eigtl. Heinz Baruch) wird Manager der Comedian Harmonists.
  • Kündigung des Vertrages mit der Lindström-Aktiengesellschaft zum Oktober 1929.

August

  • Zweiwöchiges Engagement im Varieté „Plaza“ in Berlin, danach Probenbeginn für die Revue „Zwei Krawatten“.
  • Erste Testaufnahmen für die Firma ELECTROLA.
  • Begegnung mit den amerikanischen Revelers in Berlin.

September

  • Premiere der Revue „Zwei Krawatten“ von Mischa Spoliansky am 5. September am Berliner Theater, mit Rosa Valetti, Hans Albers, Marlene Dietrich sowie den „Six Comedian Harmonists“ in kleinen Rollen und mit Gesangseinlagen in ihrem Stil; nebenbei weitere Auftritte in Kabaretts und Varietés.

Oktober

  • „Zwei Krawatten“ am Berliner Theater, daneben Auftritte in Restaurants.
  • Erster Schallplattenvertrag mit der Fa. ELECTROLA.
  • Erster Rundfunkauftritt am 19. Oktober (Funkstunde).
  • Heinz Barger wird entlassen und klagt auf Entschädigung.

November

  • „Zwei Krawatten“ am Berliner Theater, daneben Auftritte im Titania-Palast und im KadeKo Berlin, einwöchiges Engagement im Atrium-Beba-Palast.
  • Erste veröffentlichte Plattenaufnahmen für ELECTROLA in der endgültigen Besetzung.

Dezember

  • Verschiedene Matineen und einwöchiges Gastspiel im Titania-Palast Berlin.
  • Baruch verlässt die Gruppe und wird Manager der Weintraub’s Syncopators, Hellmut Jaretzki wird neuer Manager der Comedian Harmonists.
  • Inszenierung der Revue „Zwei Krawatten“ am Leipziger Schauspielhaus, Premiere am ersten Weihnachtsfeiertag; die Comedian Harmonists treten mit einem erweiterten Programmteil (4 bis 6 Titel) auf.

 

1930

Januar

  • Bis zum 17. Januar „Zwei Krawatten“ im Leipziger Schauspielhaus.
  • Am 20. Januar erstes abendfüllendes Konzert (15 Titel) in Stettin.
  • Premiere des Revue-Konzertes „Tempo Varieté“ im Leipziger Schauspielhaus am 26. Januar mit sehr großem Erfolg, anschließende Tournee durch ganz Deutschland, das Programm mit 15 bis 18 Titeln wird durch wechselnde Gastauftritte anderer Künstler ergänzt, so u. a. Lu Basler, Lyna Carstens, Blandine Ebinger, Ingeborg Lotti, Berty Spielmann und Curt von Wolowsky. Die Konzertreihe gilt als der künstlerische Durchbruch der Gruppe in Deutschland.

Februar

  • Diverse Auftritte in Kinos und Varietés, Plattenaufnahmen für ELECTROLA.
  • Aufnahmen für den Tonfilm „Das Nachtgespenst von Berlin“ (Jaap Speyer).

März

  • Tournee „Tempo-Varieté“ durch Sachsen und Thüringen.

April

  • „Tempo-Varieté“ in Mannheim und Frankfurt a. M.

Mai

  • „Tempo-Varieté“ in Baden-Baden und Darmstadt.
  • ELECTROLA-Aufnahmen.

Juni

  • ELECTROLA-Aufnahmen.
  • Rundfunkauftritt (Funkstunde)

Juli

  • Mitwirkung an den Dreharbeiten zu „Die Drei von der Tankstelle“ mit Willy Fritsch, Lilian Harvey, Heinz Rühmann, Oskar Karlweis und Olga Tschechowa.
  • Hellmut Jaretzki verlässt als Manager die Gruppe, die geschäftlichen Angelegenheiten werden nun von den Sängern arbeitsteilig erledigt.

August

  • ELECTROLA-Aufnahmen und Rundfunkauftritte
  • Filmaufnahmen für „Zwei Krawatten“ (Terra Film).
  • Probenbeginn für die Revue „Wie werde ich reich und glücklich“ von Mischa Spoliansky und Felix Joachimson am Leipziger Schauspielhaus. Premiere am 30. August. (Letzter Auftritt der Comedian Harmonists in einer Revue. In einer Nebenrolle tritt auch die spätere Ehefrau von Harry Frommermann als Erna Eggstein-Frommermann auf. Der Spoliansky-Titel „Auf Wiederseh’n“, den die Comedian Harmonists später am Schluss ihrer Konzerte sangen, stammt aus dieser Revue. Er wurde jedoch nie auf Schallplatte aufgenommen.)

September

  • Revue „Wie werde ich reich und glücklich“ am Leipziger Schauspielhaus.
  • Die Gruppe klagt gegen die Hermann-Haller-Revue im Berliner Admiralspalast, da diese gegen ein dortiges Engagement im Oktober vertragsbrüchig geworden sei.

Oktober

  • ELECTROLA-Aufnahmen (Beethoven-Saal der Berliner Philharmonie)

November

  • Erster Auslandsauftritt in Amsterdam in einer Kabarett-Revue vom 1. bis 6. November.
  • Jeweils einwöchiges Engagement im Atrium-Beba-Palast und im Titania-Palast Berlin, daneben Rundfunkauftritte und ELECTROLA-Aufnahmen.

Dezember

  • Mitwirkung bei den Dreharbeiten zum Film „Gassenhauer“ (Deutsches Lichtspiel-Syndikat) mit Hans Deppe, Wolfgang Staudte, Ernst Busch und Willy Schaeffers sowie zu „Ihre Hoheit befiehlt“ (UFA) mit Willy Fritsch, Käthe von Nagy und Paul Hörbiger.
  • Rundfunkauftritte in Berlin und Breslau.
  • Erwin Bootz verlässt das Ensemble für eine Solokarriere als Pianist und Sänger im Kabarett der Komiker, nach einem Intermezzo von Fried Walter kommt als Pianist Walter Joseph ins Ensemble.

 

1931

Januar

  • Konzerte in Leipzig und Breslau, ELECTROLA-Aufnahmen.
  • Nachsynchronisation für den Film „Gassenhauer“.

Februar

  • Konzerte in Leipzig, Berlin und Stettin sowie ELECTROLA-Aufnahmen.
  • Dreharbeiten für den Film „Der falsche Ehemann“ (UFA) mit Johannes Riemann.

März

  • Varieté-Auftritte in Leipzig, Magdeburg und Dessau.
  • Rundfunkauftritte und ELECTROLA-Aufnahmen.
  • Auftritte anlässlich des Geburtstages des niederländischen Dirigenten Willem Mengelberg in Amsterdam am 29. und 30. März.

April

  • Tournee durch Sachsen, Schlesien und Ostpreußen sowie ELECTROLA-Aufnahmen.

Mai

  • Konzerte in ganz Deutschland, Rundfunkauftritte.

Juni

  • Nachtvorstellung und Rundfunkauftritt in Kopenhagen.
  • Dreharbeiten für die Spielfilme „Bomben auf Monte Carlo“ (UFA) mit Hans Albers, Heinz Rühmann und Anna Sten sowie „Der ungetreue Eckehart“ (Lothar Stark Film) mit Paul Hörbiger.
  • Dreharbeiten für den Kurztonfilm der UFA „Kabarettprogramm Nr. 6“ mit Kurt Gerron.

Juli

  • Bädertournee und ELECTROLA-Aufnahmen.

August

  • Erwin Bootz kehrt ins Ensemble zurück und löst Walter Joseph wieder ab.
  • Einwöchiges Engagement am UFA-Palast Lehniner Platz (2 bis 3 Vorstellungen täglich).
  • Dreharbeiten für die Kurztonfilme „Das Kreuzworträtsel“, „Der Durchschnittsmann“ und „Wiener Wald“ (Excelsior-Film GmbH), eventuell auch für „Das Publikum singt mit“.

September

  • Auftritte in Norwegen, Dänemark und Sachsen, ELECTROLA-Aufnahmen.

Oktober

  • U.a. Auftritte in Kassel, Leipzig, Frankfurt a. M., Breslau, Stockholm, Oslo, Kopenhagen, Kiel, Hamburg sowie ELECTROLA-Aufnahmen.

November

  • Deutschland-Tournee, ELECTROLA-Aufnahmen, zweiwöchige Tournee durch die Niederlande.

Dezember

  • Konzerte in Schlesien, Prag und in den Niederlanden mit Weihnachtskonzerten in Amsterdam, Den Haag und Rotterdam..

 

1932

Das Jahr 1932 zählt zu den produktivsten und erfolgreichsten in der Geschichte der Comedian Harmonists. Die Mindestforderung pro Konzert betrug 1.000 Reichsmark oder – bei mindestens 1000 Plätzen und ausverkauftem Haus – zwischen 50 und 60 % der Brutto-Einnahmen mit einer Garantiesumme von 600 RM. Die Kartenpreise waren gestaffelt zwischen einer und vier RM. Dazu kamen Einnahmen aus dem Programmverkauf, in der Regel 10 bis 20 Pfennige pro Stück. Während in kleineren Orten mitunter nur die Garantiesumme erreicht wurde, betrugen die Einnahmen pro Konzert in größeren Städten oft zwischen 1.500 und 2.000 RM. Den höchsten Ertrag erzielte ein Konzert in München mit über 2.600 RM. Die überlieferten Gesamteinnahmen für Konzerte, Rundfunk- und Plattenaufnahmen im Jahr 1932 belaufen sich auf über 200.000 Reichsmark, die Durchschnittseinnahmen für jedes der rund 175 Konzerte in diesem Jahr betrugen 1080 RM. Hinzu kommen im Jahr 1932 Tantiemen aus den Schallplattenverkäufen von rund 15.000 RM. Dies bedeutet für jedes der gleichberechtigten Mitglieder der Comedian Harmonists einen Brutto-Jahresverdienst von über 35.000 Reichsmark. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland lag 1932 bei ca. 1.700 RM. Anfang 1932 gab es rund 6 Millionen Arbeitslose, ein Kilo Brot kostete 37 Pfennige.
 

Januar

  • Rundfunk-Auftritt und ELECTROLA-Aufnahmen.
  • Auftritte in Prag, Wien, Schlesien, Hessen sowie in Stuttgart.
  • Erster Auftritt in der Berliner Philharmonie am 21. Januar bei einem Konzert für das Künstler-Winterhilfswerk.

Februar

  • Konzerte u. a. in Erfurt, Weimar, Chemnitz, Dresden, Halle, Kiel, Hamburg, Potsdam sowie Ostpreußen.
  • Dreharbeiten für den Spielfilm „Der Sieger“ (UFA) mit Hans Albers und Käthe von Nagy.
  • ELECTROLA-Aufnahmen und Rundfunkauftritt.
  • Einwöchiges Engagement am Gloria-Palast in Berlin mit täglich drei Vorstellungen.
  • Erste antisemitische Äußerungen gegen die Gruppe.

März

  • Einwöchiges Engagement am Schauspielhaus Leipzig für die Revue „Artisten“, danach Tournee durch Thüringen, Sachsen und Anhalt sowie ELECTROLA-Aufnahmen.

April

  • Tournee durch Thüringen, Bayern, Rheinland und Hessen (21 Konzerte).

Mai

  • Rheinland und Ruhrgebiet, Basel, Rundfunkauftritte und ELECTROLA-Aufnahmen.

Juni

  • Auftritte in Thüringen, Rundfunkauftritt mit Übertragung nach Amerika. Danach Sommerpause.

August

  • ELECTROLA-Aufnahmen und Konzerte in den Niederlanden.
  • Dreharbeiten für die Spielfilme „Ich bei Tag und Du bei Nacht“ (UFA) mit Willy Fritsch und Käthe von Nagy sowie „Die Galavorstellung der Fratellinis“ (Efzet Film) mit Alfred Abel und Olga Tschechowa.

September

  • ELECTROLA-Aufnahmen, Dänemark-Tournee incl. Rundfunkauftritt.

Oktober

  • Konzerte u. a. in Ostpreußen, Sachsen, Anhalt, Thüringen, Zürich, Basel und Bern sowie ELECTROLA-Aufnahmen.

November

  • Konzerte in Berlin (u. a. Philharmonie), Hamburg, Bayern, Hessen, Niedersachsen und Prag.

Dezember

  • Konzerte in Brandenburg (Havel) und Magdeburg, dreiwöchige Niederlanden-Tournee mit traditionellen Weihnachtskonzerten in Amsterdam und Den Haag.

 

1933

Januar

  • Konzerte in Mittel- und Westdeutschland sowie Strasbourg.

Februar

  • Konzerte in Norddeutschland und Dänemark, dann Sachsen und Niederschlesien.

März

  • Konzerte in Hamburg, Sachsen, Böhmen, Bayern.
  • Der „Kampfbund für deutsche Kultur“ verbietet vier Konzerte im April.

April

  • Konzerte in Berlin und Norddeutschland.
    Erste eigene Absagen von Konzerten nach dem „Judenboykott“ vom 1. April, u. a. Hannover, Lübeck, Bremerhaven, Oldenburg. Mitteilung eines Konzertagenten: „Mein Magdeburger Geschäftsfreund teilte mir zu meinem Entsetzen mit, dass heute Vormittag eine Abordnung S.A. in seinem Geschäft vorgesprochen habe und gefordert hätte, dass das Gastspiel abgesagt wird, weil sonst der Saal gesperrt und die Künstler vom Podium heruntergeholt würden.“
  • Norwegen-Tournee.
  • Erste konkrete Anfragen von Künstleragenturen wegen „der Zusammensetzung Ihres Ensembles“.

Mai

  • Dreharbeiten für den Film „Kleiner Mann, was nun?“ (Robert Neppach Filmproduktion) mit Fritz Kampers, Theo Lingen und Victor de Kowa; die Szenen mit der Gruppe wurden später aus dem Film entfernt!
  • ELECTROLA-Aufnahmen.
  • Konzerte in Ostdeutschland, Böhmen und Mähren.
  • Den Comedian Harmonists wird der Vorschlag unterbreitet, sich einen deutschen Namen zuzulegen und um den Zusatz „früher Comedian Harmonists“ zu ergänzen. „Der Widerstand gegen alles auch nur äußerlich Fremdländische wird bestimmt noch stärker werden, als er jetzt ist, und dann wird es vielleicht einmal zu spät sein, den Namen noch zu ändern.“ Die Idee wird verworfen, u. a. unter Hinweis auf den laufenden Vertrag mit der ELECTROLA.

Juni

  • Fortsetzung der Tournee durch Böhmen, achttägiges Gastspiel in Genf.
  • Rudolph Fischer-Maretzki wird Sekretär der Gruppe.
  • Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten sehen sich die Comedian Harmonists zunehmend offenen und versteckten Anfeindungen ausgesetzt. Das betrifft sowohl die Tatsache, dass einige der Mitglieder Juden sind, aber auch das Repertoire der Gruppe, das zu einem nicht unbeträchtlichen Teil von jüdischen Komponisten und Textern stammte. Die Gruppe versichert einem Konzertagenten: „Das zukünftige Programm der Comedian Harmonists für Deutschland wird selbstverständlich nach keiner Seite hin zu irgendwelchen Beanstandungen Anlass geben. Schon in den letzten Monaten haben die Herren alles ausgemerzt, was zu Reibungen hätte führen können.“

Juli

  • Sommerpause

August

  • Sommerpause, ELECTROLA-Aufnahmen.
  • Ausschluss von weiteren UFA-Filmen durch die Universum Film Aktiengesellschaft

September

  • ELECTROLA-Aufnahmen.
  • Das Reichskulturkammergesetz tritt in Kraft, Präsident der Reichskulturkammer wird Propagandaminister Goebbels.

Oktober

  • Auftritte in Niedersachen, der Schweiz, Belgien und Frankreich, erstmals Rundfunkauftritt und Plattenaufnahmen in Paris.
  • Schriftwechsel „mit Herrn Staatskommissar Hinkel“, der nach Angriffen einer Kreisleitung des „Kampfbundes für Deutsche Kultur“ für die Comedian Harmonists Partei ergriffen hatte.

November

  • Tournee Dänemark und Norwegen, Auftritte in Rostock, Hamburg und Berlin (Philharmonie), dann Tournee durch Sachsen.
  • Die Erste Durchführungsverordnung zum Reichskulturkammergesetz tritt in Kraft, danach muss jeder, der einen künstlerischen Beruf ausüben will, Mitglied der Reichskulturkammer sein. Die Mitgliedschaft kann aufgrund von Tatsachen abgelehnt werden, „aus denen sich ergibt, daß die in Frage kommende Person, die für die Ausübung ihrer Tätigkeit erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung nicht besitzt.“

Dezember

  • Fortsetzung der Tournee durch Sachsen und Anhalt, dann Rhein-Main-Gebiet, Luxemburg und zehntägige Tournee durch die Niederlande mit traditionellen Weihnachtskonzerten in Den Haag, Rotterdam und Amsterdam.
  • Die Mitglieder der „Comedian Harmonists“ stellen gemeinsam Anträge auf Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer, der für sie zuständigen Fachschaft der Reichskulturkammer.
  • Vermehrte Angriffe in der deutschen Presse: „widerliches Gequäke“, „plärrende Jazztechnik“, usw.

 

1934

Januar

  • Konzerte in Berlin (Philharmonie), Schlesien und Sachsen, dann Wien und Budapest.
  • Zunehmende Anwürfe gegen den Stil der Gruppe, gegen die Interpretation deutscher Volkslieder sowie wegen der Mitgliedschaft von „Nichtariern“.

Februar

  • Tournee Norddeutschland, Konzert in Berlin (Philharmonie), dann Westfalen und Frankreich.
  • Weiterhin Angriffe in der Presse gegen den angeblich „überholten“ Musikstil der Gruppe, gegen den „ausländischen“ Namen und gegen die jüdischen Mitglieder.
  • Schreiben an eine Konzertdirektion: „Es ist doch nicht angängig, dass lediglich eines Namens wegen, und weil das Ensemble nicht 100%ig rein arisch ist, die Leistungen der Herren unsachlich herabgesetzt und ihrer freien Betätigung im deutschen Konzertleben irgendwie Schwierigkeiten bereitet werden.“
  • Erstes offizielles Konzertverbot durch die örtliche NSDAP-Führung (Bremerhaven).
  • Letzte Mitwirkung in einem Film: Dreharbeiten für den Kurztonfilm „Die Comedian Harmonists singen Volkslieder“ (Märkische Filmgesellschaft Berlin).

März

  • Konzerte in Paris, Lüttich und Antwerpen, Bayern-Tournee, dann Hessen und Niedersachen.
  • Erste Verbote von Konzerten der Comedian Harmonists wegen Nichtmitgliedschaft in der Reichsmusikkammer sowie wegen tatsächlicher und befürchteter Störungen und Provokationen bei Konzerten, u. a. in Hof und Nürnberg. Einige zunächst verbotene Konzerte (u. a. München) dürfen nur unter strengen Auflagen abgehalten werden, z. B. Verzicht auf Reklame und Ankündigung dass jeder, der den Saal verlassen möchte, an der Kasse sein Geld zurück erhält. Ablehnung von Zeitungsinseraten für Konzerte, Ablehnung des Musikstils bzw. der Interpretation deutscher Volkslieder durch Kultur- und Parteifunktionäre, versuchte Eingriffe in die Programme, zum Teil auch offene Ablehnung wegen der Beteiligung jüdischer Sänger: „Die Konzertdirektion verpflichtet sich, in Zukunft solange keine Veranstaltungen mit den „Comedian Harmonists“ wieder anzusetzen, solange in den Reihen der „Comedian Harmonists“ Juden sind.“
  • Störungen bei einem Konzert in Stuttgart am 20. März („Juden raus!“-Rufe).
  • Verbot von Rundfunksendungen der Schallplatten der Gruppe.
  • Ankündigung des Ausschlusses aller Juden aus der Reichskulturkammer durch deren Präsidenten Goebbels.
  • Die Reichsmusikkammer lehnt durch mündliche Mitteilung die Aufnahme der Comedian Harmonists „infolge ihrer nicht rein arischen Zusammensetzung“ ab, unverzüglich strengt die Gruppe ein Berufungsverfahren an.
  • Die Anfragen der Gruppe bei der Reichsmusikkammer führen zu dem schriftlichen Bescheid vom 13. März, dass die bestehenden Verträge nur noch bis zum 30. April 1934 erfüllt werden dürfen.
  • Letztes Konzert in Deutschland am 25. März in Hannover.

April

  • ELECTROLA-Aufnahmen.
  • Konzerte in Kopenhagen und Oslo.
  • Beginnende interne Streitigkeiten: die „arischen“ Mitglieder machen die „nichtarischen“ für die finanziellen Einbußen verantwortlich und fordern von ihnen den Verzicht auf einen Teil der Einnahmen und somit eine Änderung des Gesellschaftervertrages, der jedem Mitglied gleiche Anteile am Gewinn garantierte. Hierzu erfolgt eine notarielle Erklärung am 4. April: „… Da die arischen Mitglieder infolge der heute bestehenden Gesetzgebung in Deutschland jede Verdienstmöglichkeit auch dann hätten, wenn sie sich von den nichtarischen Mitgliedern trennen würden, so sei daraus eindeutig das wirtschaftliche Interesse der nichtarischen Mitglieder des Ensembles zu folgern, dass nämlich die Nichtarier die oben erwähnten, mit ihrer Person verbundenen, Schwierigkeiten auf eigene Kosten zu beseitigen hätten. …“

Mai

  • ELECTROLA-Aufnahmen
  • Überfahrt nach New York auf Einladung der N.B.C., wöchentlich drei Radioauftritte

Juni

  • Wöchentlich drei Radiosendungen bei der N.B.C.; nur ein öffentlicher Auftritt (Soirèe auf dem Flugzeugträger „Saratoga“ am 12. Juni, gemeinsam mit dem Orchester Paul Whiteman, Harry Richman und den Boswell Sisters).
  • Überlegungen über ein Verbleiben der Gruppe in Amerika wurden von den „arischen“ Mitgliedern abgelehnt.

Juli

  • Sommerpause

August

  • Konzert in Scheveningen (NL)
  • ELECTROLA-Aufnahmen.

September

  • ELECTROLA-Aufnahmen.
  • 14-tägiges Gastspiel in Paris mit täglich zwei halbstündigen Vorstellungen sowie Plattenaufnahme.

Oktober

  • Fortsetzung des Paris-Gastspiels
  • Plattenaufnahmen in Berlin und Paris.

November

  • 14-tägige Italien-Tournee
  • Auftritt in Innsbruck.

Dezember

  • ELECTROLA-Aufnahmen
  • Traditionelle Weihnachtskonzerte in Den Haag, Rotterdam und Amsterdam.

 

1935

Januar

  • Tournee durch Skandinavien.
  • Letztes Konzert der Gruppe in Fredrikstad (Norwegen, südlich von Oslo) am 23. Januar.

Februar

  • Schreiben der Reichsmusikkammer vom 22. Februar 1935, wonach die „arischen“ Mitglieder der Comedian Harmonists in die ‚Reichsmusikerschaft‘ und damit in die Reichskulturkammer aufgenommen sind. Ihnen wird gleichzeitig die Genehmigung erteilt, „nach Zulegung eines deutschen Namens anstelle der Bezeichnung ‚Comedian Harmonists‘ ihre musikalische Tätigkeit auszuüben“. Den „nichtarischen“ Mitgliedern sei die Aufnahme in die Reichskulturkammer verwehrt worden, „Diese haben dadurch das Recht auf Berufsausübung verloren. Damit ist Ihnen die Möglichkeit genommen, noch weiterhin mit diesen Nichtariern zu musizieren.“ (Die endgültigen Ablehnungsbescheide für die „Nichtarier“ werden erst im August und September 1935 ausgestellt und erreichen ihre Adressaten nicht mehr.)
  • Noch bis unmittelbar vor dieser Mitteilung liefen zahlreiche Verhandlungen für die erste Jahreshälfte 1935 mit dem In- und Ausland (Tschechoslowakei, Schweiz, Frankreich, Norwegen, Ungarn, Finnland, Estland, Lettland; in Deutschland: Leipzig u. a.) sowie Plakatbestellungen, usw.
  • Es gehen Schreiben der Comedian Harmonists an diverse Konzertdirektionen: „… dass die Reichsmusikkammer dem Ensemble die Zusammenarbeit im In- und Ausland untersagt hat. Unter diesen Umständen müssen wir Sie bitten, alle Bemühungen für Auslandsengagements abzubrechen und solange nichts zu unternehmen, bis es uns gelungen ist, die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Die Aussichten hierfür sind allerdings sehr gering. … Unsere Bemühungen beim Propagandaministerium sind leider bisher ohne Erfolg gewesen, und unser letzter Versuch, eine Audienz beim Minister zu erhalten, steht noch aus.“
  • Am 28. Februar oder 1. März erfolgten trotz des Verbots die letzten Schallplattenaufnahmen bei der ELECTROLA.

März

  • Die Mitglieder vereinbaren mündlich, dass die „arischen“ Mitglieder künftig überwiegend im Inland und die „nichtarischen“ Mitglieder künftig im Ausland unter dem Namen „Comedian Harmonists“ auftreten werden.
  • Biberti sucht per Annonce bereits nach neuen Mitgliedern für eine deutsche Nachfolgegruppe.
  • Aufgrund eines Scheinvertrages einer Wiener Konzertagentur verlassen Harry Frommermann und seine Frau Erna, Marie Panzram, Fernande und Suzanne Collin sowie Rudolph Fischer-Maretzki am 10. März Berlin in Richtung Wien.
  • Erich Collin reist nach Paris und lässt dort am 15. März 1935 eine GmbH mit dem Namen „Comedian Harmonists“ registrieren, angeblich ohne Kenntnis der übrigen Kollegen und als Schutz vor fremdem Zugriff auf den Namen.
  • Biberti und Bootz verlangen daraufhin von Cycowski die Versicherung, dass völlige Gleichberechtigung beider Gruppen herrscht, insbesondere bezüglich des Namens. Biberti schaltet hierzu auch die Reichsmusikkammer ein. „Arier“ und „Nichtarier“ bestätigten sich schließlich gegenseitig schriftlich, dass sie sich nicht bei der künstlerischen Betätigung unter dem Namen „Comedian Harmonists“ behindern werden.

April

  • Die Fa. ELECTROLA wird darüber informiert, dass von den künftig fällig werdenden Tantiemen je 50 Prozent der Inlands- und der Auslandsgruppe gezahlt werden sollen.
  • Roman Cycowski bleibt noch bis Ende April 1935 in Berlin und folgt dann nach Wien.

 

Das war das Ende der Comedian Harmonists. Sie traten nie wieder in der Ursprungsformation auf, einige von ihnen sahen sich nie wieder.

 


Unter Verwendung von Nachlässen und publizierten Quellen.