Robert Biberti

von Broody
 

Robert Edgar BIBERTI

* 5.6.1902 in Berlin
† 2.11.1985 in Berlin

 
Robert Biberti, genannt „Bob“, wurde am 5. Juni 1902 in Berlin geboren. Seine Mutter war die Gesangs- und Klavierlehrerin Elise Emilie Ottilie Bertha Bibert, geborene Beral, geboren am 4. Januar 1863 in Herbesthal, Kreis Eupen (südlich von Aachen, damals zu Westpreußen, heute Belgien), Tochter eines Bahnbeamten. Roberts Vater war der Bassist Georg Johann Bibert, geboren am 26. Juli 1854 in Wien, Sohn des in Wien verstorbenen Lehrers Johann Georg Bibert und dessen Ehefrau Leopoldine, geborene Benn, spätere Stockhausen.
Vater Bibert legte sich als Sänger den Künstlernamen „Robert Biberti“ zu, den geänderten Familiennamen übernahmen auch seine Frau und später ihre Kinder. Er war ab 1884 an der Königlichen Oper Berlin als Bass engagiert.
Familie Biberti wohnte bei Roberts Geburt in der Stephanstraße 57 in Berlin-Moabit. Robert Biberti junior war durch seinen Vater ursprünglich österreichischer Staatsangehöriger. Erst per Einbürgerungsurkunde vom 2. Dezember 1926 erwarb er die Staatsangehörigkeit in Preußen und wurde dadurch Deutscher. Robert hatte einen sieben Jahre älteren Bruder: Leopold Biberti, geboren am 8. September 1895, Spitzname „Pelle“.

Von 1908 bis 1912 besuchte Robert Biberti die Grundschule Nr. 19 in Berlin. 1909 zog die Familie in die Wilhelmshavener Straße 32 um. Nebenher betrieb Robert – vermutlich durch Vermittlung des Vaters – Kinderstatisterie am Königlichen Schauspielhaus.
Ab 1911 wohnte Familie Biberti in der Knesebeckstraße 88 in Berlin-Charlottenburg (Diese Adresse wurde später zum Gründungsort und zur ersten Geschäftsadresse der Comedian Harmonists).
Robert Biberti besuchte von 1912 bis 1914 die Kaiser-Friedrich-Realschule am Savignyplatz, wo er auch einmal sitzenblieb, und von 1914 bis 1920 die Hindenburg-Realschule. Einer der Fleißigsten war er wohl nicht, vor allem im Singen schwankten seine Leistungen zwischen „gut“ und „mangelhaft“. Sein Abgangszeugnis der Realschule von 1920 enthält den Hinweis: „Er verlässt die Anstalt, um Sänger zu werden.“ Dass er 1914 [Wikipedia] bzw. 1917 die Schule abbrach, scheint eine Übertreibung zu sein. Möglicherweise wurde er kurzzeitig von der Schule verwiesen bzw. wechselte diese aus unbekannten Gründen.
Von seinem Bruder übernahm Robert die Leidenschaft zum Fotografieren, dieser hatte ihm eine Stereo-Fotokamera geschenkt. Leopold Biberti wurde Schauspieler und verließ Deutschland bereits während des ersten Weltkrieges. Er wurde Schweizer Staatsbürger und später ein bekannter Filmschauspieler.

Im September 1921 bestand Robert Biberti eine Gesangsprüfung am Theater am Nollendorfplatz mit der Note „gut“ und erhielt dort unter Herrmann Haller sein erstes Engagement als zweiter Bass. Er spielte einen Diener in der Operette „Der Vetter aus Dingsda“. Seit dieser Zeit war er Mitglied im Deutschen Chorsänger- und Ballett-Verband. Eine Ausbildung als Sänger erhielt er nie.
Die Sommerpause 1922 überbrückte er mit einer Beschäftigung als Monteur bei der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) in der Brunnenstraße, um danach bis zum Sommer 1923 wieder am Nollendorfplatz zu singen. Anschließend wurde er von September bis Dezember 1923 für den Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße engagiert, 1924 unter anderem am Theater in Oppeln und am Deutschen Theater Berlin als Chorsänger für die Operette „Mister Globetrotter“. Danach sang er an den Berliner Meinhard-Bernauer-Bühnen.
Nebenher verdiente sich Robert Biberti zusammen mit einigen Kollegen ein Zubrot als Bänkelsänger auf Berliner Hinterhöfen. Außerdem unterstützte er seinen Vater, der inzwischen arbeitslos geworden war, beim Schnitzen von hölzernen Verzierungen für Möbel.

Am 22. Februar 1925 starb sein Vater, der Kammersänger Georg Johann Bibert, genannt Robert Biberti, in der Berliner Charité und wurde auf dem Südwestfriedhof Stahnsdorf beigesetzt.
Kurze Zeit später schloss Robert Biberti einen Vertrag mit der Städtischen Oper Berlin, wiederum als zweiter Bass im Chor. In den Sommermonaten betätigte er sich wieder als Arbeiter, diesmal bei der Firma Siemens in Berlin. Dann schloss er einen Dienstvertrag als Chorsänger und Darsteller kleinerer Rollen mit der Revue GmbH Großes Schauspielhaus, Direktor Karl Rosen, für die Zeit vom 1. August bis 31. Dezember 1927. Während dieses Engagements lernte er den Bariton Roman Cycowski aus Polen und den Tenor Ari Leschnikoff aus Bulgarien kennen.

Am 18. Dezember 1927 erschien die bekannte Annonce von Harry Frommermann und Theodor Steiner im Berliner Lokalanzeiger. Robert Biberti war zu dieser Zeit auf der Suche nach einer neuen Anstellung. Später gab er an, dass seine Mutter statt seiner auf die Annonce geantwortet habe. Daraufhin erhielt er mit Datum vom 29. Dezember 1927 eine schriftliche Einladung zum Vorsingen: „Wir bitten sie, bezugnehmend auf ihre Antwort unseres Inserates, zwecks Vorsingen und Besprechung sich bei uns am 3. Jan. 28 um 12 Uhr vorm. in unserem Atelier Stubenrauchstr. 47 4 1/2 Treppen (Querstraße des Südwestkorso) pünktlich vorstellen zu wollen. Hochachtungsvoll M E L O D I E M A K E R S.“ Die maschinenschriftliche Einladung trug die Unterschriften von Steiner und Frommermann. (Hierdurch wird übrigens die spätere Behauptung Bibertis widerlegt, er sei einer der Initiatoren der Comedian Harmonists gewesen.)
Nach diesem Vorsingen erfolgte eine Einladung zur ersten Probe des Ensembles am 16. Januar 1928, nachmittags um 3 Uhr. Auch hierzu hatte Harry Frommermann im Namen der Melodiemakers schriftlich eingeladen.
Schließlich verpflichtete sich Robert Biberti am 1. April 1928 in einem Jahresvertrag zur Mitwirkung bei der Gruppe „The Melodie Makers“, die von den beiden Gründern Theodor Steiner und Harry Frommermann vertreten wurde. Gemeinsam mit Ari Leschnikoff, Roman Cycowski und dem Tenor Walter Nussbaum hatte man schließlich formlos eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gebildet, die sich erst im September 1928 in „Comedian Harmonists“ umbenannte.

Robert Biberti setzte sich schon bald als geschäftlicher Verantwortlicher der Gruppe durch, die unter „COMEDIAN HARMONISTS, p. A. Robert Biberti, Berlin-Charlottenburg 2, Knesebeckstraße 88, Tel. …“ firmierte. Nach verschiedenen personellen Umstellungen begann der kometenhafte Aufstieg der Comedian Harmonists, zunächst als Begleiter in Revuen und als Einlage bei Abendveranstaltungen, später mit eigenen abendfüllenden Konzerten sowie mit zahlreichen Schallplattenaufnahmen.
Der wirtschaftliche Aufschwung ermöglichte es Biberti nun, für sich und seine Mutter eine größere Wohnung zu mieten. Ab 1932 lebten beide in einer 7-Zimmer-Wohnung im Vorderhaus der Carmerstraße 11 in Berlin-Charlottenburg. Die Wohnung im zweiten Stock, in der Biberti stets eine Hausangestellte beschäftigte und in der die Mitglieder der Comedian Harmonists ein- und ausgingen, wurde auch zu deren Firmensitz. Dafür wurde in einem der Zimmer zur Carmerstraße ein Büro eingerichtet.
Mit dem steigenden Wohlstand begann das Luxusleben von Biberti. Er verkaufte den von seinem Bruder stammenden Mathis-Wagen und kaufte sich für 14.000 Mark ein Buick-Cabriolet, unternahm Reisen nach Übersee, u. a. durch ganz Amerika. So fuhr er 1933 mit der S.S. Europa von Bremen nach New York, von wo aus er eine USA-Rundreise startete.

1932 lernte Biberti in den UFA-Studios in Potsdam-Babelsberg seine spätere Frau kennen: Hildegard Liesbeth Longino, geboren am 13. Juni 1907 in Halberstadt. Sie war Tänzerin und Schauspielerin und war u. a. bei Rudolf Nelson aufgetreten. Doch zunächst hatte er eine längere Beziehung zu Lucie Rosenfeldt, der späteren Ehefrau von Walter Kollo. Ab 1934 lebte er dann mit Hilde Longino zusammen.

Robert Biberti gehörte zu den „arischen“ Mitgliedern der Gruppe, die im Februar 1935 auf Antrag endgültig in die Reichsmusikkammer aufgenommen wurden. Er erhielt die Mitglieds-Nr. I/12822. Da den jüdischen Mitgliedern durch die Ablehnung ihrer Aufnahme jede weitere künstlerische Tätigkeit in Deutschland unmöglich geworden war, standen die Comedian Harmonists vor einer schweren Entscheidung. Eine Emigration ins Ausland lehnte Biberti kategorisch ab. Da auch Erwin Bootz und Ari Leschnikoff die Unwägbarkeiten eines Neuanfangs außerhalb Deutschlands nicht eingehen wollten, kam es schließlich zu der Entscheidung, künftig zwei Gruppen zu betreiben, beide unter gleichem Namen.

Nach der Auflösung der Comedian Harmonists wurde Robert Biberti Gründer und Mitinhaber des Meistersextetts und suchte schon ab März 1935 per Zeitungsannonce neue Sänger. Er führte Vertragsverhandlungen, verwaltete Gagen und Lizenzeinnahmen. Auch in dieser Zeit setzte Robert Biberti seine Reisetätigkeit fort, so fuhr er im Juni 1936 für 6 Wochen mit seiner Frau Hilde, seinem Bruder Leopold und mit Erwin Bootz in die USA. Mit seiner Filmkamera machte er Aufnahmen von den Niagara-Fällen, von Florida und Havanna. Auch 1937 unternahm er erneut mit Hilde eine Schiffsreise in die USA.
Am 18. Februar 1938 starb seine Mutter, Emilie Biberti, zu der er zeitlebens ein liebevolles Verhältnis hatte. An diesem Tag gab das Meistersextett abends ein Konzert in der Berliner Philharmonie.
Im Sommer 1938 unternahmen Bibertis erneut eine Schiffsreise in die USA, begleitet von Erwin Bootz.
Nach dem Bruch mit einigen Mitgliedern des Meistersextetts im Herbst 1939 versuchte Biberti mehrfach, das Ensemble wiederzubeleben. Dabei bemühte er sich um Wehrmachtskonzerte sowie um Freistellung der von ihm neu eingestellten Sänger von der Wehrpflicht. Nebenbei machte er bei Gelegenheit Schallplattenaufnahmen, so im November 1939 E.G. 7007 „Schön ist das Soldatenleben (Potpourri)“, Teil 1 und 2 mit Begleitung durch Will Glahe und sein Harmonika-Orchester.

Eine Aufforderung zur Luftschutzdienstpflicht vom Januar 1940 durchkreuzte zunächst seine künstlerischen Pläne, so dass er erst im Dezember desselben Jahres wieder mit einem Ensemble in neuer Besetzung auftreten konnte. Nebenbei machte er Tonaufnahmen und experimentierte dazu mit Gelatinefolie-Schneidapparaturen. Auch seinem Hobby, der Fotografie, blieb er treu.
Bei zwei Bombentreffern vor und hinter dem Haus Carmerstraße 11 am 21. Oktober 1940, morgens um kurz vor fünf, wurden zahlreiche Möbel zerstört und auch viele von Bibertis Platten. Er erhielt für seinen Löscheinsatz am eigenen Haus das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern.
Im Februar 1941 kam die Konzerttätigkeit des Meistersextetts endgültig zum Erliegen. Biberti, nun ohne festes Einkommen, bemühte sich um Aufnahmen bei der Electrola, meist als Chorsänger, unter anderem Elektrola E.G. 7224: „Sing, Nachtigall, sing“ mit dem Orchester Will Glahe. Nebenbei beschaffte und tauschte Robert Biberti Dinge, die durch den Krieg rar geworden waren: Möbelbezugsstoffe, Radioröhren, Taschenlampen, Sicherungen, Puddingpulver, Autoteile, Zigaretten und Tabak, Photomaterial und Werkzeuge. Er reparierte Uhren, Plattenspieler und andere elektrische Geräte. Im Gegenzug erhielt er dafür Lebensmittel. Seine Frau Hilde tanzte im Rose-Theater, um so zum Lebensunterhalt des Paares beizutragen.

Bis zum November 1941 war Robert Biberti als Luftschutzwart dienstverpflichtet. Im Januar 1943 wurde sein schlimmster Alptraum wahr: Er wurde zur Wehrmacht eingezogen und diente in der Alexander-Kaserne in Berlin-Ruhleben, u. a. als Waffenwart.
Im November 1943 wurde das Haus Carmerstraße 11 erneut von einer Brandbombe getroffen, die Wohnung von Robert Biberti erlitt Brand- und Löschwasserschäden. Daher verlagerte er Möbel und Inneneinrichtung zu Bekannten in Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Ab Januar 1944 stellte man Biberti von der Wehrmacht frei, wohl auch aufgrund eines unterwürfigen Bittbriefes an Emmy Göring, Ehefrau des Reichsmarschalls, frühere Schauspielkollegin seines Bruders Leopold. Es gelang ihm, eine Arbeit an angeblich kriegswichtigen Entwicklungen im Laboratorium Menke in Zoppot an der Ostsee zu bekommen und seine Freundin Hilde dorthin nachzuholen.

Am 17. Juni 1944 heirateten Robert Edgar Biberti und Hildegard Liesbeth Longino auf dem Standesamt Berlin-Charlottenburg. Hilde Biberti ging seit ihrer Heirat mit „Bob“ keiner geregelten Beschäftigung mehr nach. Eine geplante Hochzeitsreise zum Bruder nach Ascona am Lago Maggiore wurde durch ein Einreiseverbot der Schweizer Behörden verhindert. Immerhin befand sich Deutschland mit halb Europa im Krieg.
Ab April 1944 sollte das Laboratorium in Soppot wegen der herannahenden Front nach Weida in Thüringen verlegt werden, was sich jedoch verzögerte. Schließlich erfolgte im März 1945 eine überstürzte Flucht, Robert und Hilde wohnten in einem Hotel in Weida, als die Amerikaner einmarschierten. Beide kehrten kurz darauf nach Berlin zurück.

Unmittelbar nach Kriegsende litten Bibertis – wie die meisten Deutschen – wirkliche Not, nachdem viele Einrichtungsgegenstände und Wertsachen ausgelagert bzw. auf dem Transport verloren gegangen waren. Biberti wurde als Unbelasteter „entnazifiziert“. Er hatte kein festes Einkommen und erhielt nur die Lebensmittelkarte III. Er handelte mit allem, was sich zu Geld machen ließ. Er bat alle möglichen Leute im Ausland um Lebensmittellieferungen, neben seinem Bruder auch Ursula Elkan, Werner Richard Heymann und Peter Lorre.
Nach wie vor führte Robert Biberti in seinem Briefkopf die Firmenbezeichnung Comedian Harmonists. Auf einem neuen Kopfbogen stand nunmehr: „Comedian Harmonists („Meistersextett“), Leitung Robert Biberti, Sekretariat Probe- und Schallplattenstudio, Berlin-Charlottenburg 2, Carmerstraße 11, Telephon 312741“. Biberti behauptete in Schreiben an die Behörden, dass er das Ensemble wieder aufbaut, und beantragte dafür Unterstützung (Strom- und Kohlezuteilung, Reisegenehmigungen). Er stellte Anstellungsbescheinigungen für seine Frau Hilde, den ehemaligen Sekretär des Meistersextetts, Dr. Hanns Grafe, sowie den ehemaligen Tenor Alfred Grunert aus. Von tatsächlichen Einstellungen, Proben, Auftritten oder Aufnahmen ist jedoch nichts bekannt geworden. Noch im Berliner Stadtadressbuch von 1948 findet sich die Anzeige „Comedian Harmonists, Schallplatten-Studio, Proberäume und Sekretariat, Leitung: Robert Biberti, Berlin-Charlottenburg, Carmerstraße 11“.

Biberti betrieb wie viele andere Berliner auch einen schwunghaften Handel mit allem, woran es zu dieser Zeit mangelte: Radioröhren, Wechselrichter, Taschenlampenglühlampen, Sicherungen, Lautsprecher, Kondensatoren und Röhren für Radios, Staubsaugerteile, Petroleum, Schrauben, Tauchsieder, Wolle, Seife, Kugellager und was sich sonst noch zu Geld machen ließ oder besser noch gegen Butter, Zigaretten und dergleichen eingetauscht werden konnte. Dafür reparierte er auch Radios und Klaviere.

Zeitlebens protestierte Biberti bei Zeitungen und Institutionen gegen jede Art von Verwendung der Namen Comedian Harmonists und Meistersextett bzw. ähnlich klingender Namen und berichtigte alle seiner Meinung nach fehlerhaften Darstellungen über die Gruppen. Unter anderem beschwerte er sich bei Herbert Imlau wegen angeblicher Nutzung des Namens Comedian Harmonists für dessen Comedien-Quartett. Lange Jahre gab Biberti sich als Gründer der Comedian Harmonists aus.
Ferner führte er einen erbitterten Kampf gegen Fred Kassen, den er – neben Leschnikoff – für den Schuldigen am Zusammenbruch des Meistersextetts im Jahr 1939 und für seine angebliche Verfolgung durch die Gestapo hielt. Dabei versuchte er, auch Alfred Grunert und Herbert Imlau für seine Zwecke einzusetzen.

Schon bald hatte er Kontakt mit dem nach Berlin zurückgekehrten Frommermann, der sich jetzt Frohman nannte und beim Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS) in Berlin beschäftigt war. Auch mit Collin, Grunert und Imlau unterhielt er Briefkontakte.
Von März bis Oktober 1949 hielten sich Robert und Hilde Biberti in Ascona im dortigen Ferienhaus des Bruders Leopold auf. Von da ab erfolgten regelmäßige jährliche mehrmonatige Aufenthalte in Ascona bis zum Tod des Bruders, wobei sich Robert Biberti um den Ausbau des Anwesens kümmerte.

In Berlin hielt er sich zunächst durch verschiedene Arbeiten wie Reparaturen, Schlosserarbeiten, elektrische Installationen und Fotografie über Wasser. Noch Anfang der 1950er Jahre firmierte Biberti im Berliner Telefonbuch unter „Biberti, Robert, Comedian Harmonists, Charlottenburg, Carmerstraße 11“, obwohl er die Versuche einer Wiederbelebung des Ensembles längst aufgegeben hatte.
Er setzte seinen Briefwechsel mit Grunert und Imlau fort, gelegentlich auch mit Collin und Cycowski und gab in deren Entschädigungsverfahren eidesstattliche Versicherungen über die Höhe der Einkünfte zwischen 1928 und 1935 ab.
Ein Streit mit seinem Vermieter führte zur Kündigung der Wohnung Carmerstraße 11. Familie Biberti zog Anfang 1957 in eine 6-Zimmer-Wohnung mit Heizung und Warmwasser im 3. Stock des Eckhauses Schlüterstraße 55 in Berlin-Charlottenburg. Biberti wohnte hier bis zu seinem Tod im Jahr 1985. Auch unter dieser Adresse findet sich der Eintrag „Comedian Harmonists“ hinter seinem Namen im Telefonbuch.

Seit Sommer 1959 erhielt Robert Biberti eine Rente vom Entschädigungsamt Berlin, wovon er die Hälfte allein für die Miete aufwenden musste. Es lässt sich kaum noch rekonstruieren, welche Einnahmen Biberti nach dem Krieg aus dem Wiederverkauf der Schallplatten der Comedian Harmonists und des Meistersextetts zuflossen. Wahrscheinlich wurden Auslands-Lizenzen seit 1939 gar nicht mehr gezahlt, und nach 1945 kam die Plattenproduktion nur langsam in Gang. Die Situation besserte sich in den 1950er und 1960er Jahren, auch durch die Produktion neuer Electrola-Schallplatten mit Comedian-Harmonists-Aufnahmen. Biberti besserte sein Einkommen durch Honorare auf, die er für Interviews und Zeitschriftenartikel sowie für die Bereitstellung von Fotos für Plattencover und Zeitungsartikel erhielt. Biberti fotografierte, führte weiter mechanische Reparaturen aus, arbeitete Möbel auf und führte allerlei Prozesse, für sich und andere.

Dank seiner Einkünfte war Biberti inzwischen ein großzügiger Lebensstil möglich. Sein erster Stammtisch befand sich im Bierlokal „Schildkröte“ in Charlottenburg. Ende 1957 kündigte der Pressezeichner Will Halle (eigtl. Erich Will) an, dass er einen 14-tägigen Stammtisch im Lokal „Tattersall“ einrichten wird, gegründet 1954 von dem ehemaligen Preisboxer Franz Diener und bis zu dessen Tod im April 1969 von ihm betrieben. An diesen Künstler-Runden „bei Diener“, aus denen oftmals lange Nächte wurden, nahmen viele große und kleine „Sternchen“ von Bühne und Film teil. Biberti spendierte einen eigenen Tisch und steuerte ein Gruppenfoto der Comedian Harmonists zur Dekoration bei – beides ist noch heute in der Kneipe am Savignyplatz in Berlin-Charlottenburg zu finden. Biberti verkehrte dort bis zu seinem Tod, nicht selten setzte der Nachtschwärmer anschließend seinen Kneipenabend in „Pauls Diele“ in der Augsburger Straße oder im „Zwiebelfisch“ am Savignyplatz fort.
Für eine vierteilige Artikelserie in der Illustrierten „Constanze“ stellte Robert Biberti 1957 zahlreiche Bilder zur Verfügung. Später behauptete er, seine Schilderungen seien darin verkürzt und entstellt wiedergegeben worden. Auch ein fünfteiliger Artikel in der ostdeutschen Zeitschrift „Melodie und Rhythmus“ aus dem Jahr 1960 beruht auf den Bildern und Informationen von Robert Biberti.

Mitte 1959 meldete sich Rudolph Fischer-Maretzki schriftlich aus seinem Londoner Exil bei Robert Biberti. Er nutzte seine Beziehungen zur His Masters Voice und kümmert sich um die Auszahlung der seit 1939 aufgelaufenen Auslandslizenzen der Comedian Harmonists und des Meistersextetts.
Robert Biberti stand weiterhin in Briefkontakt mit früheren Kollegen, so auch mit dem Pianisten Willi Herrmann sowie mit Erwin Bootz, der im Oktober 1959 nach Kanada ausgewandert war, ferner mit den Konzertdirektionen von Karl Gensberger in München, von Hermann Kempf in Frankfurt am Main und von Erich Knoblauch, ursprünglich in Dresden, seit 1959 in Heidelberg. Anfang der 1960er Jahre verlegte sich Biberti auf den Handel mit Antiquitäten und firmierte so auch im Berliner Branchenfernsprechbuch. 1962 hielten sich Robert und Hilde wiederum mehrere Monate lang in Ascona auf. Für Harry Frohman, der im selben Jahr nach Deutschland zurückgekehrt war, schrieb Biberti eidesstattliche Erklärungen für dessen Entschädigungsverfahren.
1963 konzipierte und moderierte Biberti die Radiosendung „Singende Komödianten“ über die Comedian Harmonists. Ab Juni 1964 wohnte Rudolph Fischer-Maretzki für etwa ein Jahr bei Bibertis zur Untermiete, quasi als Starthilfe nach dessen Rückkehr nach Deutschland. Der einzige, dessen flehentliche Bitten um materielle Unterstützung Biberti konsequent ignoriert hat, war Ari Leschnikoff.
1965 besuchte Harry Frohman in Begleitung seiner Lebensgefährtin Erika von Späth die Familie Biberti in Berlin. Im Frühjahr 1967 übernahm Biberti eine winzige Rolle in dem Film „Herrliche Zeiten im Spessart“ mit Lilo Pulver: Er spielte einen niederbayrischen Minister, die Dialekt-Stimme wurde nachträglich synchronisiert. Biberti hatte auch einen Auftritt in dem Kurzfilm „Mauerblume im Ballhaus Paradox“ von Rudolf Lorenzen, möglicherweise auch in dem Kurzfilm „Walterchen der Seelentröster“ über ein Berliner Original, den Ballhausbesitzer Walter Draesel.

Am 15. Februar 1968 verstarb Hildegard Biberti nach längerer Krankheit – die Urnenbeisetzung fand am 6. August 1968 auf dem Friedhof des Krematoriums Berlin-Wilmersdorf statt. Seiner Schwiegermutter Ella Longino in Halberstadt schickte Biberti nach wie vor Pakete, bis auch diese Anfang 1969 verstarb.
Ende der 1960er Jahre stritt sich Biberti mit der Electrola, insbesondere wegen der Anteile von Leschnikoff und Bootz seit 1939. Eine Hälfte der Tantiemen ging seit 1935 an die Gruppe um Frommermann. Inzwischen hatte sich auch Ari Leschnikoff bei der Electrola nach seinen Tantiemen-Anteilen erkundigt.
1969 weilte Biberti erneut mehrere Monate in Ascona auf dem Grundstück seines Bruders Leopold. Robert Biberti kümmerte sich in Berlin auch um dessen Entschädigungsansprüche wegen Verlusten durch Kriegseinwirkung. Nach dem plötzlichen Tod von Leopold Biberti am 24. November 1969 in Minden während einer Theatertournee stritt sich Robert Biberti mit dessen Tochter Evelotte um seinen Anteil am Erbe.

Im September 1969 fanden in Bibertis Wohnung Filmaufnahmen für den Kurzfilm „Die Torte“ von Rudolf Lorenzen und Karin Hanisch statt, für den Biberti auch Requisiten bereitstellte. Es gab verschiedene Synchronfassungen von diesem Streifen, der Film lief unter dem Titel „Variationen über einen Film“ am 28. Dezember 1970 im ZDF. Weihnachten und Silvester 1970 verbrachte Biberti in Ascona.
Robert Biberti litt nach dem Tod seiner Frau unter der Einsamkeit. Viele frühere Freunde und Kollegen waren inzwischen verstorben. Er pflegte wenige persönliche Beziehungen, u. a. zu Siegfried Muchow, Hanns Grafe, zu seinem Jugendfreund Theobald Zimmermann und zu Erwin Bootz, der 1971 aus Kanada zurückkehrte.
Im Juli 1972 suchte Dr. Peter Czada, Dozent an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, per Zeitungsannonce alte Platten der Comedian Harmonists. Biberti meldete sich schriftlich, und es entstand ein intensiver Kontakt, der bis zu Bibertis Tod andauerte, zu mehreren Plattenveröffentlichungen mit Liedern der Comedian Harmonists führte und später in die Veröffentlichung des Buches „Comedian Harmonists – Ein Gesangsensemble erobert die Welt“ von Günter Große und Peter Czada mündete.
Biberti unternahm weiter ausgedehnte Reisen, u. a. nach England, Österreich, Italien, Jugoslawien, die Schweiz, Frankreich und Thailand, einige in Frauenbegleitung.
Im Sommer 1973 entstand beim Senat von Berlin die Idee, die Comedian Harmonists anlässlich des 45. Jahrestag ihrer Gründung noch einmal zusammen auftreten zu lassen. Sie sollten das Lied „Wochenend und Sonnenschein“ singen. Der zwischenzeitlich verstorbene Erich Collin sollte dabei durch Alfred Grunert ersetzt werden. Aus verschiedenen Gründen wurde dieses Projekt aber nicht verwirklicht.
Ende 1975 entschloss sich der Bremer Fernsehjournalist Eberhard Fechner, die Lebensgeschichten der Mitglieder der Comedian Harmonists in einer dreistündigen Fernsehsendung zu erzählen. Unter anderem führte er vom 5. bis 10. Dezember 1975 Interviews mit Robert Biberti in dessen Berliner Wohnung. Biberti stellte für die Produktion gegen ein üppiges Honorar Fotos, Plakate, Schallplatten und Filmaufnahmen zur Verfügung. Die Sendung lief erstmalig am 18. und 20. Dezember 1976 im Norddeutschen Rundfunk, nach der Erstausstrahlung gab es weit über 1000 begeisterte Zuschriften. Gleichzeitig brachen aber auch alte Ressentiments unter den Mitgliedern auf. Ehemalige Mitglieder des Meistersextetts fühlten sich in der Reportage unterrepräsentiert. Außerdem wurde die Frage nach den Tantiemen wieder interessant. So führte Biberti 1976 einen Rechtsstreit mit Erwin Bootz über die Einnahmen aus den alten und neuen Plattenverkäufen.
1977 kam es in Berlin nach 42 Jahren zu einer Wiederbegegnung zwischen Robert Biberti und Roman Cycowski. Gemeinsam mit seiner Frau war Cycowski in Baden-Baden zu Kur und besuchte anschließend auch die Lebensgefährtin des inzwischen verstorbenen Harry Frohman in Bremen. Im November 1978 hatte Biberti den einzigen bekannten gemeinsamen Fernsehauftritt mit Erwin Bootz in der Sendereihe „Berliner Fenster“.
Biberti beschäftigte sich nach wie vor in seiner Werkstatt, machte Fotos und reiste, so u. a. 1978 nach Moskau und Leningrad, später nach Kalifornien. Nebenbei führte er sein inzwischen gewaltiges Comedian-Harmonists-Archiv, besaß fast alle Schallplatten der Gruppe, führte in dieser Sache eine umfangreiche Korrespondenz und gab Interviews. Daneben wirkte er gelegentlich noch als Kleindarsteller in Filmen mit, so u. a. 1979 als kleiner Ganove in der Serie „Ruby Martinson“ des Südwestfunks. 1979 nahm er gemeinsam mit Peter Czada den Deutschen Schallplattenpreis entgegen, der der Gruppe anlässlich der Wiederveröffentlichung ihrer Lieder auf inzwischen 5 Doppelalben verliehen wurde. Für Robert Biberti bedeutete dies aber vor allem nicht unbeträchtliche Tantiemen-Einnahmen.
Im Februar 1980 gab Robert Biberti Eberhard Fechner ein erneutes Interview für dessen Buch „Comedian Harmonists – Sechs Lebensläufe“, dass auf den 1975/76 geführten Interviews mit den damals noch lebenden Mitgliedern der Gruppe beruht. Das Interesse an den Comedian Harmonists lebte wieder auf, Nachfolgegruppen entstanden. So erhielt Biberti neben Autogrammwünschen auch viele Einladungen zu Interviews, Vorträgen und Konzerten, so u. a. im Januar 1984 zu einem Konzert der „King’s Singers“ in Köln, das live im Radio übertragen wurde.
1984 drehte der Hessische Rundfunk ein Lebensporträt unter dem Titel „Ein Berliner Leben – Robert Biberti“. Im gleichen Jahr war Robert Biberti Gast in der Talkshow „III nach 9“ des NDR und in einer Sendung von Radio Bremen.

Abgesehen von seiner scheinbar ungebrochenen Popularität litt Robert Biberti in seinen letzten Lebensjahren zunehmend an gesundheitlichen Problemen. Schließlich starb er am 2. November 1985 in Berlin an Nierenversagen. Robert Biberti hinterließ keine leiblichen Nachkommen. Sein Grab befand sich bis zum Juni 2015 auf dem Friedhof des Krematoriums Berlin-Wilmersdorf.

 


Unter Verwendung von Nachlässen und publizierten Quellen.